Gala

Begeisterung für den Aargauer Wein

Begeisterung für den Aargauer Wein

Begeisterung für den Aargauer Wein

420 Personen geniessen im Badener «Martinsberg» die Harmonie von Teller und Glas

«Diese Weinliste erinnert mich an einen Kontoauszug, aber auf der Ausgabenseite», frotzelte Chefredaktorin Barbara Meier-Dittus von der Weinzeitschrift «Vinum». Mit gutem Grund: Während die Aargauer Spitzenköche die Hauptgänge so poesievoll beschrieben, dass einem das Wasser im Munde zusammenlief, beschränkten sich die Weinbauern auf die trockene Bezeichnung der Traubensorten. Womit der Beweis im Badener «Martinsberg» erbracht war, dass die Aargauer Rebbauern zwar hervorragende Tropfen und Spezialitäten keltern können, aber bei der Vermarktung noch Potenzial haben. Viele Konsumenten wissen überhaupt nicht, was unsere Rebberge so alles hergeben.

Winzer und Köche erzählen

Genau darum ist die Wein-Gala entstanden, die im festlichen Badener «Martinsberg» am Freitag mit 220, am Samstag mit 200 Gästen stattfand. Mit dem Festival der Sinne wurde ihnen viel geboten für die 170 Franken pro Person – ohne Sponsoren wäre der Betrag doppelt so hoch. Weil die Weinbauern am Mikrofon wie leere Flaschen sind, haben sie die besten Profis verpflichtet: Moderator Michael Sokoll, Programmleiter bei Radio Argovia, ist es ausgezeichnet gelungen, mit sympathischem und hartnäckigem Nachfragen die Winzer ebenso wie die Spitzenköche aus der Reserve zu locken. Erklärungen waren durchaus nötig, schon beim ersten Gang, dem «Wilden Schoggiburger mit Heubad und Wurst vom blauen Schweden» – von Koch Felix Schibli und den Lehrlingen freudig kreiert.

Vom Schaumwein bis zur Cuvée

Selbst für den Schaumwein zur Vorspeise braucht der Kenner die italienische Weinkarte nicht, es gibt auch bei uns 200 Schaumweine, jene von Weinbau Wehrli in Küttigen und Wetzel in Würenlos bewiesen, dass sie dem Vergleich standhalten können. Bei den drei Sauvignons blancs waren die starken Unterschiede in Nase und Gaumen spannend. Zum Essen mit Fisch passte der Schinznacher am besten. Will sich ein Weisswein zuerst nicht so richtig öffnen, empfiehlt die Spezialistin das Umleeren in eine schmale Karaffe.

Als eine richtige Diva bezeichnete Meier-Dittus den Blauburgunder, «er muss gehätschelt werden, im Rebberg wie im Keller». Die Hauptsorte nennt sie die Spitze des Aargauer Weinbaus, mit Leidenschaft zu machen, mit Genuss und Freude zu trinken. Umso einfacher, wenn dazu noch ein Schweinsfilet mit Speckmantel vom Kasteler Wollschwein und Fricktaler Capuns auf dem Teller liegen. Eine neue Dimension boten die Cuvées im Verbund von Pinot noir und anderen Traubensorten. Was sich der Laiennase nicht offenbart, dem half Barbara Meier weiter, wenn sie von Leder, Heidelbeeren, Pfeffer und Vanille schwärmte oder bei den Süssweinen von Lindenblüte, Pfirsich und Honig.

Mit Herzblut bei der Sache

Die Redner waren alle erfrischend kurz: Peter Wehrli, Präsident im Branchenverband Aargauer Wein, nannte den Wein ein Kulturgut, das Heimatgefühle wecke. Finanzdirektor Roland Brogli sagte, für grosse Projekte brauche es neben Wissen und Können viele kleine und banale Schritte – wie beim Regieren auch. Aus den originellen Kreationen der Köche sprachen Fantasie und Freude, das vermittelten ebenso die Gespräche mit Reto Ettisberger, Bernhard Bühlmann, Albi von Felten und Jörg Lenzin. Auch beim Dessert zeigte sich, dass die Meister mit Herzblut bei der Sache sind: Susanne Klemenz und Rolf Beeler beim Käse, Rolf Mürner beim süssen Finale. Über einen gelungenen Anlass durften sich OK-Chef Robert Amsler und die Dutzende von Helfern mitfreuen.

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