KVA Buchs
Neuer Fernwärme-Rekord bei der KVA Buchs – dank der Emmi in Suhr

Der Anschluss an die Mittelland Molkerei (Emmi) sorgte 2021 für grossen Aufschwung beim Fernwärmeabsatz. Auch die hohen Strompreise führten zu einem deutlichen Plus. Ab 2023 soll die Kehrichtverbrennungsanlage zudem Wasserstoff produzieren.

Daniel Vizentini
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Die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs.

Die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs.

Zur Verfügung gestellt

Die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Buchs ist gleichzeitig auch ein Kraftwerk, ein grosser Heizofen und bald auch eine Wasserstoff-Produktionsanlage. Aus den über 135’000 Tonnen Abfall, die 2021 geliefert wurden – 2000 Tonnen weniger als im Vorjahr – konnte die KVA so viel Fernwärme abliefern wie noch nie. 77.6 GWh waren es, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. An der Abgeordnetenversammlung in Unterentfelden diese Woche stellte Geschäftsleiter Harald Wanger auch die aktuellen Zahlen der ersten fünf Monate von 2022 vor: 43'000 MWh waren es in dieser Zeit, eine Zunahme um satte 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dies vor allem dank der Dampfleitung der KVA Buchs bis zur Mittelland Molkerei (Emmi) im Suhrer Helgenfeld und der Heizzentrale zur Speisung von Warmwasserleitungen, die 2021 in Betrieb gingen. Diese Anlagen sollen den Fernwärmeabsatz in den nächsten Jahren nochmals deutlich steigern, schreiben die Verantwortlichen in einer Medienmitteilung.

Die Auskopplungsstation im Wynenfeld geht im August in Betrieb, diejenige beim Henz-Areal in Suhr (samt Heisswasser) ab Ende 2022. Auch ein grosserer Leitungsausbau in Richtung Entfelden steht an.

2021 liefen noch die Bauarbeiten zur Fernwärme beim Bahnhof Suhr. Feierlich eingeweiht wurde der Anschluss der Emmi im Oktober.

2021 liefen noch die Bauarbeiten zur Fernwärme beim Bahnhof Suhr. Feierlich eingeweiht wurde der Anschluss der Emmi im Oktober.

Daniel Vizentini (16.4.2021)

«Es ist wahnsinnig, was auf dem Energiemarkt abgeht»

Der hohe Strompreis sorgte zudem dafür, dass ein um über 26 Prozent besserer Erlös erwirtschaftet wurde. Strom im Wert von insgesamt 8,1 Mio. Franken wurde verkauft, produziert wurden 2021 91.3 GWh. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist diese Produktion im Vergleich zum Vorjahr etwas geschrumpft.

Zum Strompreis sagte Harald Wanger, es sei «wahnsinnig, was aktuell auf dem Energiemarkt abgeht». Nach dem steilen, wohl nie dagewesenen Anstieg der Strompreise ab Herbst 2021 startete man auch dieses Jahr auf sehr hohem Niveau. Der Ukraine-Krieg liess die Preise etwas fallen, doch sie bleiben aktuell mehr als doppelt so hoch als vor einem Jahr.

In Aarau Rohr wurden zuletzt die Leitungen für Fernwärme und Warmwasser eingebaut.

In Aarau Rohr wurden zuletzt die Leitungen für Fernwärme und Warmwasser eingebaut.

Daniel Vizentini (19.4.2022)

Sorgen wegen knapp werdenden Chemikalien zur Luftreinhaltung

37 Prozent des 2021 der KVA Buchs gelieferten Abfalls stammte aus den Haushalten der 83 Verbandsgemeinden. 49'600 Tonnen waren es insgesamt, 152 Kilo pro Person. Die gelieferte und verbrannte Abfallmenge war dieses Jahr bisher nur minim kleiner als 2021.

Harald Wanger nahm auch Stellung zur Dioxin-Problematik, die letztes Jahr zum Politikum wurde. Der Kanton habe im letzten Frühling Bodenproben um die KVA herum entnommen, diese werden derzeit ausgewertet. Sorgen bereiten ihm hingegen die Chemikalien zur Luftreinhaltung, die wegen dem Krieg knapp werden. Die Preise seien in die Höhe geschellt, es sei bereits zu Engpässen gekommen.

«Technisch gesehen können wir Abfall verbrennen ohne die Chemikalien, aber wir hätten Überschreitungen von Emissionsgrenzwerten.» Dann müsste man eine Güterabwägung vornehmen: Falls keine Grenzwerte ausnahmsweise überschritten werden dürfen, «was machen wir dann mit dem Abfall, der Fernwärme und dem Strom?»

Dezidiert gab er auch seine Meinung zur CO2-Vereinbarung, die letzten März alle KVAs des Landes unterzeichnen mussten. CO2-Emissionen der KVAs sollen langfristig auf 0 sinken, heute sind die Anlagen für 5 Prozent aller Schweizer Emissionen verantwortlich. Es werde viel in Forschung und Carbon Capture investiert, sagte Harald Wanger. Diese Technologie sei aber noch sehr teuer und energieintensiv. «Wenn wir diese bei uns installieren würden, könnten wir die Fernwärme- und Stromproduktion praktisch abstellen.»

Wasserstoffproduktion lohnenswert vor allem im Sommer

An der Versammlung wurde auch über die Wasserstoff-Produktionsanlage informiert, die ab nächstem Jahr in Betrieb gehen soll. Die Firma Hitachi Zosen Inova baut einen Elektrolyseur, der Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff trennt. Der hierfür benötigte Strom stammt aus der KVA, der Wasserstoff würde somit mit nachhaltiger Energie hergestellt.

Wenn die Solaranlagen im Sommer so viel Strom produzieren, dass der Strom der KVA zeitweise zu billig wird, lohne es sich, diese überschüssige Energie für die Wasserstoffherstellung zu benützen. Gerade die Abfallsammelfahrzeuge können so direkt in der KVA betankt werden.