Auftakt-Forum
So stellen sich die Bruggerinnen und Brugger ihren zukünftigen Neumarktplatz vor

Die Einwohnergemeinde führte ein «Auftakt-Forum» zur Erneuerung des Perimeters zwischen Bahnhof- und Lindenplatz durch. Ideen hatten die Teilnehmenden viele – nicht immer war man sich einig.

Maja Reznicek
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Im zweiten Quartal 2023 soll das Bauprojekt zur Erneuerung des Neumarktplatzes starten.

Im zweiten Quartal 2023 soll das Bauprojekt zur Erneuerung des Neumarktplatzes starten.

Michael Hunziker (7. Mai 2021)

Als es das erste Mal klingelte, zeigten sich die meisten etwas irritiert. Nach vier Stunden war der Glockenklang für die rund 60 Teilnehmenden des Auftakt-Forums «Erneuerung Neumarktplatz» ein längst vertrautes Geräusch. Dann hiess es jeweils: Diskussionen abschliessen, Ergebnisse präsentieren oder Gruppe tauschen.

Es war ein umfangreiches Programm, das die Abteilung Planung und Bau der Stadt Brugg gemeinsam mit Britta von Wurstemberger der Agentur Frischer Wind für den 18. Januar organisiert hatte. Stadtrat Roger Brogli begrüsste die Anwesenden im Salzhaus und führte in die Zielsetzungen des Teilprojekts im Rahmen des Masterplans «Aufwertung Bahnhofplatz-Neumarkt» ein. Neben einer vielfältigen Nutzbarkeit des Platzes nannte Brogli:

«Wir wollen Aufenthaltsqualität und städtebauliche Qualität erreichen.»

Mit dem Anlass am Dienstagabend, so der Bauressort-Vorsteher, starte man nun in das Mitwirkungsverfahren.

Britta von Wurstemberger von der Agentur Frischer Wind erklärt das Konzept des Anlasses. In der Mitte Jörg Steinhardt, Projektleiter.

Britta von Wurstemberger von der Agentur Frischer Wind erklärt das Konzept des Anlasses. In der Mitte Jörg Steinhardt, Projektleiter.

Maja Reznicek (18. Januar 2022)

Bevor es anschliessend in die erste von drei Dialogrunden des Workshops ging, stellte Architekt Jann Stoos das Projekt «Erneuerung Neumarktplatz» vor. Projektleiter Jörg Steinhardt unterstrich ergänzend dessen «ganz klar definierten Planungsbereich». Im Detail: Die angedachte Campuspassage, auch bekannt als Mausloch, ist nicht Teil davon.

Heterogenes Publikum sammelte sich an den Tischen

Der Neumarktplatz weist gemäss Steinhardt einen Mix an Bereichen (siehe Grafik) auf, die bei der Gestaltung Beachtung verlangen: Gewisse Teile sind etwa nicht unterbaut, manche nicht im Besitz der Stadt. Der Projektleiter sagt:

«Ein Drittel ist in privater Hand. Die Privaten müssen wir also ebenfalls abholen.»

Ausserdem müsse man die Ränder des betrachteten Perimeters miteinbeziehen.

Der Perimeter für das Teilprojekt «Erneuerung Neumarktplatz» ist klar gegeben.

Der Perimeter für das Teilprojekt «Erneuerung Neumarktplatz» ist klar gegeben.

Screenshot: ABN Neumarktplatz Projektbeschrieb Pflichtenheft

Dann war es Zeit für die eröffnende Debatte des Abends. Moderatorin von Wurstemberger forderte die Teilnehmenden auf, die Ausgangslage mit den Stärken und Schwächen des Neumarktplatzes zu definieren. Bei den Diskussionen zeigte sich, wie heterogen das Publikum am Dienstag war: An den zehn Gruppentischen sassen etwa Gewerbetreibende, Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte, Mitglieder des Seniorenrats Brugg sowie von Tourismus Region Brugg, Mitglieder des Stadtrats genauso wie Anwohnende.

Rund 60 Teilnehmende diskutierten am Dienstagabend mit.

Rund 60 Teilnehmende diskutierten am Dienstagabend mit.

