Aarau
Offensive für die «Alte Reithalle»: Verein eröffnet den Abstimmungskampf

Zwei Hürden stehen dem Kulturprojekt «Alte Reithalle» bevor: Die Genehmigung des kantonalen Kostenanteils durch den Regierungsrat sowie die Volksabstimmung. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben die Befürworter eine Infokampagne gestartet.

Urs Helbling
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In der alten Reithalle soll ein Theater entstehen, doch das aktuelle Projekt ist zu teuer.

In der alten Reithalle soll ein Theater entstehen, doch das aktuelle Projekt ist zu teuer.

Chris Iseli/AZ

Das Kulturprojekt «Alte Reithalle», eine 20,45-Millionen-Investition, muss in den nächsten Monaten zwei Hürden nehmen: Die erste ist vergleichsweise einfach, denn es ist nicht davon auszugehen, dass der Regierungsrat das Projekt respektive den kantonalen Kostenanteil (aus dem Swisslosfonds) nicht genehmigen wird. Auch die zweite Hürde, die Volksabstimmung in Aarau am 10. Juni, scheint aus heutiger Sicht nicht allzu hoch zu sein, hat doch der Einwohnerrat das Projekt und damit den städtischen Kostenanteil von 7,725 Millionen Franken mit 40 zu 8 Stimmen genehmigt.

Doch die Befürworter des kulturellen Grossprojektes gehen auf Nummer sicher. Sie haben eine gross angelegte Informationskampagne gestartet, in deren Mittelpunkt Begehungen der ehemaligen Kavallerie-Reithalle stehen. Die erste Führung hat bereits stattgefunden. Unter den 75 Teilnehmern war nahezu alles, was in der Aargauer Kulturszene Rang und Namen hat.

Kulturschaffende wie Brigitta Luisa Merki («Flamencos en route») und Schriftsteller Klaus Merz, aber auch Mitglieder des Patronatskomitees wie Michael Hunziker («meinstadion.ch») oder Maja Wanner. Seitens der Stadt waren Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) sowie die Stadträte Daniel Siegenthaler (SP) und Hanspeter Thür (Grüne) vor Ort. Und der frühere Stadtpräsident Marcel Guignard.

So richtig Kraft bekommen

Daniel Siegenthaler sprach von einem einzigartigen Projekt. Einem Vorhaben, das durch den Einwohnerratsbeschluss so richtig Kraft bekommen habe. Darstellende Kunst, klassische Musik, zeitgenössischer Zirkus: «Tuchlaube»-Chef Peter- Jakob Kelting wies darauf hin, dass die diesjährige Sommersaison exemplarisch dafür sein werde, wie ab 2020 die «Alte Reithalle» genutzt wird (immer vorausgesetzt, das Aarauervolk sagt Ja): Als Erstes findet Anfang Mai ein Tanzfest mit über 500 Mitwirkenden statt. Später gibts unter anderem das neue «Festival Melody- Aarau», eine Performance unter Mitwirkung des Rekrutenspiels, aber auch klassisches Schauspiel zu sehen.

Auslastung: KUK gehts besser

Die zwei grossen Säle (Saal 1 und 2) des Kultur- und Kongresshauses (KUK) waren
letztes Jahr zu 50,8 Prozent ausgelastet (Vorjahr 49,2%). Der Anteil der finanziell attraktiven kommerziellen Anlässe stieg auf 56 Prozent (Vorjahr 43%). Gemäss dem gestern veröffentlichten Jahresbericht der Stadt sank das Defizit des KUK markant von einer halben Million Franken (2016) auf noch 285 463 Franken. Die Zahl der Besucher wird mit 63'000 (Vorjahr 56'000) ausgewiesen.

In den Augen der «Freunde der Alten Reithalle» (Fara) hat das Gebäude «eine einzigartige Atmosphäre, der sich kaum jemand entziehen kann.» Für Fara-Präsidentin Käthi Perlini ist klar: «Dieser Ort wird langsam als Kulturort wahrgenommen. Jetzt geht es darum, aufzuzeigen, wie es weitergeht – allerdings nur bei Annahme des Kredits.» Weil die Halle einen grossen Sanierungsbedarf hat, ist eine provisorische Weiternutzung analog dem Sommerprogramm nicht möglich. Der Immobilienbesitzer, der Kanton, müsste investieren und bräuchte anschliessend eine Verwendung für die Reithalle, die sich ökonomisch rechnet.

Die «Freunde der Alten Reithalle» wollen möglichst vielen Aarauerinnen und Aarauern die Möglichkeit geben, die Ausstrahlung des Gebäudes persönlich zu erleben. Sie organisieren deshalb sechs Führungen. Zum Beispiel am kommenden Samstag von 11 bis 12 Uhr.

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