Tourismus
So will Baden die historischen Ausgrabungen in Zukunft vermarkten

Die Stadt reisst verschiedene Projekte an, um das grosse, kulturelle Erbe der Bäder zu vermarkten. Ein alt Stadtrat sieht bisher aber noch keine langfristige Strategie.

Hans-Caspar Kellenberger
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Blick auf das «Fortyseven» und das Bäderquartier. Hier fanden Ausgrabungen statt, deren Ergebnisse auch für den Tourismus vermarktet werden sollen.

Blick auf das «Fortyseven» und das Bäderquartier. Hier fanden Ausgrabungen statt, deren Ergebnisse auch für den Tourismus vermarktet werden sollen.

Valentin Hehli

Während Wissenschafter die 2021 beendeten Grabungen bei den grossen Bädern noch auswerten, plant die Stadt Baden, wie diese in den Tourismus einfliessen sollen. Wie sollen das grosse, kulturelle Erbe und insbesondere die Erkenntnisse aus den jüngsten Ausgrabungen vermarktet werden?

«Baden positioniert sich als Kultur- und Bäderstadt», sagt Jacqueline Keller Borner, Leiterin Kommunikation der Stadt, auf Anfrage. Der «Begegnungsort Kultur- und Bäderstadt» ist weiter auch ein Entwicklungsschwerpunkt Badens. Gerade im touristischen Bereich braucht es nachhaltige Konzepte. Gäste, die hierherkommen, sollen im besten Fall gleich mehrere Orte besuchen, heisst es schon seit längerem bei der Stadt. Und: Sie sollen nach ihrem Besuch wieder nach Baden kommen.

Selbst ein Teil der Geschichte werden

Bei der Stadt heisst es auf Anfrage: «Wer mit dem Thermalwasser in Berührung kommt, macht die lange Geschichte lebendig und gestaltet die Zukunft.» Und: «Über die sinnliche Körpererfahrung – sei es in der Wellnesstherme, in den Bädern der Blume, im Limmathof oder in den heissen Brunnen – werden die Menschen selbst Teil der einzigartigen Bäder-Geschichte, die jetzt fortgeschrieben wird.» Die Bäder seien zudem auch thematischer Schwerpunkt der Planung des Destinationsmanagements der Stadt.

Die Bädervermittlung finde bereits auf verschiedenen Ebenen statt und entwickle sich stetig weiter, heisst es bei der Stadt. Konkrete Schritte seien bereits geplant, so zum Beispiel das Bäderfest, das im November dieses Jahres stattfinden wird. Ein grosser Teil der Funde – insbesondere diejenigen aus dem 19. und 20. Jahrhundert – seien zudem bereits heute mit der Dauerausstellung «Geschichte verlinkt» im Historischen Museum Baden sichtbar.

Ausgrabungsgegenstand aus der Dauerausstellung «Geschichte verlinkt» im Historischen Museum Baden.

Ausgrabungsgegenstand aus der Dauerausstellung «Geschichte verlinkt» im Historischen Museum Baden.

Sandra Ardizzone

Die Sonderausstellung «Badekult» (2019/2020) mit dem «sechsten Raum» im «Bad zum Raben» (ehemaliges Hotel Schweizerhof), der vom Verein «Bagni Popolari» bis heute künstlerisch bespielt und im naturbelassenen Wasser gebadet wird, zeige auf, in welche Richtung es gehen werde. «Die verschiedenen Akteure in und um die Bäder spannen zusammen und vermitteln die Bädergeschichte lebendig und interdisziplinär.»

Dazu gehören gemäss der Stadt unter anderem das Bäderkuratorium vom Bäderverein, die Stadtführungen, die römische Apsis und die Kesselquelle im neuen Thermalbad sowie bald auch der Verenahof mit der begehbaren Hinterhofquelle und das Vor-Ort-Erlebnis mit einer – sich noch in der Planung befindenden – Web-App, welche die touristische Geschichtsvermittlung fördern soll.

Infotafeln kommen im Frühling

Die Informationstafeln zu kulturgeschichtlichen Orten und «Thermalobjekten» sollen im Frühling lanciert werden. Die Inhalte der Tafeln würden gegenwärtig noch fertig erarbeitet. Dabei fliessen insbesondere auch Erkenntnisse aus den jüngeren Ausgrabungen von 2009 bis 2021 mit ein. «Damit kann das Angebot professionell und gebündelt sowie zielgruppenorientiert vermarktet werden», so die Stadt Baden.

Eine zusammenhängende, langfristige Strategie bezüglich der Nutzung der jüngsten archäologischen Ausgrabungen im Bäderquartier für den Tourismus wurde seitens der Stadt aber bisher noch nicht kommuniziert.

Grabungen der Kantonsarchäologie in Baden 2018. Die jüngsten Ausgrabungen fanden von 2009–2012 und von 2017–2021 statt.

Grabungen der Kantonsarchäologie in Baden 2018. Die jüngsten Ausgrabungen fanden von 2009–2012 und von 2017–2021 statt.

Sandra Ardizzone

«Wenn man die langfristige Geschichte in der Region Baden anschauen will, kommt man um die Bäder nicht herum», sagte Kurt Wiederkehr, alt Stadtrat Badens und Präsident des Vereins «Melonenschnitz», der die Auseinandersetzung mit der Geschichte Badens fördert. Dies gilt natürlich auch für den Tourismus.

«Als Basisarbeit ist die wissenschaftlich saubere Aufarbeitung und Darstellung des heutigen, in den letzten 15 Jahren stark gewachsenen Wissens über die Entwicklung der Bäder nötig. Basisarbeit ist wenig attraktiv, braucht Zeit und Geld. Vieles, in der ganzen Spanne der heutigen Kommunikationsinstrumente, kann dann aber viel einfacher daraus entwickelt werden», sagt Wiederkehr. So zum Beispiel also mit einer App als touristische Geschichtsvermittlung.

«Gesamtrahmen fehlt noch»

«Es gibt verschiedene Institutionen, wie etwa mehrere Bereiche der Stadt Baden, der Bäderverein und auch Private, die hier individuell bereits gute Arbeit leisten», sagt er. Dennoch: «Aus der Sicht eines nicht direkt Involvierten fehlt aber ein Gesamtrahmen, eine Gesamtführung und
-koordination mit Herzblut. Das wäre aber nötig, wenn die langfristig wirksame Positionierung der Bäder als tief in der Geschichte verwurzelter, aber offener, lebendiger und innovativer Ort gelingen soll.»

Eine kohärente, zusammenhängende und langfristige Strategie für die Vermarktung der jüngsten Ausgrabungen seitens der Stadt Baden und deren Nutzung für den Tourismus ist also für den alt Stadtrat bisher nicht fassbar.