Aarau
So bescheiden ist das Food-Angebot in der Telli

Im Quartier, wo viele Firmen angesiedelt sind, kann das Verpflegungsangebot über Mittag qualitativ nicht mithalten. Take-aways dominieren und tragen wenig zu einer ausgewogenen Ernährung bei. Auch die Restaurants kommen bei Gästen schlecht weg.

Thomas Röthlin
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Kantine der Trinamo AG Wässermattstrasse 8. Wer sich anmeldet, kann auch als Externer in der ehemaligen «Stollenwerkstatt», einem Sozialunternehmen, essen.
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«Maags rasendi Chuchi» Pasta mit Sauce nach Wahl ab 6.50 Fr.
Ciao Pizza Tellistrasse 43, keine 250 Meter von Telli Pizzakurier entfernt. Das Angebot ist dasselbe. Für die Berufsschüler gibts einen Rabatt.
So bescheiden ist das Food-Angebot in der Telli
Restaurant / Saloon Go West! Weihermattstrasse 80. Das kürzlich wiedereröffnete Lokal ist nicht wiederzuerkennen: Western- Style mit viel Holz, Service im Cowgirl-Look. Menüs, z. B. Tages-Burger mit Salat bis 22 Fr.
Coop Restaurant + Royal Bistro Die beiden Restaurants im Einkaufszentrum Telli, dem gastronomischen Schwerpunkt im Quartier (schneller gehts beim Jaisli-Beck). Coop-Menüs ab Fr. 12.90, Royal-Bistro-Menü 17 Fr.
Restaurant Piccanto (BSA-Mensa) Tellistrasse 58. Die Mensa der Berufsschule Aarau (BSA) ist gleichzeitig das öffentliche Restaurant Piccanto, das ab Juni ausgebaut wird. Drei Menüs, eines davon vegetarisch, Fr. 8.50.
Telli Pizzakurrier Tellistrasse 66, vis-à-vis des Einkaufszentrums. Liefert Pizze aus und verkauft sie neben anderen «Spezialitäten» auch als Take-away vor Ort. Pizza/Burger/Kebab/Döner inkl. Getränk 10 Fr.
Mojo Food Take away Neumattstrasse 2. Das von der Trinamo AG geführte Lokal öffnet nächsten Montag und verspricht «schnelle und gesunde Verpflegung».

Kantine der Trinamo AG Wässermattstrasse 8. Wer sich anmeldet, kann auch als Externer in der ehemaligen «Stollenwerkstatt», einem Sozialunternehmen, essen.

Annika Bütschi

Wo der arbeitsame Mensch nicht anständig Mittag essen gehen kann, dort wird der Food herangekarrt. So ein Ort, an dem das gastronomische Angebot (siehe unten) der Arbeitsplatzdichte hinterherhinkt, ist das Telli-Quartier in Aarau. Hier erwirtschaften 2200 Beschäftigte 8,5 Prozent der Aarauer Wertschöpfung (Zahlen von 2008).

70 bis 80 Pastaportionen pro Stunde schöpft Marlies Maag nach eigenen Angaben jeden Donnerstag in Plastikschalen. Ihre «rasendi Chuchi» steht jeweils über Mittag am Ende der Neumattstrasse Richtung Kläranlage. Der Anhängerwagen fährt in eine Marktlücke - trotzdem würde es für den Geschmack von Maag noch mehr Kundschaft vertragen.

Bereits wieder weg ist denn auch der Imbisswagen Wiki-dog, der jeweils dienstags am Anfang der Neumattstrasse stand. Und, wie Marlies Maag weiss, auch das Grillmobil Max Poulet, das - ausgerechnet donnerstags - ihrem Pastawagen Konkurrenz machte. Der Standort bei der Coop-Pronto-Tankstelle ist laut Max' Website aktuell tatsächlich keiner seiner über hundert Verkaufsstellen.

Notenschnitt 3,3

Dass offenbar zu wenig Gäste üppige Hotdogs und knusprige Güggeli goutieren, ist ein Indiz dafür, wie unzufrieden die in der Telli Arbeitenden mit dem Food-Angebot allgemein sind. In einer Online-Umfrage, zu der die az Aargauer Zeitung im April alle hier domizilierten Firmen einlud, benoteten 116 Teilnehmende die Verpflegungsmöglichkeiten mit der Durchschnittsnote 3,3 - ungenügend. Die Bestnote 6 wurde nur zweimal vergeben. Kein Wunder, schiessen die Wünsche nach kulinarischen Alternativen ins Kraut, wenn man nur danach fragt (siehe Box «Was fehlt Ihnen am meisten?»).

Bei der Frage nach der Verpflegungsart dominiert das Restaurant. In der Umfrage fällt auf, dass die beiden Restaurants im Einkaufszentrum Telli einige negative Kommentare kassieren. Der Tenor: Die Qualität stimmt nicht.

Mojo Food soll auch gesund sein

Die drei Take-aways rund um das Einkaufszentrum und die Berufsschule Aarau (BSA) tragen ebenso wenig zu einer ausgewogenen Ernährung bei wie die drei Tankstellenshops. Ändern will dies die Trinamo AG. Das Sozialunternehmen, das Arbeitslose, Ausgesteuerte und Asylbewerber beschäftigt, eröffnet nächsten Montag als weiteres Betätigungsfeld das Mojo Food Take away. Hier gibts zwar auch Pizza, aber hausgemachte, daneben frisch zubereitete Salate, Suppen, Sandwiches, Bagels und Spezialbiere. Das neue Lokal ist laut Eigenwerbung ein «Take-away mit sozialem Auftrag für die schnelle und gesunde Verpflegung». Das Auge isst mit: Mojo Food ist im Stil der 1950er-Jahre eingerichtet.

Ein zweiter Lichtblick ist Sushibreak. Vorgestern Mittwochmittag gabs in der BSA-Mensa erstmals vegetarisches Sushi - nicht etwa aus der Mensaküche, sondern von Berufsschüler Bastian Wollowski. Der Kochlehrling im Restaurant Eichberg ob Seengen, der sein «einzigartiges Schulprojekt» auf Facebook bekannt machte, muss wissen, wies geht: Im Januar gewann Wollowski am Wettbewerb der Aargauer Gastro-Lernenden eine Goldmedaille.