Gränichen
Neue Umfahrung in Suhr entlastet auch umliegende Gemeinden — Gränichen zahlt darum freiwillig

Der Gemeinderat will zwei Millionen Franken an die Umfahrung von Suhr beisteuern — «aus Solidarität». Der Betrag sei für die Gemeinde trotz Finanzknappheit tragbar.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Peter Stirnemann, Gemeindeammann von Gränichen (l.) und Kantonsingenieur Rolf H. Meier erklärten die Strassenbauprojekte an der Orientierungsversammlung in der Aula der Primarschule.

Peter Stirnemann, Gemeindeammann von Gränichen (l.) und Kantonsingenieur Rolf H. Meier erklärten die Strassenbauprojekte an der Orientierungsversammlung in der Aula der Primarschule.

Daniel Vizentini (dvi)

Autofahrer, die aus dem Wynental in Richtung Aarau fahren, können in Zukunft aufatmen: Suhr bekommt wohl in mittlerer Zukunft eine Ost- und eine Südumfahrung, die Staus könnten der Vergangenheit angehören. So plant es der Kanton, entsprechend steht das Projekt Veras (Verkehrsinfrastrukturentwicklung Raum Suhr) dort weit oben auf der Prioritätenliste.

Entlasten wird es aber nicht nur die Hauptachse durch Suhr, auch in Gränichen dürfte der Verkehr besser fliessen. 20'000 Fahrzeuge fahren oder schleichen jeden Tag durch die dortige Hauptstrasse, die Hälfte davon sind Autos aus Gränichen selbst. «Das müsste uns zu Denken geben», sagte Gemeindeammann Peter Stirnemann an einer Orientierungsversammlung zu dem Thema.

Der Gemeinderat will, dass die Umfahrung Suhr zustande kommt – und ist entsprechend bereit, freiwillig Geld dafür zu sprechen. «Wir möchten unsere Solidarität bekunden mit Geld», betont Stirnemann.

Gesamtprojekt dürfte bis zu 200 Millionen Franken kosten

Zwei Millionen Franken schwingen dem Gemeinderat konkret vor als Zustupf an Suhr, das 13 bis 14 Millionen Franken für die Umfahrung zahlen müsste. Das Gesamtprojekt dürfte bis zu 200 Millionen Franken kosten, der Kanton würde das meiste übernehmen.

Die gesamte Umfahrung käme auf Suhrer Boden zustehen. Ältere Projekte von 2001 und 2017 sahen noch eine Umfahrung vor mit Strassen auf der Gränicher Seite der Autobahn. 6 bis 8 Millionen Franken hätte Gränichen gemäss den alten Projekten hinblättern müssen.

«Dass jetzt alles in Suhr ist, ist für uns wie ein 6er im Lotto», so Stirnemann. Rein gesetzlich könne man naheliegende Gemeinden zwar nicht dazu auffordern, sich finanziell zu beteiligen, sagt der Gränicher. Aber die Umfahrung liegt im Eigeninteresse der Wynentaler Gemeinden. «Für uns sind die zwei Millionen trotz Finanzknappheit tragbar. Und es ist fraglich, ob Suhr den hohen Kredit durch die Gemeindeversammlung bringen könnte.»

Der Gränicher Gemeinderat habe sich deshalb überlegt, aus psychologischen Gründen sei es besser, wenn Suhr mit weniger als 10 Millionen vor die Gmeind treten müsse. Die Gränicher gehen davon aus, dass sich weitere Wynentaler Gemeinden oder gar Firmen, die durch die Umfahrung begünstigt würden, Geld sprechen. Wenn sich mehrere Gemeinden beteiligen, wird die Umfahrung zu einem regionalen Projekt. So könnte man auch Bundesgelder einholen.

Bevölkerung zeigte sich ebenfalls solidarisch

Gemeindeammann Stirnemann wollte von den Anwesenden wissen, wie sie spontan zur Solidaritätsbekundung durch die Gemeinde stehen. Das Echo war vorwiegend positiv: «Wenn die Hälfte des Verkehrs von uns stammt, dann sind wir moralisch dazu verpflichtet, den Beitrag zu leisten», sagte ein Mann. Ein anderer hingegen erinnerte daran, dass Solidarität zwar gut sei, Suhr die Umfahrung aber genauso wolle. «Die Umfahrung ist nicht nur für das Wynental.»

Für Stirnemann ist klar: «Ohne Realisierung droht der Verkehrskollaps.» Der Baubeginn könnte 2024 erfolgen, falls keine grösseren Beschwerden eintreffen. «Wir wollen keinen zweiten Fall Mellingen.»

So wird die Strasse durch das Dorf saniert

«Der Verkehr wächst schneller, als wir Strassen bauen können», sagte Kantonsingenieur Rolf H. Meier an der Orientierungsversammlung in Gränichen. Auch deshalb sei man darum bemüht, aktuelle Strassenabschnitte zu optimieren und die Infrastruktur für andere Verkehrsmittel zu verbessern wie Fahrräder und E-Bikes. In Gränichen soll die Kantonsstrasse erneuert werden. Auf zweieinhalb Kilometern durchs Dorf werden Werkleitungen saniert. Darüber wird die Strasse neu einen Mehrzweckstreifen aufweisen, mit zahlreichen Schutzinseln für die Fussgänger.

Damit könnte der Verkehr flüssiger und sicherer gemacht werden. 238 Unfälle mit vier Toten und zwölf Schwerverletzten haben sich in Gränichen von 1999 bis 2016 ereignet.

Bei der Nordstrasse wird eine Lichtsignalanlage gebaut. Der Perron bei der Haltestelle Töndler wird gegen Norden verlängert, um die Situation für die öV-Benützer zu verbessern. Der Strassenverlauf bleibt gleich: Eine Verbindung quer durch den Lindenplatz, um die S-Kurve im Zentrum Gränichens aufzuheben, ist nicht vorgesehen. «Die S-Kurve, das ist Gränichen, das ist eure Heimat», sagte Projektleiter Mathias Blaser humorvoll. Tempo 40 bleibt dort bestehen.
21,1 Mio. Franken soll der Strassenbau kosten plus 2,1 Millionen Franken Kreditrisiko. Die Hälfte übernimmt der Kanton, der Bund beteiligt sich über sein Agglomerationsprogramm mit 1,15 Millionen Franken, die restlichen 11,1 Millionen Franken müsste die Gemeinde übernehmen. Gebaut würde während dreier Jahren; frühestens ab 2023, unbedingt aber vor 2025 – dann endet das Unterstützungsprogramm des Bundes.

Eine Autobahneinfahrt am nördlichen Ende von Gränichen ist nicht geplant. Man habe eine solche zwar geprüft, befürchte aber bei einer gleichzeitigen Autobahnausfahrt massiven Mehrverkehr durch Suhr in Richtung Aarau. «So viel Verkehr könnten wir nicht aufnehmen», sagte Rolf H. Meier. (dvi)