Baden
Wettingen statt New York: Kantonsschüler machen mit ihrem Musical sogar dem Broadway Konkurrenz

Die Kantonsschule Wettingen spielte den Musical-Klassiker «Kiss Me, Kate». Das Stück kam gut an: Beide Vorstellungen im Kurtheater Baden waren restlos ausverkauft.

Elisabeth Feller
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Lois Lane (Stephanie Gygax) beklagt sich und der Chor der Kantonsschule Wettingen hört ihr zu.

Lois Lane (Stephanie Gygax) beklagt sich und der Chor der Kantonsschule Wettingen hört ihr zu.

Bild: Martin Rizek/zvg

Eine Besucherin bringt es nach der Vorstellung auf den Punkt: «Ich fühle mich so gut.» Dabei hat sie nicht etwa Schokolade zum Erlangen von Glücksgefühlen gegessen, sondern die Aufführung von Cole Porters Musical-Klassiker «Kiss Me, Kate» besucht. Die halbszenische Inszenierung im Kurtheater ist keine, die auf einer Bühne des New Yorker Broadway oder des Londoner West End entstanden ist, sondern an der Kantonsschule Wettingen.

Das muss man erst einmal sickern lassen: Denn dieses auf Shakespeares Komödie «Der Widerspenstigen Zähmung» beruhende Musical ist mit seinem nie abreissenden Strom von Ohrwürmern zwar wunderschön, doch mit den blitzschnellen Rhythmuswechseln spieltechnisch derart hürdenreich, dass Nichtprofis ins Schwitzen kommen.

Aber nicht an der Kantonsschule Wettingen, wo der Dirigent Cristoforo Spagnuolo seit Jahren grosse Choraufführungen stemmt, von denen über die Kantonsgrenzen hinaus gesprochen wird. Für Spagnuolo ist «Kiss Me, Kate» ein Meisterwerk. Deshalb zogen er, das Orchester, die Big Band sowie der Chor der Kanti Wettingen 2016 ins Kurtheater, um zu zeigen, was sie drauf hatten. So viel, dass seither immer lauter der Wunsch geäussert wurde: Zeigt dieses Musical noch ein zweites Mal.

Im Kurtheater wird die Urfassung gespielt

Dann ist es – vier Jahre später, abermals im Mai – soweit. An das links sitzende Orchester und den rechts auf Stufen positionierten Chor erinnert man sich noch gut. Ein Wiedersehen gibt es auch mit Konzertmeisterin Renate Steinmann, den Sängerinnen und Sängern Susanne Oldani (Lilli Vanessi/Katherine), Rudolf Remund (Fred Graham/Petruchio), Stephanie Gygax (Lois Lane/Bianca), und Daniel Pérez (Bill Calhoun/Lucentio) sowie mit Christian Breitschmid (Second Man).

Letzterer führt als Erzähler ironisch-pointiert durch eine verwickelte Handlung, die Shakespeares Komödie mit den privaten Irrungen der Hauptrollenträger im Musical verquickt. Als die Ouvertüre mit ihrem Mix aus Streicherglanz, Bläserstimmen und Schlagzeug erklingt, erliegt man dieser Musik.

Denn Spagnuolo lässt die Urfassung für grosses Orchester spielen, die dem opulenten Broadway-Sound der 1940er-Jahre huldigt. Lillis Assistentin Hattie (Anne Heffner) wartet in den Kulissen, kommt auf die Bühne, stürzt sich in den ersten Song – und man fällt einer Welt anheim, die ewig so bleiben sollte.

Beide Vorstellungen waren restlos ausverkauft

Schlag auf Schlag reiht sich ein Song an den andern: Evergreens wie «Why Can’t You Behave», «So In Love», «I Hate Men» oder «Brush Up, Your Shakespeare» zeigen Cole Porters Klasse. Die Übergänge werden so lebendig gestaltet, dass das halbszenische, durch Kostüme unterstützte Geschehen stetig im Fluss ist und man keinen Gedanken an eine ausgewachsene Inszenierung verschwendet.

Spritzig-leicht, aber auch mit Biss singen die Solisten und der Chor; spielfreudig und mit hör- und sichtbarem Vergnügen an kleineren, solistischen Ausflügen agieren Orchester und Big Band.

Kurz: Das Revival von «Kiss Me, Kate» ist mit zwei ausverkauften Aufführungen im Kurtheater ein Glücksfall. Dafür gibt es frenetischen Applaus und eine Standing Ovation. Das Engagement aller Beteiligten der Kantonsschule Wettingen ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Es verdient auch künftig nicht nur eine ideelle, sondern vor allem eine gesicherte, finanzielle Unterstützung. Die Gemeinde Wettingen kann stolz sein auf «ihre» Kantonsschule.

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