Spreitenbach
Zu viele Wechsel: Spreitenbach will Beistandschaften im Kindes- und Erwachsenenschutz auslagern

Nach dem Austritt Anfang der Nullerjahre will das Dorf dem Gemeindeverband Kindes- und Erwachsenenschutzdienst des Bezirks Baden, der früheren Amtsvormundschaft, wieder beitreten.

Claudia Laube
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Der Spreitenbacher Sozialdienst hat mit vielen Personalwechseln zu kämpfen.

Der Spreitenbacher Sozialdienst hat mit vielen Personalwechseln zu kämpfen.

Alex Spichale (16. Mai 2016)

Spreitenbach hat im Sozialdienst seit Jahren mit vielen Personalwechseln zu kämpfen. Deshalb wird aktuell eine Reorganisation durchgeführt. Eine der Massnahmen betrifft die Auslagerung der Beistandschaften im Kindes- und Erwachsenenschutz, die im Moment noch durch Sozialarbeiter der Gemeinde betreut werden. Wenn es nach Spreitenbach geht, soll ab 2020 der Gemeindeverband «Kindes- und Erwachsenenschutzdienst KESD des Bezirks Baden», die frühere Amtsvormundschaft Baden, die Beistandschaften übernehmen.

«Plus/minus 133 Dossiers zählten wir im Kindes- und Erwachsenenschutz bis Ende 2018», sagt Gemeinderat und Sozialvorsteher Marcel Lang (parteilos) auf Anfrage. «Die Fallzahlen blieben in den letzten Jahren in etwa gleich hoch.» Die hohe Fluktuation in den Sozialen Diensten führte aber dazu, dass manche betreute Personen innert kurzer Zeit einen neuen Beistand erhielten, sich also an eine neue Ansprechperson gewöhnen mussten. «Das ist sehr unbefriedigend», sagt Lang.

«Nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für uns als Gemeinde und für das Familiengericht Baden. Die Wechsel bedeuten immer auch einen grossen administrativen Aufwand.»

Die gemachten Erfahrungen hätten nun zum Entschluss geführt, dass die Gemeinde «letztlich zu klein für eine selbstständige Führung des Beistandschaftsbereichs sei, wenn dabei Stellvertretungen, krankheitsbedingte Absenzen und Personalwechsel zu bewältigen seien», begründet der Gemeinderat in einer Mitteilung den Schritt.

Am 18. Juni wird die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung darüber abstimmen können, ob die Gemeinde dem KESD beitreten soll.

Beitrittswunsch überrascht den KESD

Bereits im Dezember hat Spreitenbach einige Beistandschaften an die KESD ausgelagert, sagt deren Präsident Anton Möckel. Das sei möglich, weil sie auch auf Mandatsbasis arbeiten: «Aber es kommt eine Gemeinde günstiger, wenn sie Mitglied wird und sich an unseren Organisationsstrukturen beteiligt.»

Den Vorstand des KESD hat die erneute Anfrage von Spreitenbach erst überrascht, war die Gemeinde doch 2003 aus dem Verband ausgetreten, in der Meinung, dass es sie günstiger käme, die Beistandschaften selbst zu bearbeiten. Während sich die Gemeinde nun aber für die Betreuung der Beistands-Mandate zu klein fühlt, fand der KESD-Vorstand erst, «dass eine Gemeinde in der Grösse von Spreitenbach das alleine machen kann.» Kleinere Gemeinden seien für die Dienstleistungen des KESD eher prädestiniert.

Zunehmende Fallzahlen

Das grundsätzliche Ziel des Gemeindeverbands sei aber, alle 26 Gemeinden des Bezirks aufnehmen zu können. Obersiggenthal war 2018 die bisher letzte, die aufgenommen wurde. Mit Spreitenbach wären es 19. «Diese Gemeinde aufzunehmen, ist für uns natürlich schon bedeutend. Sie haben viele Fälle», sagt Möckel.

Wenn die Bevölkerung dem Beitritt zustimmt, bedeute das für den KESD, die Stellenanzahl aufstocken zu müssen. Aber die Aufnahme von Spreitenbach bringe den KESD noch nicht an die Grenze. Jedoch: «Wenn eine Gemeinde wie Wettingen auch einen Antrag stellen würde, dann müssten wir wirklich diskutieren: Lassen unsere Organisationsstrukturen und die Anzahl Räume das auch wirklich zu?», so Möckel.

Die Fallzahlen haben beim KESD jährlich zugenommen. Waren es Ende 1990 noch 415 Dossiers, so wurden 2017 880 Dossiers betreut — Spreitenbach und Obersiggenthal noch nicht mitgezählt.