Das legendäre Atelier Kissling am Bergdietiker Rummelbach

Das Atelier Ernst Kissling in Bergdietikon ist ein Zeitzeuge innovativer Architektur aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die eindrückliche Atmosphäre in und ums Haus fasziniert bis heute. Dieses Jahr jährt sich die Unterschutzstellung zum 20. Mal.

Thomas Pfann
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«Einmaliger Ort»: Heutzutage schaut Enkelin Ursula Walder (im Bild) dem Gebäude. Ernst Kissling (1890–1973). Blindtext Blindtext Blind Blind Blind Blindtext
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«Einmaliger Ort»: Heutzutage schaut Enkelin Ursula Walder (im Bild) dem Gebäude. Ernst Kissling (1890–1973). Blindtext Blindtext Blind Blind Blind Blindtext
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Bild: Thomas Pfann Bild: zvg Bild: Blind Blindtext

Wer vom Rudolfstetter Bahnhof mit der Bremgarten-Dietikon-Bahn Richtung Reppischhof fährt und in Gedanken versunken nach rechts zum Waldrand schaut, entdeckt einen grauen Betonkubus mit Lukarne auf dem Flachdach. Es wird ein Elektrotransformatorenhaus sein, denken die einen, andere vermuten vielleicht ein Reservoir hinter den Mauern. Die meisten ignorieren das Haus schlichtweg. Das ist womöglich gar nicht schlecht, denn immer wieder entdecken banale Graffiti-­Schmierer den Bau im Wald und glauben, ihre Not verrichten zu dürfen – mit Spraydosen an den kahlen Wänden. Im Gegensatz zu echten Könnern hinterlassen sie hier aber nur dilettantische Farbflächen – und werden dem wahren Charakter des Gebäudes in keiner ­Weise gerecht.

Hinter dem leicht verwitterten Beton verbirgt sich nämlich eine lange und interessante Geschichte, voller Kunst und Leidenschaft, voll von Engagement und Eigeninitiative und angereichert mit viel Idylle und Idealismus. Der Zürcher Skulpteur und Bildhauer Ernst Kissling (1890–1973), Grossneffe des bekannten Bildhauers Richard Kissling, baute 1929 sein Atelier ennet dem Rummelbach in der Nähe der Bernstrasse. Der damals arrivierte Architekt und Kunstkenner Rudolf Steiger ging dem jungen Künstler und Freund zur Hand und half ihm, sein eigenes Refugium zu realisieren. Für die Zeit zwischen den Weltkriegen war es ein fortschrittlicher und kühner Bau – modern und schlicht, durchaus der Architektur im Bauhausstil entsprechend.

Das Haus steht heute noch. Der Zugang in den grosszügigen Atelierraum führt über eine schmale Brücke hinein ins Haus, durch eine schmale Treppe hinauf, vorbei an einem Eckfenster, das den Blick auf den gestauten Rummelbachweiher freigibt. Die mehr oder weniger quadratische Fläche im beeindruckend hohen Raum ist geflutet durch Tageslicht, das durch die riesige Fensterfront in der Nordost-Wand und durch das feine Sheddach dringt. «Mein Grossvater hatte seine eigene Vision, wie das Atelier wirken sollte – und er konnte seine Vorstellungen tatsächlich in die Realität umsetzen», sagt Ursula Walder. Die beeindruckende Atmosphäre ist auch nach bald hundert Jahren noch exakt dieselbe: Der Blick hinaus in die Waldlichtung, über den Teich mit dem kleinen Schilfgürtel und vor allem in den Atelierraum hinein fasziniert, das Licht ist einfach nur perfekt. Nicht umsonst stellte die Kantonale Denkmalpflege Aargau das Atelier im Jahr 2000 unter Denkmalschutz.

Zuerst Paris, dann Bergdietikon

Ernst Kissling lebte von 1906 bis 1909 in Paris und kam danach zurück in die Schweiz. In Bergdietikon baute er sein Kunstrefugium am Waldrand zusammen mit Kollegen und Freunden, die sich trauten, moderne Architektur umzusetzen. Auch bezüglich Energieversorgung war Kissling en vogue: Mittels einer Druckleitung und einer Turbine produzierte er eigenen Strom. Einige Jahre vor der Fertigstellung des Kunsthauses errichtete er nämlich unmittelbar in der Nähe ein Wohnhaus auf den Grundmauern einer alten Mühle an der Holenstrasse. Darin lebte der Künstler zusammen mit seiner Familie und arbeitete in der hauseigenen Werkstatt oder im Atelier. Seine Skulpturen und Reliefs erlangten einige Berühmtheit im In- und Ausland, wurden auf dem Kunstmarkt gehandelt und sind bis heute erhalten geblieben. So stehen unter anderem Figuren von Ernst Kissling im Garten der Winterthurer Villa Georg Reinhart, und eine Reliefdar­stellung des «Guten Hirten» ziert den ­Eingang der 1925 eingeweihten reformierten Kirche ­Dietikon.

«Je länger wir hier leben, desto mehr schätzen wir diesen Ort»

Die beiden Häuser in Bergdietikon blieben während all der Jahre im Besitz der Familie, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts in Zürich, Basel und Kilchberg lebte. Lange Jahre diente das Wohnhaus als Werkstatt, Dependance für Kunstobjekte und Materialien und auch als Partyraum für die Familienangehörigen. Ursula Walder erinnert sich auch an die Momente, als ihr Grossvater im Haus arbeitete. «Noch heute glaube ich den Geruch von Ton und Gips wahrzunehmen, wenn ich den Raum im Obergeschoss betrete.» Obwohl das Wohnhaus und das Atelier vor über zehn Jahren komplett saniert wurden – und ihre Familie wieder in den alten Gemäuern wohnt. «Es war ein grosser Schritt, als

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