Bezirksgericht Muri
Prostituierte zum Sex gezwungen? Dreitägiger Prozess gegen mutmasslichen Vergewaltiger beginnt heute

Ein Mann soll mehrere Frauen zum Sex gezwungen und sie bedroht haben. Bereits kurz nach der ersten Verhaftung soll es zu weiteren Vorkommnissen gekommen sein.

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Unter Androhung von Gewalt soll der Angeklagte die Opfer zum Sex gezwungen haben.

Unter Androhung von Gewalt soll der Angeklagte die Opfer zum Sex gezwungen haben.

Symbolbild: Shutterstock

Am Dienstag beginnt vor dem Bezirksgericht Muri der Prozess gegen einen 36-Jährigen Mann. Ihm wird unter anderem mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung, Drogendelikte, wiederholte Tätlichkeiten und mehrfache Freiheitsberaubung vorgeworfen – die Anklageschrift umfasst ganze 25 Seiten. Der Prozess ist auf drei Tage angesetzt.

Der Beschuldigte soll unter anderem eine Prostituierte gegen ihren Willen zum Sex gezwungen haben, dies durch Drohungen und körperliche Gewalt. Zudem soll er sie auch in seiner Wohnung in Boswil festgehalten haben. Laut Anklageschrift war dabei auch eine Schusswaffe im Spiel. Die damalige Freundin des Beschuldigten überraschte ihn dabei, als sie am Mittag von der Arbeit nach Hause kam. Anschliessend soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein.

Auch sie ist Zivil- und Strafklägerin, nicht nur, weil es zu Tätlichkeiten gekommen sein soll, sondern auch, weil der Beschuldigte seiner Freundin Gegenstände entwendet haben soll, um damit die Dienstleistungen der Prostituierten zu bezahlen. Der Vorfall löste im Oktober 2017 in Boswil einen grösseren Polizeieinsatz aus. Eine Nachbarin hatte die Polizei gerufen, weil sie Schreie aus der Wohnung gehört hatte.

Wurde der Beschuldigte kurz nach U-Haft wieder straffällig?

Wie «Blick» schreibt, sei der Beschuldigte nach diesem Vorfall verhaftet, danach aber während des laufenden Verfahrens wieder freigelassen worden, weil keine Kollusionsgefahr bestand und der Beschuldigte die Vorwürfe bestritt.

Noch während das Verfahren lief, soll es zu weiteren Vorkommnissen gekommen sein, wegen denen der 36-Jährige nun vor dem Bezirksgericht Muri steht: Unter anderem soll er zwei weitere Frauen zum Sex gezwungen haben. In einem Fall traf er sich laut Anklageschrift mit einer Frau auf der Besuchertoilette einer Psychiatrischen Klinik und verlangte von der Drogensüchtigen Sex für Kokain.

Wie die Aargauer Staatsanwaltschaft gegenüber «Blick» äussert, habe man nach den ersten drei Monaten Untersuchungshaft keine Verlängerung der U-Haft beim Zwangsmassnahmengericht beantragt, weil «das im Sexgewerbe arbeitende und nicht in der Schweiz beheimatete Opfer das Land nach der Verhaftung bereits wieder verlassen hatte».

Und weil zu diesem Zeitpunkt «keine Haftgründe» im Raum gestanden hätten, sei der Beschuldigte nach drei Monaten aus der U-Haft entlassen worden. «Insbesondere gab es keine Hinweise auf eine Wiederholungsgefahr betreffend Sexualdelikte», erklärt Adrian Schuler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber «Blick».

Die Staatsanwaltschaft beantragt zehn Jahre Freiheitsstrafe, eine unbedingte Geldstrafe von 4800 Franken, und eine Busse von 3000 Franken. Zudem ist eine stationäre Massnahme beantragt. (kob)