Kot vor dem Hauseingang
Brugger Altstadt-Bewohnerin hat genug vom Dreck der Nachtschwärmer

Sie musste vor ihrer Altstadtwohnung schon Menschen-Kot wegputzen: Doch jetzt hat Lydia Wullschleger genug und fordert Hilfe. Doch die Rentnerin fühlt sich von der Stadt und von der Polizei im Stich gelassen.

Janine Müller
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Längst blühen keine Blumen mehr in den Pflanzkübeln vor Lydia Wullschlegers Haus. Sie hat genug vom Dreck und dem Randalieren des Partyvolks. jam

Längst blühen keine Blumen mehr in den Pflanzkübeln vor Lydia Wullschlegers Haus. Sie hat genug vom Dreck und dem Randalieren des Partyvolks. jam

Janine Müller

Es ist Sonntagmorgen. Lydia Wullschleger ist Frühaufsteherin, holt wie immer um Viertel vor sieben die Zeitung aus dem Briefkasten. Sie tritt vor ihre Altstadtwohnung gegenüber der reformierten Kirche. Was sie antrifft, raubt ihr wortwörtlich den Atem: ein Haufen menschlichen Kots, gleich beim Hauseingang. «Da war der Tag gelaufen», sagt Lydia Wullschleger entrüstet.

Geputzt hat sie anschliessend selber. «Dem Bauamt wollte ich das nicht zumuten», sagt sie. Doch dieses Erlebnis machte ihr klar, dass nun etwas gehen müsse. Denn es sei nicht das erste Mal, dass ihr so etwas passiere, führt die 82-jährige Rentnerin weiter genervt aus. Die Nachtschwärmer würden auch vor den Hauseingang urinieren und erbrechen. Da sind die zerbrochenen Bierflaschen und Getränkedosen beinahe harmlos, die ab und zu herumliegen.

Früher hat sie geschaut, dass in den Pflanzkübeln vor dem Haus immer Blumen blühen. Doch das hat die Rentnerin aufgegeben. «Entweder wurden die Blumen geklaut, oder sie wurden ausgerissen und auf der ganzen Strasse verstreut», erzählt sie und präsentiert Fotos, die zeigen, welche Blütenpracht früher noch vor dem Haus zu bewundern war. «Jetzt mag ich einfach nicht mehr Energie dafür aufzuwenden.» Die Pflanzkisten liess sie trotzdem stehen. «Damit niemand sein Fahrzeug dort parkiert.»

An anderen Orten in der Altstadt, wo das Nachtleben aktiv ist, wurden Videokameras zur Überwachung installiert. Das möchte auch Lydia Wullschleger, die seit 56 Jahren im Altstadthaus wohnt. Doch privat ist es ihr nicht erlaubt, Videokameras einzurichten. Jedenfalls nicht, wenn sie damit die Strasse überwachen möchte. Denn die gehört zum öffentlichen Raum.

Ein Kübel voll Wasser

Sie fühlt sich von der Stadt und von der Polizei im Stich gelassen. Darum will sie sich selber helfen. Spricht davon, dass sie einen Kübel voll Wasser bereitstellt und damit beim nächsten Mal die Unruhestifter vertreiben will.

Polizei und Stadt hingegen relativieren das Problem. «In den letzten Monaten hatten wir wenige Probleme in der Altstadt», sagt Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei Brugg. «Es gibt ab und zu Reklamationen wegen des Lärms, aber selten wegen Verunreinigungen. Dies ist auch saisonal bedingt. In der kälteren Jahreszeit ist es ruhiger als im Sommer.»

Trotzdem: Er nehme alle Hinweise aus der Bevölkerung ernst. Und wenn eine Patrouille Leute entdeckt, die sich nicht richtig verhalten, werden diese sofort verzeigt. «Allerdings gibt es sehr wenige solche Verzeigungen», ergänzt Hossli. Und er weist darauf hin, dass es in den Altstädten immer Interessenkonflikte gibt zwischen angenehmem Wohnen und aktivem Nachtleben.

Ähnlich klingt es seitens der Stadt. Roger Brogli, Abteilungsleiter des Werkdienstes, räumt ein, dass die Mitarbeiter gelegentlich menschliche Exkremente wegräumen müssen. Wirklich oft komme dies aber nicht vor. Auch dass jemand gleich sein grosses Geschäft in einer Hausecke erledige, erlebe er höchst selten. Wenn, dann auf den öffentlichen Toiletten. «Wenn es allerdings auch nur einmal in der Altstadt vorkommt, dann ist dies höchst ärgerlich für die Betroffenen», findet auch er.

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