Trockenheit
Warmer Frühling lässt Grills glühen

Die Trockenheiten hat sowohl Sonnen- als auch Schattenseiten: Während die Bauern unter der Dürre leiden weil Wassermangel herrscht, reiben sich Grillverkäufer die Hände. Denn das schöne Wetter verführt regelrecht zum Grillieren.

Katja Landholt
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Das schöne Wetter lädt zum Grillen ein

Das schöne Wetter lädt zum Grillen ein

Keystone

Grillieren gehört zu einem Sonnentag wie das Amen in der Kirche. Je länger es schön ist, desto mehr wird gegrillt - erst recht, weil das Bräteln auf der Feuerstelle im Freien wegen der anhaltenden Trockenheit verboten ist. Entsprechend gross ist die Nachfrage nach Grills; diesen Frühling finden sie mehr Absatz als sonst.

Matthias Haller, Geschäftsführer der Hawe GmbH in Reinach, hat bereits im Januar und Februar die ersten Grills verkauft; die übrig gebliebenen Modelle aus dem Vorjahr. In der Zwischenzeit hat er für Nachschub gesorgt - doch auch der ist schon fast wieder aufgebraucht. «Im Moment habe ich genau noch einen Grill zu verkaufen», sagt Haller.

Kohle-Grills sind nicht gefragt

Auch beim Ofenbauer Flammorama AG in Rupperswil sprechen die Verkaufszahlen eine deutliche Sprache: Im Bereich Gartencheminées und Grills sind sie um mehr als ein Drittel höher als noch im Vorjahr. «An der diesjährigen Frühlingsmesse haben wir fast nur Gartensachen verkauft», sagt Franziska Shala. In den Vorjahren sei die Nachfrage zwischen den Produkten noch ausgeglichen gewesen - in diesem Jahr waren 90 Prozent der verkauften Ware aus dem Gartenbereich.

Auch wenn Grillieren eigentlich eine gemütliche Angelegenheit sein sollte, scheint jede Minute zu zählen: Kohle-Grills sind abgeschrieben, gefragt sind fast ausschliesslich Gas-Grills. «Mit Gas ist man schneller und flexibler», sagt Dalibor Siljeg von der Elsasser-Peter AG in Unterkulm. Während man sich bei Kohle-Grills mindestens eine halbe Stunde lang gedulden müsse, bis die Glut perfekt ist, brauche ein Gas-Grill nur fünf Minuten, um aufzuheizen.

«Grillwetter ist immer gut»

Ohne Fleisch, Fisch oder sonstiger Auflage ist aber auch der beste Grill nichts wert: Die Metzger bekommen das gute Wetter zu spüren. Oder wie Markus Bolliger, Präsident des Aargauer Metzgermeisterverbands, sagt: «Grillwetter ist immer gut.» Zu optimistisch will sich Bolliger aber noch nicht geben: «Der letztjährige Frühling war auch gut, der Sommer aber schlecht. Warten wir es ab.» Ähnlich tönt es bei der Schlör Getränkerei in Menziken: «Wir spüren das schöne und warme Wetter», sagt Geschäftsführer und Inhaber Jürg Schneider. «Entscheidend sind aber die Monate Juni, Juli und August.»

Luxus unter und auf dem Rost

Für Herr und Frau Schweizer müssen es aber nicht einfach nur ein Rost und eine Bratwurst sein - es darf ruhig auch etwas luxuriöser ausfallen. Alle angefragten Verkäufer bestätigen, dass für einen Grill immer tiefer in die Tasche gegriffen wird. «Unsere Kunden bevorzugen immer häufiger luxuriösere Modelle und sind bereit, mehr dafür zu bezahlen», sagt Dalibor Siljeg von Elsasser-Peter.

Und auch bei den Esswaren hat die einfache Bratwust inzwischen grosse Konkurrenz: «Die Metzger haben ihre Grill-Sortimente deutlich verbreitert und bieten heute mehr Ware zum Bräteln an als noch vor ein paar Jahren», sagt Bolliger vom Aargauer Metzgermeisterverband.

Bauern wollen billiges Wasser

Die vielen Sonnentage haben aber auch ihre Schattenseiten: Beim Garten-Center Zulauf in Schinznach-Dorf läuft das Geschäft mit den Gartenpflanzen seit drei Wochen deutlich schlechter als zur gleichen Zeit im Vorjahr: «Bis Ende April haben wir stark vom schönen Wetter profitiert, aber jetzt sind die Leute zurückhaltender», sagt Co-Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Johannes Zulauf. Der Hauptgrund: die Trockenheit. «Die Leute befürchten, die Pflanzen würden eingehen.» Dabei sei das trockene Wetter bei regelmässigem Giessen überhaupt kein Problem.

Kritisch ist die Situation für rund 130 Aargauer Bauern und Gärtnereien: Wenn es bis Freitag nicht stark regnet, dürfen sie ihre Felder nicht mehr mit Wasser aus Bächen bewässern. Das hat der Kanton beschlossen. Die Bauern und Gärtner müssen wohl oder übel auf Trinkwasser ausweichen, um ihre Ernte nicht vertrocknen zulassen. Der Bauernverband Aargau fordert deshalb von den Gemeinden, den Bauern das Trinkwasser günstiger abzugeben