Oberrohrdorf
Altbau weicht moderner Überbauung: Im Zentrum sollen 15 neue Wohnungen entstehen

Das ehemalige Post-Gebäude an der Ringstrasse 5 in Oberrohrdorf soll abgerissen werden. Stattdessen entsteht ein Wohnhaus mit Gewerbe. Gemeindeschreiber Thomas Busslinger hat dafür bereits einen Wunsch.

Sarah Kunz
Drucken
Das alte Gebäude und der Holzschopf werden demnächst abgerissen. Stattdessen ist hier ein Neubau geplant.

Das alte Gebäude und der Holzschopf werden demnächst abgerissen. Stattdessen ist hier ein Neubau geplant.

Bild: Sarah Kunz

Wer am Zentrum in Oberrohrdorf vorbeigeht, kann sie nicht übersehen: Die Bauprofile, die rund um das alte Gebäude an der Ringstrasse 5 ausgesteckt sind. Einst war dort die Post untergebracht. Das rund 1700 Quadratmeter grosse Grundstück liegt zwischen der ehemaligen Milchgenossenschaft und der neuen Poststelle an der Cholacherstrasse.

Das Haus ist im Bauinventar von kommunal schützenswerten Bauten und Kulturobjekten des Kantons Aargau aufgeführt. In dieses Inventar aufgenommen werden Objekte, die baugeschichtlich, typologisch, ästhetisch oder aufgrund ihrer Stellung im Ortsbild für die Gemeinden von besonderer Bedeutung sind. Es soll den Gemeindebehörden als Grundlage für die Ortsplanung dienen. Auch die Gemeinde Oberrohrdorf hat das Haus als ein für das Strassenbild mitbestimmendes Gebäude klassifiziert. Trotzdem ist ein Abbruch und anschliessender Ersatz durch Neubauten mit Rücksicht auf das Ortsbild möglich. Und genau das geschieht jetzt.

Das alte Haus soll zusammen mit dem benachbarten Holzschopf abgerissen werden. An deren Stelle ist stattdessen ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus mit Einstellhalle geplant. Insgesamt sollen 15 Wohnungen mit Loggien entstehen – mit 2½-, 3½- und 4½-Zimmern – sowie Platz für Gewerbe. Grundeigentümer und Bauherr ist die Hächler Immobilien AG aus Wettingen. Der Projektentwurf stammt vom Büro Frei Architekten AG aus Aarau. Die Baugesuche für den Abbruch sowie für den geplanten Neubau liegen derzeit bei der Bauverwaltung öffentlich auf. Die Baukosten betragen demnach 6,75 Millionen Franken.

Neubau soll sich optimal ins Ortsbild einfügen

Gemäss Baugesuch ist ein Massivbau mit einer Fassade aus horizontal gegliederten Betonbändern in Weisszement und hellem Klinkermauerwerk geplant. Wer jetzt aber an einen Betonklotz denkt, liegt falsch. «In der Horizontale wie auch in der Höhe erfährt das Gebäude einen Versatz» erklärt der Architekt Arturo Roth. Dadurch werde das Gebäudevolumen auf allen Seiten gebrochen und passe sich so besser an die umliegenden Gebäude an.

Der Versatz in der Höhe entsteht durch ein sogenanntes Split-Level. Das bedeutet, die einzelnen Ebenen werden um ein halbes – statt wie herkömmlich um ein ganzes – Geschoss zueinander versetzt. «So können wir optimal auf das steil vorhandene Terrain reagieren und gleichzeitig eine Staffelung im Gebäudekörper schaffen», sagt Roth. Dass sich der Neubau gut in den ortsbaulichen Kontext einfügt, sei ihm wichtig gewesen. Schliesslich stelle die Ringstrasse ein wesentliches Merkmal des Zentrums dar.

So soll das Mehrfamilienhaus dereinst aussehen. Indem es in der Höhe und der Tiefe versetzt wird, soll es optisch kleiner wirken.

So soll das Mehrfamilienhaus dereinst aussehen. Indem es in der Höhe und der Tiefe versetzt wird, soll es optisch kleiner wirken.

Visualisierung: Frei Architekten

Das gesamte Gebäude wird nach Minergie-Standard ohne Zertifizierung gebaut, die Wärmeerzeugung soll mit erneuerbaren Energien erfolgen. Die Umgebung wird gemäss Baugesuch erneut als Garten gestaltet und mit einer Sockelmauer sowie mit einem Geländer räumlich klar umfasst. Damit soll ein Thema, das für die Ringstrasse typisch ist, wieder aufgenommen werden, heisst es im Baugesuch.

Direkt vor dem Haus entsteht derzeit die neue Bushaltestelle sowie der neue Zentrumsplatz. Im Moment befindet sich dort die grosse Baustelle im Zuge der Kantonsstrassensanierung. Gemäss Grobplan soll das neue Mehrfamilienhaus bis spätestens Dezember 2023 realisiert werden – Einsprachen könnten aber noch zu Verzögerungen führen.

Gemeindeschreiber: «Wir können vom Projekt profitieren»

Gemeindeschreiber Thomas Busslinger steht in einem der Sitzungszimmer im Gemeindehaus. Durch das grosse Fenster blickt er auf das entsprechende Grundstück. «Ich finde es sehr gut, dass an diesem prominenten Standort etwas Neues geplant wird», sagt er. «Als Gemeinde können wir immer enorm von solchen Projekten profitieren.» Er deutet auf die Baustelle. «Der Platz hier wird ohnehin toll gestaltet und der Neubau bietet die Chance, ihn zu beleben.» Busslinger wünscht sich, dass in den Gewerberäumlichkeiten beispielsweise eine Bäckerei mit Café oder ein Blumenladen unterkommt. «Hauptsache etwas, das Leben ins Zentrum bringt», sagt er. Darauf habe die Gemeinde jedoch keinen Einfluss.

Dass ein altes, ehrwürdiges Haus mit hübschem Holzschopf aus dem Dorfbild verschwinde, sei natürlich schade. «Aber es wird optimal ersetzt», findet Busslinger. «Der Neubau passt gut ins Ortsbild.» Ausserdem werde damit Wohnraum geschaffen. Und das würde Oberrohrdorf dringend benötigen.