Der Mönthaler hat es geschafft: Nach 59 Stunden und 30 Minuten hat er die Strecke Romanshorn – Lausanne zu Fuss bewältigt. Ursprünglich hat der Pflegefachmann 72 Stunden für die 370 Kilometer lange Strecke eingeplant. Der 44-Jährige hat währenddessen nie geschlafen. Die letzten vier Stunden konnte er sogar rennend zurücklegen. In Lausanne wurde er von seinem Begleitteam euphorisch empfangen. Jetzt macht sich Simon Schmid erstmal auf die Suche nach einer Dusche. Dem nahegelegenen See will er seinen Körper nicht zumuten: „Ich will doch nicht, dass hier das grosse Fischsterben ausbricht“, witzelte er nach seiner Ankunft. Simon Schmid schafft damit den Weltrekord.

Start in Romanshorn

Der Startschuss zum SwissUltraRun für Simon Schmid fällt bei 16 Grad Lufttemperatur am Freitagmorgen, 4 Uhr, am schönen Seebecken in Romanshorn. Ein Händedruck, die besten Wünsche – und dann heisst es: «Lauf, Simon, lauf!» 

Drei Stunden nach dem Start kann das Begleitteam erfreut feststellen: «Wir sind bereits kurz vor Wil.» Simon Schmid laufe wie ein Uhrwerk. Mehr noch: Er sei deutlich schneller unterwegs als geplant. Um 8.27 Uhr heisst es darum: «Bereits können die Marschtabellen dem Altpapier ausgehändigt werden. Wir sind daran, neue Eckdaten zu definieren.» 

Auch nach 130 Kilometern kann Simon Schmid noch Lachen.

Auch nach 130 Kilometern kann Simon Schmid noch Lachen.

Um 10.35 Uhr bremst die Hitze den Ultraläufer etwas. Das Tempo ist aber nach wie vor hoch. Entgegen der Planung erfolgt die Wachablösung des Begleitteams erst in Winterberg. Um 11.15 Uhr hat Simon Schmid schon fast 70 Kilometer zurückgelegt.

Die Ablösung in Winterberg hat wie am Schnürchen geklappt. Um 13.30 Uhr passiert der Ausdauerathlet den Flughafen in Kloten.

Das erste Viertel ist geschafft um 14.47 Uhr. Simon Schmid passiert den Katzensee. In Regensdorf hat er die ersten 100 Kilometer zu Fuss absolviert. Noch immer hat er mehr als 270 Kilometer vor sich. Die Temperaturen sind hoch, das angeschlagene Tempo auch – aber der Ultraläufer fühlt sich gut. 

Schmid überschreitet die Kantonsgrenze und kommt in den Aargau. Um 18 Uhr lässt er das Stadtzentrum Baden hinter sich. Am Posten Baden-Dättwil verpflegt er sich – und weiter geht es im Laufschritt.

In Brugg trifft der Ultraläufer um 19.30 Uhr ein – wo sein Team und seine Freunde auf ihn warten. Schmid legt eine kurze Pause ein, kühlt sich mit Wasser ab und nimmt ein paar Becher Flüssigkeit zu sich. 

Der Ultraläufer Simon Schmid läuft in Brugg ein. Dort gönnt er sich eine Abkühlung und wird mit erfrischenden Getränken versorgt.

Der Ultraläufer Simon Schmid läuft in Brugg ein. Dort gönnt er sich eine Abkühlung und wird mit erfrischenden Getränken versorgt.

Kurz vor 22 Uhr erreicht der Ausdauerathlet Auenstein. Er drosselt etwas das Tempo. Es dunkelt ein, die Stimmung ist gut.

Froh, dass es losgeht

An den Startort Romanshorn gereist ist der Ausdauerathlet zusammen mit seinem Team und dem vollgeladenen Begleitbus am Donnerstagnachmittag. Die Örtlichkeiten wurden erkundet, es lockte ein Sprung in den Bodensee und auf der Gartenterrasse konnte die ganze Mannschaft eine Pizza geniessen.

Apropos: Die Begleiter werden den Ultraläufer aus Mönthal bis ins Ziel in Lausanne auf allen 370 Kilometern unterstützen. Schmid hat zwar einen gesunden Respekt vor dem Lauf quer durch die Schweiz, zeigte sich aber froh, dass sein Abenteuer nach der langen und intensiven Vorbereitung endlich losgeht.

Er ist unglaublich rasch unterwegs. Ultraläufer Simon Schmid hat auch die zweite Nacht gut überstanden und ist mittlerweile schon fast am Neuenburgersee. „Es geht ihm immer noch sehr gut“, sagt Begleiterin Prisca Huber-Muhl. Das Erfolgsrezept des Mönthalers: Er hat den Samstag, also den zweiten Tag, gemütlich genommen. Er ist praktisch nur marschiert und konnte dadurch Kräfte sparen, beziehungsweise sogar aufbauen. 

Motiviert hat ihn immer wieder, dass etliche Leute am Strassenrand standen und ihn anfeuerten, manchmal auch joggend begleiteten. Die Nahrungsaufnahme funktionierte ebenfalls einwandfrei. Simon Schmid konnte immer wieder gut essen und sich regenerieren. Das ist wichtig gewesen für die zweite Nacht, vor der Simon Schmid Respekt hatte. „Er hat sich durch den Tag so gut erholte, dass er dann in der Nacht ab ist wie eine Rakete“, erzählt Prisca Huber-Muhl.

 (mhu)

Hier können Sie den Lauf per Live-Tracker mitverfolgen.