Gebenstorf
«Der Bus hält eigentlich nie»: Stimmberechtigte äusserten sich kritisch zu neuer Bushaltestelle

Die Gebenstorfer Bevölkerung stimmte an der Sommergmeind über einen Kredit von 287'000 Franken für den Bau eines neuen Busstopps an der vielbefahrenen Landstrasse ab. Nach einer emotionalen Diskussion wurde dem Vorhaben dennoch klar zugestimmt.

Claudia Laube
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Wohl noch vor der geplanten Überbauung wird die Busbucht an der Landstrasse realisiert. Aktuell ist der Busstopp rechts des Gebäudes.

Wohl noch vor der geplanten Überbauung wird die Busbucht an der Landstrasse realisiert. Aktuell ist der Busstopp rechts des Gebäudes.

zvg

Gebenstorf ist in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil es neue Bauprojekte in der Gemeinde sehr schwer haben. Manche sind jahrelang durch Einsprachen oder Beschwerden blockiert. Das geschieht aktuell auch der Badener Wetter Immobilien AG, die an der vielbefahrenen Landstrasse – am früheren Standort der alten Turnhalle – auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern eine Wohn- und Gewerbeüberbauung plant. Der Baubeginn war einmal für Anfang 2020 vorgesehen, doch beim Kanton ist noch immer eine Beschwerde hängig.

Er erwarte in den nächsten Tagen einen Beschluss, sagte Gemeindeammann Fabian Keller (Die Mitte) an der Gmeind von Donnerstagabend in der Turnhalle Brühl. «Mir wurde gesagt, dass ein Entscheid vorliegt, bevor Hanspeter Rauber in Pension geht», ergänzte er mit einem Schmunzeln. Der bisherige Leiter Bau und Planung verabschiedet sich nächste Woche in den Ruhestand.

Gemeindeammann Fabian Keller (die Mitte).

Gemeindeammann Fabian Keller (die Mitte).

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Keller sprach das Thema an, weil die 85 anwesenden (von insgesamt 3321) Stimmberechtigten über einen Kredit von 287'000 Franken für eine neue Bushaltestelle befinden mussten, die bei der künftigen Wohn- und Gewerbe-Überbauung realisiert werden soll.

Die jetzige Haltestelle am Kinziggraben, ein Provisorium, soll verlegt werden. Weil es sich bei der Landstrasse um eine Hauptverkehrsstrasse mit einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von täglich über 12'000 Fahrzeugen handle, kommt als neuer Stopp aber nur eine Busbucht aus Beton in Frage und kein Halt mitten auf der Strasse. Dafür wird die Gemeinde von der Wetter Immobilien AG wieder Land zurückkaufen. Das Immobilienunternehmen hatte das rund 5000 Quadratmeter grosse Grundstück Anfang 2018 für rund vier Millionen Franken von Gebenstorf erworben.

Bewohner im Cherne sollen eine Busverbindung ins Geelig erhalten

Insgesamt kostet die behindertengerechte Busbucht inklusive Wartehaus 650'000 Franken. Den grössten Teil davon übernimmt der Kanton, weil es sich bei der Landstrasse um eine Kantonsstrasse handelt. Trotz dieser finanziellen Beteiligung meldeten sich an der Gmeind einige kritische Stimmen zu Wort. Aufgeschreckt hätte ihn dieser Kredit, sagte ein Stimmbürger. Nicht nur, weil die Haltestelle nur einseitig daherkomme: «Ich habe mir die vergangenen Monate die Mühe gemacht, zu zählen, wie oft der Bus bei der jetzigen Haltestelle hält», führte er aus. Sein Fazit: «Eigentlich nie.» Seine Lösung: «Die Haltestelle weglassen.»

Ein anderer monierte, dass die Busbucht an der Landstrasse komplett am falschen Ort sei und dort die Linie nach Brugg nicht mehr bedient würde: «Wir machen eine Haltestelle nur für eine Linie nach Baden und das zu einem horrenden Preis», enervierte er sich. Ammann Keller erinnerte ihn daran, dass es mit der Linie 357 aber eine weitere Linie gäbe, diejenige, die von Pendlern in Richtung Bahnhof Turgi genutzt werde. Ausserdem sei die Idee für diese Linie sowieso eine andere, eine, die mit der Teiländerung Geelig realisiert werden soll:

«Die Linie 357 soll durch das Geelig führen, damit auch die Leute, die im Cherne leben, mit dem Bus dort einkaufen können – und auch wieder zurückkommen.»

Die ressortverantwortliche Gemeinderätin Giovanna Miceli (SP) erklärte, dass ein Busstopp grundsätzlich ein Mehrwert für die Bevölkerung darstelle, eine behindertengerechte umso mehr. Es dürfe nicht vergessen werden, dass hier eine Überbauung hinkomme, unter Umständen mit einem Arztzentrum: «Nur schon deshalb macht die Bushaltestelle dort Sinn.» Der Kanton hätte ausserdem auch gerne auf beiden Seiten eine Bushaltestelle: «Nur geht das leider nicht, weil wir dort kein Land haben», so Miceli.

Giovanna Miceli, SP, präsentierte den Kredit für die neue Bushaltestelle.

Giovanna Miceli, SP, präsentierte den Kredit für die neue Bushaltestelle.

zvg

Trotz teilweise emotionaler Diskussion wurde der Kredit für die neue Bushaltestelle am Ende doch klar angenommen: 63 Personen stimmten Ja, 12 Nein. Alle am Donnerstagabend beschlossenen Geschäfte - darunter auch die revidierte Nutzungsplanung, die grossmehrheitlich angenommen wurde - sind noch nicht rechtskräftig und können noch angefochten werden. Etwas, das man sich in Gebenstorf inzwischen gewohnt ist.

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