Einwohnerrat
Mehr Schulraum für die Bezirksschule und das Tägi sorgen in der Wettinger Politik für Brisanz

Der Wettinger Einwohnerrat beschäftigt sich am Donnerstag mit der Provisoriumserweiterung der Bezirksschule und der Tägi-Kreditabrechnung über 53,4 Millionen Franken.

Andreas Fretz
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Weil die Platten im Hallenbad nicht sanft saniert, sondern ersetzt wurden, entstanden im Tägi Mehrkosten

Weil die Platten im Hallenbad nicht sanft saniert, sondern ersetzt wurden, entstanden im Tägi Mehrkosten

Sandra Ardizzone

Die März-Sitzung des Wettinger Einwohnerrats ist mit 13 Traktanden reich befrachtet. Neben der Themenfülle ist auch für Emotionen gesorgt. Zusätzlich zum Verkauf des Ferienheims in Ftan sorgen dafür die Kreditabrechnung zur Sanierung des Tägi und die Erweiterung des Schulraum-Provisoriums der Bezirksschule.

53,4 Millionen Franken hat die Sanierung und Erneuerung des Freizeit-, Sport- und Eventzentrums gekostet. Die Kostenüberschreitung des Projektes beträgt 1,4 Mio. Franken. Am Donnerstag wird die Abrechnung dem Einwohnerrat zur Genehmigung vorgelegt.

Üppige Kosten, aber gelungene Sanierung

Die GLP hält im Fraktionsbericht fest, dass sie sich stark für ein Kostendach von 46,53 Mio. Franken beim Kreditbegehren im Jahr 2016 ausgesprochen habe, und betont: «Mit dem vom Gemeinderat selbst genehmigten Zusatzkredit von über 4 Mio. Franken plus der Kostenüberschreitung fallen die Gesamtkosten üppig aus.» Die GLP bemängelt die Kommunikationspolitik des Gemeinderats bezüglich der Mehrkosten. «Nichtsdestotrotz ist die Sanierung gelungen und der Wettinger Bevölkerung steht eine moderne Sportanlage zur Verfügung.»

Die FDP schreibt in ihrem Fraktionsbericht: «Ob auf dem Eis, im Hallenbad oder im Eventsaal, das Ergebnis der Sanierung kann sich sehen lassen. Die Kreditabrechnung mit einer überschaubaren Kostenüberschreitung, ob nun mit oder ohne Teuerung, ebenfalls.» Die Mitte-Fraktion hält fest: «Der Zusatzkredit für die Plattenarbeiten ist durch den höheren Swisslos-Beitrag und geschicktes Cash-Management kompensiert. Wir haben ein tolles neues Tägi für netto 37,7 Mio. Franken erhalten.» Die Mitte-Fraktion wird die Kreditabrechnung einstimmig annehmen.

Tägi ist ein Mehrwert für die Gemeinde

Auch aus Sicht der Fraktion SP/WettiGrüen ist die Kreditabrechnung positiv zu werten. «Wir freuen uns, dass mit der Abrechnung ein jahrelanges Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. Die Wettingerinnen und Wettinger zeigen mit der täglichen Nutzung ihres neuen Tägis: Das ist ein Mehrwert für die Gemeinde.»

Kritischere Worte findet die SVP. Sie erwähnt, dass die Sanierung effektiv insgesamt 4,1 Prozent mehr kostet als ursprünglich geplant. «Der Gemeinderat macht es sich etwas einfach und begründet dies mit der Bauteuerung.» Die SVP-Fraktion werde der Kreditabrechnung ohne grosse Begeisterung zustimmen.

Provisoriumserweiterung für 795'000 Franken

Fast schon in ein Dilemma hat sich die Wettinger Politik bei der Erweiterung der Bezirksschule manövriert. Im März 2021 hatte der Einwohnerrat 1,3 Millionen Franken für Provisorien bewilligt, aber im September 2021 12,6 Millionen Franken für die Erweiterung der Bezirksschule abgelehnt. Er verlangte eine gesamtheitliche Betrachtungsweise des gesamten Schulraumbedarfs. Die SVP brachte gar die Prüfung eines Oberstufenzen­trums ins Spiel.

Bezirksschule Wettingen: Provisorium auf dem Basketballplatz.

Bezirksschule Wettingen: Provisorium auf dem Basketballplatz.

Rahel Künzler

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, muss der Gemeinderat nun mit weiteren Provisorien den Platzmangel an der Bezirksschule beheben. Er plant, für 795'000 Franken das bestehende Provisorium zu ergänzen. Die Erweiterung soll für das im August beginnende Schuljahr 2022/2023 bereit sein. Bereits im Sommer 2023 benötigt die Bezirksschule weitere Räume. Für diese soll dem Einwohnerrat im Juni ein Kreditantrag unterbreitet werden.

SVP: «Es harzt ganz gewaltig im Wettinger Gebälk»

Für die SVP ein Grund, wiederholt die Kommunikation und Transparenz des Gemeinderats infrage zu stellen: «Der Einwohnerrat wird schon wieder mit einer kurzfristigen, provisorischen Schulraumvorlage vor vollendete Tatsachen gestellt. Die SVP-Fraktion stellt fest: Es harzt ganz gewaltig im Wettinger Gebälk.»

Die FDP, die wie die damalige Fraktion EVP/Forum 5430 im September 2021 der Erweiterung für 12,6 Mio. Franken zugestimmt hatte, sagt nun: «Oberstes Ziel muss es sein, die hohe Qualität der Schule zu erhalten. Die Fraktion stimmt daher dem Kreditbegehren in einem ersten Schritt zu und erwartet, dass die weiteren Schritte zeitnah und transparent kommuniziert werden.»

Die GLP erachtet den Zusatzkredit über 795'000 Franken als «stossend, aber leider unumgänglich». Es zeuge von einer mangelnden langfristigen Planung, welche die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler teuer zu stehen komme. Es bleibe nichts anderes übrig, als in den «sauren Apfel zu beissen und den Zusatzkredit anzunehmen».

SP/WettiGrüen: «Minimalplanung der bürgerlichen Mehrheit»

Zustimmen will auch die Mitte-Fraktion, der seit dieser Legislatur neu die EVP angehört. Sie hofft, dass die Schulraumplanung bald in einen nachhaltigen Prozess überführt wird. SP und WettiGrüen befürworten den Zusatzkredit klar. «Er ist unumgänglich und vermeidet dennoch nicht, dass wir in den nächsten Jahren mit weiteren Provisorien rechnen müssen. Anderes war nicht zu erwarten bei jahrelang andauernder Minimalplanung der bürgerlichen Mehrheit.»

Die Fraktion verleiht ihrer Hoffnung ausdruck, dass der Masterplan grosszügigere Schulräume und -gebäude verspreche. «Hoffentlich haben künftig alle den Mut, hier auch die Kosten zu sprechen, damit die Wettinger Jugend nicht nur in Provisorien unterrichtet wird.»

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