Die sphärischen Klänge aus dem Autoradio tragen die Gedanken in die Ferne: Zuerst in die Tiefen des Meeres, doch dann, kurz bevor sie dort zu ertrinken drohen, schiessen sie in die Höhe und erwachen auf einem Berg zum Leben. Das Lied «Ocean», das Ende August vom Schweizer Radio SRF zum Schweizer Song der Woche gewählt wurde, ist ganz schön melancholisch und hoffnungsvoll zugleich. «Ich bin auch ganz schön melancholisch – und nachdenklich. Sonst würde ich nicht solche Songs schreiben», sagt Tom Paul Fischer, Gründer der Badener Band, die ganz einfach so heisst wie er selber, nämlich Tom Paul.

Tompaul - rain

Tompaul - rain

Verführung mit «Trip-Sound»

Diese Melancholie ist dem 26-Jährigen, der mit dem Auto von Baden nach Zürich zur Bandprobe fährt, nicht anzusehen. Genauso wenig wie seine tiefe, voluminöse Stimme, die den Zuhörer von der Realität in die Dimensionen seines «Trip-Sounds» verführt. «Trip-Sound könnte man jetzt natürlich falsch verstehen», sagt er und lacht. «Ich will die Menschen zum Träumen bringen, und zwar mit Musik, die tanzbar ist.» Und tanzbar ist sie. Mehr noch, mit dem Musik-Projekt, wie Tom es nennt, hat die Band einen neuartigen Stil in die Schweizer Musik-Szene gebracht. Selber beschreibt er diesen als sphärisch-melancholischen Electronica, gespickt mit Einlagen von einem Blasinstrument. Denn während sein Bruder Robin für die elektronischen Live-Sets zuständig ist, spielt Florian Brändli nebst dem Synthesizer auch Posaune.

Enge Hosen und «Who’s Panda»

Ebenso aus Baden und Umgebung sind die Mitglieder der Band Who’s Panda, die Indie-Rock-Band, die sich in der Schweiz einen Namen gemacht hat und schon auf den Bühnen der grossen Open Airs in Gampel und St. Gallen, auf dem «Heitere» und dem Gurten-Festival gerockt hat. «Mann, es ist immer dasselbe», unterbricht er das Gespräch, als er auf der Autobahn kurz vor Zürich in einen Stau gerät. Dann erzählt er weiter: Er sei 16 Jahre alt gewesen, als er und Frontsänger Valentino Scussel «Who’s Panda» 2009 in einer Garage gegründet hätten. «Damals wurden wir in Baden noch belächelt, weil wir enge Hosen anhatten», erinnert er sich und lacht. Abspalten von «Who’s Panda» will er sich nicht. «Ich möchte mit meinem Projekt einfach meine eigenen Ideen umsetzen.»

«Im Bäbiegge umetrümmle»

Aufgewachsen ist Tom Paul in Birmenstorf. Dort hat er als Kind auch schon Musik gemacht. Und auch schon damals hatte er seine eigenen Ideen: «In meinem Primarschulzeugnis stand, dass ich lieber ‹im Bäbiegge sitze und umetrümmele›, als mich mit anderen abzugeben. Meine Mutter fand das lustig. Ich war halt schon immer ein verträumtes Kind und ein kleines Tüfeli.»

In der Musikschule lernte er zuerst Blockflöte und später Gitarre spielen. Während seiner Lehre zum Automatiker – «den Beruf finde ich voll Scheisse» – absolvierte er zusätzlich eine Harmonielehre in Baden und studierte Jazz-Lieder ein. «Ich kann auch Schlagzeug und Klavier spielen», fügt er bescheiden an. «Dass ich jemals singen würde, hätte ich allerdings nie gedacht. Ich hatte immer das Gefühl, keine gute Stimme zu haben.»

Seifenblasen aus heiterem Himmel

Doch genau aufgrund dieser Stimme erhielt er nach der Badenfahrt ein überwältigendes Echo von Zuschauern und diverse Booking-Anfragen, unter anderem vom Festival «One in a Million». Mit seiner Stimme will er seine Zuhörer künftig nicht nur zum Träumen und Tanzen, sondern auch zum Nachdenken bringen.» Denn Tom beschreibt sich auch als gesellschaftskritischen Menschen. So handle etwa der Song «Ocean» vom Gefühl, von der Gesellschaft fallen gelassen zu werden. Während er über seine Texte spricht, regnet es plötzlich aus heiterem Himmel Seifenblasen. Tom erblickt die Kinder auf der Brücke und freut sich darüber, dass sie seine üble Fahrt nach Zürich bereichern. «Diese Kinder blasen unbeschwert Seifenblasen in diese triste Welt. Genau darüber könnte ich jetzt einen Song schreiben», sagt er nachdenklich.