Umfrage

Was hat es mit den komischen Ventilatoren im Bahnhof Aarau auf sich? Die Antworten der Pendler

Klimaanlage, Lüftung, Windkanal? Was die Pendler am Bahnhof Aarau zur Kunstinstallation von Roman Signer sagen.

Klimaanlage, Lüftung, Windkanal? Was die Pendler am Bahnhof Aarau zur Kunstinstallation von Roman Signer sagen.

Seit einigen Wochen wandern die Blicke der Passanten in der Bahnhofs-Halle Aarau zur Decke, wo mehrere Ventilatoren für ein ungewohntes Bild sorgen. Die Apparatur ist eine Kunstinstallation – nur weiss das kaum jemand. Das zeigen auch die Antworten der Pendler, die die az befragt hat.

«Irgendetwas mit Luftzufuhr» oder «eine spezielle Art Klima-Anlage» waren häufig genannte Antworten der Passanten im Aarauer Bahnhof. Einer Dame kam beim Anblick der Rotoren spontan sogar ein «Windkanal» in den Sinn. Ein älterer Herr befand mit einem Augenzwinkern nur: «Der Schwachsinn kreist über uns.» 

Ein weiterer Befragter kam der richtigen Antwort schliesslich schon sehr nahe und eine junge Passantin traf den Nagel sogar voll auf den Kopf und lieferte die korrekte Antwort.

Ein Symbol für den «Durchzugskanton»

Die vier Doppel-Ventilatoren in der Aarauer Bahnhofshalle gehören zur Kunstinstallation «Durchzug» des bekannten Schweizer Künstlers Roman Signer. Die rotierende Apparatur ist so programmiert, dass sie sich bei durchfahrenden Zügen in Richtung Ost-West beziehungsweise West-Ost einschaltet. Durch den entstehenden Luftzug öffnen sich die Ventilatoren-Paare und schliessen sich wieder, wenn der Zug vorbeigerauscht ist. 

«Durchzug»: Die Kunstinstallation von Roman Signer am Bahnhof Aarau.

«Durchzug»: Die Kunstinstallation von Roman Signer am Bahnhof Aarau.

Bis die Idee des heute 78-jährigen Künstlers umgesetzt wurde habe es sechs Jahre gedauert. Die Kosten beliefen sich auf rund 130'000 Franken. Dies berichtete die kantonale Kommission für Kunst im öffentlichen Raum. 

Die Kunstinstallation «Durchzug» ist auch ein Wortspiel und eine ironische Anspielung auf den Kanton Aargau, weil dieser oft als «Durchfahrtskanton» bezeichnet wird. 

Originell und ästhetisch – aber schlecht ausgeschildert

Natürlich hat die az nach der Befragung alle Pendler über die wunderliche Apparatur aufgeklärt. «Es ist eine schöne Idee», findet eine Pendlerin, fügt aber hinzu: «Wenn man weiss, worum es geht.» Denn eine Informationstafel zum Kunstwerk sucht man in der Bahnhofshalle vergebens. 

Auch etwas unscheinbar scheint die ganze Apparatur zu sein. So findet denn auch eine junge Mutter: «Das Konzept ist cool, doch es sollte etwas grösser und farbiger sein, dass man es als Kunstwerk bemerkt.» Ein junger Pendler machte sich sogar Gedanken über die Antriebstechnik und fand, die Installation müsse wenigstens mit dem Durchzugswind der Züge selbst angetrieben werden anstatt mit Strom. 

Interessant, schön oder originell fanden das Werk Roman Signers schlussendlich aber fast alle Befragten. Nur zwei Passanten meinten, dass die rotierende Installation kaum Beachtung findet oder mit 130'000 Franken schlicht zu teuer ist.  

Spätestens im Oktober soll im Bahnhof übrigens eine Info-Tafel angebracht werden, wo Passanten mittels QR-Code ein Video zum Kunstwerk abrufen können. Dieses befindet sich derzeit aber noch in Bearbeitung, wie Roland Hofer vom Departement Finanzen und Ressourcen auf Anfrage der az mitteilte.

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