Interview
Aargau Tourismus will keine Strategie fürs Shopping in den Altstädten

Die Geschäftsführerin von Aargau Tourismus, Andrea Lehner, erklärt im Interview, weshalb es keinen Sinn macht, im Aargau den Einkaufstourismus zu fördern. Stattdessen setzt man auf ganzheitliches Standort-Marketing.

Fabian Muster
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Andrea Lehner, Geschäftsführerin Aargau Tourismus. Chris Iseli

Andrea Lehner, Geschäftsführerin Aargau Tourismus. Chris Iseli

Marcel Suter, Präsident der Aarauer Detaillisten, fordert im letzten «Sonntag», dass sich die Kleinstädte besser vermarkten müssten, auch um den Einkaufstourismus in den Altstädten mit ihrer einzigartigen Atmosphäre zu fördern. Macht Aargau Tourismus zu wenig?

Andrea Lehner: Den Einkaufstourismus fördert Aargau Tourismus tatsächlich kaum. Touristisch interessant sind die Städte in ihrer Gesamtheit. Darunter verstehen wir den geschichtlichen Hintergrund, aber auch aktuelle Trends der Stadt, die in Stadtführungen zur Geltung kommen. Oder Traditionen wie Märkte und das kulturelle und aktive Angebot wie Museen, Ausstellungen, Festivals oder Events.

Es gibt aber keine Strategie, die explizit auf die attraktiven Aargauer Kleinstädte fokussiert?

Doch, diese Strategie ist vorhanden, nur eben in ihrer Gesamtheit. Es gibt keine Strategie, die sich nur auf den Einkaufstourismus konzentriert. Das wäre meines Erachtens auch falsch, da sich unsere Ladenvielfalt nicht markant von der übrigen Schweiz unterscheidet. Die Gäste kommen ja nicht in erster Linie zum Shoppen nach Bad Zurzach. Werbung für den Einkaufstourismus zu machen, lohnt sich in der Schweiz sowieso kaum. In Europa sind vielleicht Mailand, London oder Barcelona als Einkaufsstädte bekannt.

Die Kleinstädte zu vermarkten würde aber gut ins Konzept von Aargau Tourismus passen. Man fördert ja vornehmlich Kurzzeitaufenthalte und Tagestourismus.

Deshalb vermarkten wir die Städte und deren ganzheitliches Angebot – bis über die Stadtgrenzen hinaus. Und der eigenen Bevölkerung haben wir die Städte im letzten Jahr während fünf Wochen az-Leserwandern nähergebracht. Fünf Wochen, in denen das Erlebnis Stadt effektiv erlebt werden durfte und nicht nur in Broschüren und auf dem Netz darüber gelesen werden konnte.

Viele Städte haben ein eigenes Tourismusbüro. Sie sind aber Einzelkämpfer. Wieso fehlt es da an Vernetzung?

An Vernetzung fehlt es nicht. Als Beispiel möchte ich die vor einem Monat lancierte gemeinsame Gästekarte der Tourismusbüros Aarau Info und Tourismus Lenzburg Seetal erwähnen. Es gibt weitere Beispiele. Ebenfalls finden regelmässig Vernetzungsanlässe zwischen den Tourismusbüros statt. Aber der Tourismus vermag nur wenig Einfluss im Bereich Städteentwicklung zu nehmen. Das heisst, wenn plötzlich die Anbindung an den Öffentlichen Verkehr fehlt, Parkplätze zu überteuerten Preisen angeboten werden oder Gewerbe- und Kulturzonen in Wohnzonen umfunktioniert werden, muss das touristische Angebot darum herum gebaut werden.

Einige Kleinstädte haben gar kein Tourismusbüro. Mit einer kantonalen Strategie wären diese befreit, selbst aktiv zu werden.

Es gibt tatsächlich noch wenige Kleinstädte wie Aarburg, die keiner regionalen Tourismusorganisation angehören. Doch wir können diese nicht von ihren Hausaufgaben befreien. Als touristische Dachorganisation bedient sich Aargau Tourismus der Angebote in den Regionen und Städten und vermarktet diese. Oder gibt Anstoss zu Angeboten und vernetzt die Regionen. Aber Aargau Tourismus kann nicht die Gäste vor Ort selbst betreuen oder Leistungsträger in der Region sein.

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