Wettingen
Mit vereinten Kräften und dem fünften Sinn: Selten aufgeführtes Requiem von Schumann wird gespielt

Am Sonntag treten das Kammerorchester 65 und der Wettinger Singkreis gemeinsam in der Kirche St. Anton in Wettingen auf.

Sibylle Ehrismann
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Das Vokalquartett Orion Vokal 4: Daniel Pérez, Antonia Frey, Joël Morand und Noëmi Sohn (v.l.)

Das Vokalquartett Orion Vokal 4: Daniel Pérez, Antonia Frey, Joël Morand und Noëmi Sohn (v.l.)

Tibor Nad

Romantische Musik braucht grosse Chöre und Orchester. Entsprechend viele Musikbegeisterte sind für die bevorstehenden Konzerte mit Werken von Robert Schumann vonnöten (am 3. April in der Kirche St. Anton, Wettingen und am 2. April in Brugg).

Der Wettinger Singkreis wagt unter der Leitung von Johannes Ehrler das anspruchsvolle Requiem, und das Kammerorchester 65 unter der Leitung von Alexandre Clerc die 4. Sinfonie in d-moll. Das Besondere: Die vier Solopartien im Requiem werden von einem bestehenden Vokalquartett gesungen.

Wüsste man es nicht, man würde hinter diesem Mammut-Programm nicht lauter Laien erwarten. Gerade Schumanns Requiem wird von Laienchören eher selten aufgeführt. Harmonisch, also im Zusammenklang der Stimmen, ist das Werk sehr fordernd. Da braucht es schon einen Dirigenten wie Jonas Ehrler, der für die Sache brennt und seine Sängerinnen und Sänger gut motivieren kann.

Mit dem Singkreis gross geworden

Ehrler ist quasi mit dem Singkreis gross geworden, er stammt aus Wettingen und konnte schon als Dirigier-Student in Zürich mit diesem Chor wichtige Erfahrungen sammeln. Nach seinem Studienabschluss ging es schnell: 2018 gewann der damals 26-Jährige das Auswahlverfahren zum Assistenzdirigenten von drei Orchestern in Frankreich, die er alle dirigieren konnte.

Das war erst der Anfang: Im vergangenen Sommer schaffte es Ehrler bis ins Finale des renommierten «Herbert von Karajan Young Conductors Award» und konnte im August an den Salzburger Festspielen ein Konzert mit der Camerata Salzburg dirigieren – der Traum vieler junger Dirigenten.

Trotz dieser Erfolge im Ausland kehrte Ehrler gerne zum Wettinger Singkreis zurück. Ihm ist es ein Anliegen, sich an seinem Wohnort weiterhin künstlerisch zu engagieren. Er war es denn auch, der für die sängerischen Solopartien in Schumanns Requiem ausdrücklich ein gut aufeinander eingespieltes Vokalensemble wünschte.

«Orion Vokal 4», das Daniel Pérez (Bass) leitet, hat sich mit seinem originellen Profil schnell einen Platz in der Musikszene erobert. «Noëmi Sohn (Sopran), Antonia Frey (Alt) und ich kommen aus der Region», sagt Pérez, «nur unser Tenor Joël Morand ist von weiter her. Zudem singen wir auch im Chor der Bachstiftung St. Gallen mit. Gerade in der Alten Musik gibt es schöne Musik für Vokalquartette.»

Eigenwillige Programme in besonderer Atmosphäre

«Orion Vokal 4» kreiert gerne eigenwillige Programme in besonderer Atmosphäre: Liegestuhl-Konzerte, einen Musikalischen Abendspaziergang auf dem Kulturweg Wettingen, oder sehr alte Musik aus der Renaissance in einem dunklen Raum mit Kerzenschein. Aber auch Buntes wie ein Potpourri mit Schweizer Mundartliedern macht den vier Berufssängern Spass.

Als Vokalensemble singen die vier meist ohne Instrumentalbegleitung a cappella. Doch nun, für Schumann, ist da ein Chor und ein Orchester, das ihre Soli begleitet. «Es ist das erste Mal, dass wir mit dem Wettinger Singkreis und dem Kammerochester 65 auftreten», erzählt Pérez. «Es sind zwei sehr professionell geführte Ensembles, wir freuen uns darauf. Johannes Ehrler hat uns angefragt, weil er vier Solisten wollte, die extrem gut harmonieren. Und wir haben einen 5. Sinn dafür.»

Brugg, Stadtkirche: Sa, 2. April, 19 Uhr.
Wettingen, Kirche St. Anton: So, 3. April, 17 Uhr.
Vorverkauf: www.wettinger-singkreis.ch / www.k65.ch

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