Mietvelos & ein Bäderpass

Aargau Tourismus: Wir sind mit dem Elektrovelo da

Kurt Schaer, Geschaeftsfuehrer der Biketec AG posiert vor dem Flyer-Werk, wo Biketec AG Flyer-Elektrofahrraeder produziert, aufgenommen am 10. August 2009 in Huttwil im Kanton Bern.

Auftrag aus dem Aargau

Kurt Schaer, Geschaeftsfuehrer der Biketec AG posiert vor dem Flyer-Werk, wo Biketec AG Flyer-Elektrofahrraeder produziert, aufgenommen am 10. August 2009 in Huttwil im Kanton Bern.

Ab kommendem Frühling bietet die Marketing-Dachorganisation 20 Mietstationen für «Flyer» an. Weitere neue Projekte sind heimische Weine und ein Bäderpass.

Die Teilnehmer des Tourismusgipfels 2010 am Freitagabend in Schinznach-Dorf müssen sich wie in einem autofreien hochalpinen Wintersportort vorgekommen sein. Bei klirrender Kälte chauffierte sie der Dampflokführer der Schinznacher Baumschulbahn durch das weitläufige Gelände des Gartencenters Zulauf - in offenen Waggons notabene.

Nein, Aargau Tourismus macht jetzt nicht den Schweizer Berggebieten Konkurrenz, auch wenn im Flachland der Winter ausgebrochen ist. Die Dachorganisation aller regionalen Marketingaktivitäten in Sachen Freizeit setzt weiterhin auf Bewährtes, wie Geschäftsführerin Andrea Lehner den geladenen Gästen aus Politik und von Partnerinstitutionen versprach.

2010 kam einiges zusammen. Erstmals stand aufgrund des neuen kantonalen Standortförderungsgesetzes eine ansehnliche Summe aus der Staatskasse zur Verfügung. Lehner und ihre beiden Mitarbeiterinnen investierten sie in Broschüren, Infostände, Messe-Auftritte, die Langsamverkehrsaktion slowUp, eine Medienreise und die Leserwanderungen der az Aargauer Zeitung als «Highlight».

Am ersten Tourismusgipfel vor einem Jahr in Baden habe sie sich die «Vernetzung bunter Bausteine» zum Ziel gesetzt, so Lehner. Es galt, unter Berücksichtigung der verschiedenen Regionen die zahlreichen Angebote zu «sortieren, segmentieren und fokussieren». Als Indizien des Gelingens nannte Lehner die gute Platzierung von Events auf der Schweiz-Tourismus-Website und die über 100000 Besucher des eigenen Internet-Auftritts im Oktober.

Hässlich, teuer und nur für alte Leute

Nächsten Frühling schwingt sich Aargau Tourismus auf den Sattel von «Flyer-Land Schweiz». Der Berner Elektrovelohersteller Biketec, Branchenprimus für Zweiräder mit Antrieb, liefert seine E-Bikes neu an zwanzig Partner, zum Beispiel Hotels, im Kanton Aargau. Dort können sie gemietet werden. Eine Karte schlägt Routen vor und zeigt, wo der Akku gewechselt werden kann.

Biketec-Geschäftsführer Kurt Schär liess die Erfolgsgeschichte des «Flyers» Revue passieren. Obwohl in der Marktforschung als hässlich, teuer und «nur für alte Leute» stigmatisiert, sei dieses Jahr 10000-mal ein E-Bike ausgeliehen worden. Elektrovelos würden mit Vorliebe in den Ferien ausprobiert, «weil es der Nachbar nicht sieht», sagte Schär. Eine Umfrage unter den Erstbenutzern habe ergeben, dass es die allermeisten wieder tun würden.

Weitere Projekte 2011 sind laut Andrea Lehner eine Kombikarte für die vier grossen Aargauer Bäder in Baden, Bad Zurzach, Rheinfelden und Schinznach-Bad. Zudem wird der Aargau als Weinbaukanton ins Tourismus-Marketing einbezogen. Was Lehner mit der «Vernetzung von Kultur und Innovation» meinte, liess sie vorerst offen.

Von beiden Tourismusangeboten waren Vertreter als Redner zum Schinznacher Gipfel geladen. Während Sandra Ruchti vom Besucherzentrum des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen schwärmte, wo 15000 Besucher pro Jahr «Forschung live erleben», sprach Museum-AargauDirektor Thomas Pauli über Vindonissa.

Die Aargauer Tourismusförderung ist gut aus den Startlöchern gekommen

Mit dem Legionärspfad habe man einen Quantensprung in der Vermittlung der römischen Vergangenheit mitten im Aargau gemacht, so Pauli. Es sei wie bei den Schlössern Lenzburg, Hallwyl oder Wildegg: Im Bilderbuch sähen sie zwar schön aus, erlebt werden könnten sie aber nur vor Ort.

«Wir stehen am Anfang einer kulturtouristischen Offensive», versprach Pauli. Der Windischer Stationenweg soll mit dem Amphitheater als neunter Attraktion erweitert werden. Für die Fortführung des Habsburger-Projekts, mit geführten Touren und mittelalterlichen Dinnerspektakeln vielversprechend gestartet, habe der Regierungsrat soeben grünes Licht gegeben.

Das europäische Herrschergeschlecht mit seiner Wiege im Aargau habe Potenzial, Gäste aus Österreich und Deutschland anzulocken, ist Pauli der Meinung. Schliesslich sei angesichts der schönen Grünanlagen von Schlössern, Klöstern und Fabrikantenvillen auch der Gartentourismus eine Projektidee.

Die Aargauer Tourismusförderung ist gut aus den Startlöchern gekommen. Jetzt muss man es nur noch bei Schweiz Tourismus merken. Hier ist der Aargau immer noch keine eigene Region.

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