Ostumfahrung
Suhr bleibt ewige Staustelle – bis Ende Jahr definitiver Variantenentscheid

Das 100-Millionen-Projekt kommt nur langsam voran. Eine Inbetriebnahme vor 2025 steht nicht an. Aber immerhin: Die Südumfahrung darf die Ostumfahrung nicht bremsen, so der Kantonsingenieur.

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Präsident Hans-Peter Zehnder und die anderen 61 Mitglieder der Interessengemeinschaft kämpfen für eine rasche Realisierung der Ostumfahrung Suhr. Sandra Ardizzone

Präsident Hans-Peter Zehnder und die anderen 61 Mitglieder der Interessengemeinschaft kämpfen für eine rasche Realisierung der Ostumfahrung Suhr. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

«Es lupft mir den Hut. Jetzt kommt man wieder mit Varianten, strebt das Superprojekt an. Jetzt muss man Gas geben. Es geht um Arbeitsplätze – hier in Suhr.» Rudolf Obrecht, Präsident und Delegierter der Pfister Arco Holding, machte seinem Ärger gestern Abend Luft. Zusammen mit Präsident Hans-Peter Zehnder hatte er zur Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft Ostumfahrung Suhr eingeladden. Zehnder ist Präsident des gleichnamigen Gränicher Unternehmens mit weltweit 3000 Angestellten. Er sagte: «Wir haben heute jeden Tag Stau in Suhr.» Der Bau der Ostumfahrung müsse möglichst schnell in Angriff genommen werden. Es gelte, den Zeitdruck auf die beteiligten Instanzen zu erhöhen.

800 bis 900 Meter langer Tunnel

Seitens des Kantons orientierten Kantonsingenieur Rolf H. Meier und sein Stellvertreter Matthias Adelsbach. Sie sprachen einerseits über die Ostumfahrung und andererseits über die Südumfahrung. Die Planung der Letzteren steckt noch im Anfangsstadium.

Sofortmassnahmen: «Heilige Kuh SBB»

Laut dem Transportunternehmer Hanspeter Dreier erlebte Suhr staumässig vergleichsweise gute Zeiten, als die Nationalbahn-Linie wegen deren Sanierung nicht befahren wurde (bis Dezember 2015). Die SBB seien eine heilige Kuh, es gelte, die Schliessungszeiten der Barrieren zu überprüfen und das Rangieren der Güterzüge zu optimieren. All das möglichst als Sofortmassnahme. «Wer geht jetzt auf die SBB los?», fragte Kurt Troxler, Leiter Transporte bei Emmi. Kantonsingenieur Rolf H. Meier nahm das Anliegen entgegen, wies aber auf seine Nichtzuständigkeit hin. Und
er verriet, dass die SBB wegen des Baus des Eppenberg-Tunnels zurzeit Güter-
züge über Suhr umleiten.

Rolf Meier sagte den Satz des Abends: «Die Südumfahrung darf die Ostumfahrung nicht bremsen.» Aus Suhrer Sicht ein Versprechen.

Die Zahlen des Abends: Alleine die Ostumfahrung wird gemäss einer groben Kostenschätzung (plus/minus 30 Prozent) 100 Millionen Franken kosten. Entlang dem Siedlungsgebiete wird ein 800 bis 900 Meter langer Tagbautunnel erstellt. Baubeginn ist im optimalen Fall 2022. Die Bauzeit dauert 2 bis 21⁄2 Jahre. Inbetriebnahme der Strasse also kaum vor 2025, und all das nur, wenn kein Referendum ergriffen wird und kein Einsprecher den Instanzenweg beschreitet.

Bund gegen Autobahnanschluss

Die Ausgangslage: Heute fahren täglich 26 000 Fahrzeuge durch Suhr. Die Experten erwarten für die nächsten Jahre eine weitere Verkehrszunahme um 2000 bis 3000 Fahrzeuge. Wichtig ist, dass der Verkehrsstrom Ost–West (Hunzenschwil–Oberentfelden) vergleichsweise gross ist.

Der Bund hat einen Autobahnanschluss für das Wynental laut Kantonsingenieur Meier «klar abgelehnt». Unter anderem mit der Begründung, zusätzliche Anschlüsse würden zu mehr Staus führen.

Das Ostumfahrungs-Projekt aus dem Jahr 2002 ist in den Augen des Kantons in der ursprünglichen Form nicht mehr realisierbar. Unter anderem wegen des Verlustes an Kulturland, aber auch, weil es die Anbindung an die Kantonsstrasse ins Wynental (Suhrerstrasse) südlich der A1 vorsah.

Wird AEW-Gebäude abgebrochen?

Neu ist unmittelbar nördlich der Autobahn, also im Bereich des AEW-Unterwerks, der Bau eines Kreisels vorgesehen. Über diesen würde die Ostumfahrung an die Wynentalstrasse (Gränicherstrasse) angebunden. Die Ostumfahrung selber würde unter der Wynentalstrasse hindurchführen. In ihrer Fortsetzung Richtung Westen würde sie zur Südumfahrung.

Die Ostumfahrung selber begänne im Bereich der Bernstrasse Ost (östlich von Pfister) und würde entlang der Bauzonengrenze Richtung Wynentalstrasse führen. Mit dem Tagbautunnel.

Die Planung des Kreisels ist höchst anspruchsvoll. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das AEW-Unterwerk abgerissen werden kann – was natürlich ein Kostenproblem ist.

Was die Ostumfahrung anbetrifft, will der Kanton bis Ende Jahr einen definitiven Variantenentscheid fällen. Dann folgt die Vorprojektierung. Kantonsingenieur Meier wies darauf hin, dass man sehr sorgfältig vorgehen und ein Projekt mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis entwickeln müsse. Denn sollte sich dieses später im politischen Prozess als angreifbar erweisen, ginge viel Zeit verloren. Die Umweltverbände sind bis jetzt noch nicht mit im Boot, aber sie sollen so früh wie möglich einbezogen werden. Und an den Planungskapazitäten soll es nicht fehlen. Die Ostumfahrung Suhr sei im Moment das einzige Aargauer Grossvorhaben, dass sich im Projektierungsstadium befinde, erklärte Meier.

Eine Spur Hoffnung für die staugeplagten Suhrer.