Maja Reznicek (18. Januar 2022)

Trotzdem ergaben sich bei der ersten Ergebnispräsentation viele Überschneidungen. Immer wieder positiv genannt wurden die zentrale Lage des Neumarktplatzes, sein hohes Potenzial für Veranstaltungen als auch das Element Wasser ebenso wie ein Vorhandensein von Sitzinseln. Auf der negativen Seite wurde erwähnt, der Platz habe «keinen Wohlfühlfaktor», sei unästhetisch, gar «schmuddelig». Zudem vermissten viele Anwesende ein attraktives Café oder ein vielfältiges gastronomisches Angebot sowie eine ganzjährige Nutzbarkeit.

Die Bäume sind ein umstrittenes Thema

Als nächster Schritt sollten Ideen zur Zukunft des roten Platzes bis im Jahr 2030 gesammelt werden. Einführend gab Architekt Jann Stoos Einblick in erste Konzeptskizzen. Diese betrafen etwa die Beleuchtungssituation, den Umgang mit dem Brunnen, Platzmöblierung, Sitzinseln und Lindenbestand ebenso wie die einheitliche Oberflächengestaltung.

Architekt Jann Stoos stellt die Ausgangslage zum Projekt vor.

Architekt Jann Stoos stellt die Ausgangslage zum Projekt vor.

Maja Reznicek (18. Januar 2022)

Grob zusammengefasst sprachen sich nicht wenige der Anwesenden für die Entfernung des Brunnens bei der Kantonsstrasse aus. Ein Gruppensprecher sagte:

«Als Wasserschloss bleibt für uns das Thema Wasser aber zentral.»

Mehrere kleine Brunnen oder eine bachähnliche Installation über den ganzen Platz wurden als Umsetzungsmöglichkeit genannt. Ob die Bäume bei den Sitzinseln erhalten werden sollen, blieb ein umstrittenes Thema.

Zu hören war auch aus der Runde, dass man sich eine Realisierung des Teilprojekts in der nahen Zukunft – in den nächsten zwei bis fünf Jahren – und nicht erst in zehn Jahren wünsche. Für einen gewissen Unmut sorgte ebenfalls die Separierung der Erneuerung des Neumarktplatzes von der Planung der Campuspassage.

Im Rahmen der Abschlussdebatte und -präsentation wurden schliesslich rund 30 Empfehlungen für die Projektverantwortlichen gesammelt. Mit Hilfe von Punkten konnten die Teilnehmenden diese gewichten. Am meisten Stimmen holte die Forderung nach einer «üppigen Begrünung». Dies in Kombination damit, dass man den «Flaschenhals» des Neumarktplatzes entschärfen, aber die Bäume belassen wolle. Den zweiten Platz belegten Vorschläge zum Thema Wasser ebenso wie die Verbesserung der Anbindung des Bahnhofs zur Altstadt.

Der Belag ist erst auf Platz fünf der wichtigsten Empfehlungen

Drittplatzierte war die «flexible Nutzbarkeit» des Platzes (etwa für Veranstaltungen), viertplatziert der Einbezug der Seitenhöfe und Zugänge in die Neugestaltung. Erst auf dem fünften Rang stand der Ersatz des seit Mitte der 80er-Jahre existierenden Belags durch eine «hochwertige, stimmungsvolle Variante». Hier hiess es von verschiedenen Seiten:

«Der kommt ja sowieso weg.»

Die Inputs aus dem Partizipationsanlass fliessen nun bei der Erarbeitung des Nutzungskonzepts ein, erklärte Stefan Hein, Leiter Planung und Bau. Miteinbezogen wird auch die einzige schriftliche Eingabe zur Forumsveranstaltung. Ein Architekt schlug gemäss Jörg Steinhardt den Einsatz von Wasser auf dem Lindenplatz vor.

Der vierstündige Anlass fand im Salzhaus Brugg statt.

Der vierstündige Anlass fand im Salzhaus Brugg statt.

Maja Reznicek (18. Januar 2022)

Bis März soll das Nutzungskonzept erarbeitet sein. Anschliessend werde das Vorprojekt in verschiedenen Varianten gestartet. Eine öffentliche Ergebnisveranstaltung ist gemäss Hein im Juni geplant, der Abschluss des Vorprojekts bis Oktober. Segnet der Einwohnerrat die Kreditvorlage im ersten oder zweiten Quartal 2023 ab, könnte umgehend der Baustart für 4,8 Mio. Franken erfolgen.