Aarau

Stadion-Gegner gewinnt gegen «Blick» – Reporter nannte ihn «Totengräber»

Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd

Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd

Ein «Blick»-Reporter ist wegen Beschimpfung rechtskräftig verurteilt worden. Er hatte den Aarauer Stadion-Einsprecher in einem Artikel unter anderem «Totengräber» und «Querulant» genannt.

«Angst habe ich nicht, aber es ist ungemütlich», erklärte der letzte verbliebene Gegner des Fussballstadions im Aarauer Torfeld vor zwei Jahren der az.

Der «Blick» hatte ihn am 20. August 2014 unter dem Titel «Der Totengräber des FC Aarau? Dieser Mann verhindert das neue Stadion» geoutet. Im Artikel stand der Vorname und der erste Buchstabe des Einsprechers. Zudem war er auf einem paparazzimässig erstellten Foto zu sehen – das Gesicht allerdings deutlich verpixelt. Der Betroffene wurde danach gemäss eigenen Angaben belästigt, die Polizei versprach, Patrouillen bei seinem Haus vorbeizuschicken.

Die «SonntagsZeitung» (SoZ) schrieb am 31. August 2014, der Stadion-Gegner sei mit dem Artikel «zum Abschuss freigegeben worden». Der Stadion-Gegner sagte: «Ich akzeptiere nicht, dass ich für die Ausübung eines Bürgerrechts als Verbrecher hingestellt werde.» Der Stadion-Gegner erhielt Unterstützung vom damaligen Eidgenössischen Datenschützer. Hanspeter Thür erklärte der «SoZ»: «Dieser Artikel ist bedenklich und zeigt genau, warum Einspruch-Erheber nicht enttarnt werden dürfen.» Medienrechtler Peter Studer bezeichnete den Text als «schlecht getarnten Aufruf zur Hatz auf einen missliebigen Gegner».

Busse von 750 Franken

Der Stadion-Gegner zeigte den «Blick»-Journalisten an. Und jetzt hat er, der vor Gericht nahezu immer verloren hat, für einmal gewonnen. Der «Blick»-Mann wurde von der Staatsanwaltschaft Baden verurteilt. Der Strafbefehl wurde am 16. Juni ausgestellt. Der Verurteilte hat ihn akzeptiert. «Der Strafbefehl ist rechtskräftig», erklärte Fiona Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, der az.

Der «Blick»-Journalist wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 150 Franken verurteilt. Zudem muss er (oder sein Arbeitgeber) eine Busse von 750 Franken und eine Strafbefehlsgebühr von 900 Franken zahlen. Besonders schmerzen dürfte den Verurteilten, dass das Urteil im Strafregister eingetragen wird.

Kein Geld für den Stadion-Gegner

Der Stadion-Gegner erhielt keine Parteienentschädigung zugesprochen. Und allfällige Schadenersatzforderungen wurden auf den Zivilweg verwiesen. Das heisst: Der Stadion-Gegner müsste einen neuen Prozess anstreben, um allenfalls zu Geld zu kommen.

Verurteilt wurde der Journalist, weil er im Artikel über den Stadion-Gegner die Begriffe «Totengräber» und «Querulant» verwendet hatte. «Der Beschuldigte wusste um die Ehrenrührigkeit dieser Titulierungen und verfasste gleichwohl den Zeitungsartikel über den Geschädigten», heisst es im Strafbefehl, der von Assistenzstaatsanwalt Marco Mainardi unterschrieben ist.

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