Aarau
Zwei Zahnärztinnen trauen sich was und übernehmen eine Praxis

In der Zahnarztpraxis am Ochsengässli gab es nach 32 Jahren einen Wechsel. Die beiden Frauen haben alles auf den Kopf gestellt.

Katja Schlegel
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Stefanie Oertig (l.) und Linda Heierle haben das Weisse aus ihrer Praxis verbannt – fürs Wohlfühlen.

Stefanie Oertig (l.) und Linda Heierle haben das Weisse aus ihrer Praxis verbannt – fürs Wohlfühlen.

Katja Schlegel

Zwei Aarauerinnen haben sich etwas getraut, was sich nur wenige Berufskolleginnen trauen: Stefanie Oertig und Linda Heierle-Märki haben sich als Zahnärztinnen selbstständig gemacht, mit 33 Jahren. Im Ochsengässli haben sie die Zahnarztpraxis von Andreas Brack und Peter Born übernommen. Das erfordert nicht nur Ehrgeiz, sondern auch den Mut, etwas aus der Reihe zu tanzen.

Stefanie Oertig und Linda Heierle kennen sich seit der Kanti, beide überlegten sie, Medizinerinnen zu werden. Geworden sind sie Zahnärztinnen. Weil beiden klar geworden war, dass ihnen der Patientenkontakt und die Vielfalt des Berufes besonders wichtig sind. Die beiden trafen sich an der Uni Bern wieder, beim Zahnmedizinstudium. Und irgendwann wurde klar, dass sie auch gemeinsam arbeiten wollen. Vor vier Jahren dann wurde mit Andreas Brack und Peter Born die Praxis-Übergabe besiegelt. Ein lustiger Zufall: «Bereits unsere Vorgänger haben gemeinsam studiert», sagt Oertig.

32 Jahre wurde die Praxis von Brack und Born geführt

Mit der Praxis-Übernahme ging eine Ära zu Ende; 32 Jahre lang hatten Andreas Brack und Peter Born die Praxis geführt. Bereits seit Anfang Jahr läuft sie nun unter dem Namen «Heierle Oertig Zahnarztpraxis», doch erst seit Anfang Oktober arbeiten Oertig und Heierle auch gemeinsam.

Ende September hat Heierle nach drei weiteren Jahren an der Uni die Spezialisierung in rekonstruktiver Zahnmedizin abgeschlossen, nächstes Jahr wird sie den Master in Implantologie anschliessen. Bis September hatte Andreas Brack die Vakanz überbrückt. Jetzt ist Stefanie Oertig an der Reihe; sie macht in zwei Jahren den Master in Parodontologie.

Einen Ort mit Wohlfühlcharakter schaffen

Verändert haben sich mit dem Wechsel nicht nur die Inhaber, sondern auch die Praxis an sich: Die beiden Frauen haben die Räume umgekrempelt. Das Weisse, Klinische ist verschwunden, die Wände sind sandfarben gestrichen oder mit glänzenden Tapeten beklebt, im Eingangsbereich überrascht eine goldene, gefurchte Wand. «Es kommt ab und zu vor, dass Patienten glauben, sich in der Tür geirrt zu haben», sagt Stefanie Oertig und lacht. Aber ihnen sei es wichtig gewesen, einen Ort mit Wohlfühlcharakter zu schaffen. «Und manchmal ist es auch gut, etwas aus der Reihe zu tanzen», sagt Linda Heierle.

Gerade als junge Frauen spürten sie sehr wohl, dass sie einen schwereren Stand hätten als ihre Kollegen. «Zahnärztinnen machen sich generell nur selten selbstständig, obwohl sie die Mehrzahl der Studienabsolventen stellen», sagt Oertig. Dazu komme, dass in der Branche ein Überangebot herrsche. «Noch vor 15 Jahren rissen sich die Leute um freie Plätze, heute hat jeder Zahnarzt Kapazitäten.»

Alles für spontane Patienten

Grund dafür sei nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage: «Die Patienten wollen heute kommen und nicht bis morgen warten», sagt Heierle. Termine für spontane Patienten müssen also täglich eingeplant sein. Für die beiden Frauen und ihre acht Mitarbeiterinnen (zwei Dentalhygienikerinnen, zwei Prophylaxeassistentinnen und vier Assistentinnen) bedeutet das: Öffnungszeiten von 7 bis 19 Uhr (ausser freitags bis 15 Uhr), über Mittag offen, 52 Wochen im Jahr. Ihre Dentalhygienikerinnen bieten ausserdem auch samstags Termine an.

Obwohl das nicht nach Ruhe klingt, sagen die beiden nun über die nächsten Jahre, sie wollten etwas «zur Ruhe kommen». «Die letzten Monate waren extrem aufregend. Jetzt freuen wir uns, einfach zu arbeiten.»