Golfplatz Oberentfelden
Fränzi Iten hält das Green schön grün

Auf dem Golfplatz in Oberentfelden arbeitet die einzige diplomierte «Head-Greenkeeperin» der Schweiz. Die 30-jährige Franziska Iten ist die Chefin der sechsköpfigen Truppe, die dafür sorgt, dass der Platz immer tiptop im Schuss ist.

Nadja Rohner
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Franziska Iten hat ihren «John Deere»-Rasenmäher im Griff. Ihre Lieblingsarbeit ist aber eine andere.

Franziska Iten hat ihren «John Deere»-Rasenmäher im Griff. Ihre Lieblingsarbeit ist aber eine andere.

Chris Iseli

Wenn Franziska «Fränzi» Iten (29) in ihrem Golfwagen mit den breiten Reifen über den Rasen fährt, winkt sie alle paar Meter jemandem zu. Man kennt sie hier auf dem Golfplatz Entfelden. Noch nicht einmal dreissig Jahre alt, ist Fränzi Iten hier so etwas wie die Chef-Gärtnerin. In ihrem Metier heisst das aber «Head-Greenkeeperin» (das Green ist der kurzgeschnittene Rasen rund um das Loch) – und Iten ist die erste und bislang einzige Frau in der Schweiz, die einen offiziellen Abschluss in ihrem Beruf hat. Sie ist die Chefin der insgesamt sechsköpfigen Greenkeeper-Truppe, die dafür sorgt, dass der Platz immer tiptop im Schuss ist. Sie macht ihre Arbeit offenbar sehr gut: Eben erst wurde Entfelden von der Zeitschrift «Golf Leader» im Ranking der «gepflegtesten Golfclubs der Schweiz» auf Rang 11 gewählt – von 97. Franziska Itens Verdienst? «Der vom ganzen Team natürlich», sagt sie.

Franziska «Fränzi» Iten, Head-Greenkeeperin

Franziska «Fränzi» Iten, Head-Greenkeeperin

Chris Iseli

Längst nicht nur Rasenmähen

Aufgewachsen ist Fränzi Iten in Seon auf einem Bauernhof. Nach einer Lehre als Landschaftsgärtnerin bei Ott Gartenbau in Rupperswil wurde sie von einem Nachbarn angefragt, ob sie bei ihm arbeiten möchte – der Mann war damals Chef des Greenkeeper-Teams in Entfelden. «Den ganzen Tag Rasenmähen? Das ist doch langweilig», dachte Fränzi Iten zuerst. Dennoch sagte sie zu – und bekam Spass an ihrer Arbeit. Sie absolvierte die Swiss Greenkeeper Schule, später noch eine Ausbildung im deutschen Kempten. Was lernt man da? «Wie man die Maschinen wartet, repariert und einstellt», zählt Iten auf, «wie man richtig düngt, zudem Gräserkunde.»

Auch die Ökologie sei ein wesentlicher Aspekt: «Wir haben auf dem Golfplatz Ausgleichsflächen, beispielsweise Steinhaufen und Teiche. Die helfen dem Fortbestand der einheimischen Tierarten.» Später liess sich Iten noch zur Head-Greenkeeperin ausbilden, lernte typische Managementfähigkeiten wie Finanzbuchhaltung und Kommunikation mit Angestellten, aber auch Spezifisches wie Wasser-Management auf dem Golfplatz. Nach Praktika auf Golfplätzen in England und Fribourg (Golfclub Blumisberg) kehrte sie nach Entfelden zurück. Bei der Fahrt durch die Anlage schwärmt sie von ihrem Job: «Ich arbeite total gerne hier. Die Atmosphäre ist familiär, die Kunden nett und freundlich.»

Erst einen Ball abgekriegt

Im Moment ist Iten schwer beschäftigt. Da müssen Mails an Journalisten zur Terminvereinbarung schon mal warten: «Diese Woche war ich fast nie im Büro», schreibt Iten dann doch noch zurück. «Das Wetter ist so gut, da kann man richtig Gas geben beim Arbeiten.» Mit Rasenmähen ist es längst nicht getan, die Greenkeeper kümmern sich um die gesamte Anlage. Vertikutieren, Drainagen legen, die Sträucher pflegen, die Bunker – die sandigen Hindernisse auf dem Golfplatz – rechen, Sanierungen durchführen und, im Winter, die 160 Obstbäume auf dem Golfplatz schneiden. «Alleine das dauert drei bis vier Wochen», sagt Iten.

Ihre Lieblingsarbeit ist das Versetzen der Löcher auf dem Green. Das ist nötig, weil sonst der Rasen rund um das Loch zu sehr abgenutzt würde. Während der Saison (April bis Ende Oktober) werden die Löcher deshalb mindestens alle zwei Tage ein paar Meter verschoben. Mit einem Stanzgerät kann Franziska Iten ein Loch aus dem Boden stanzen und mit dem entstandenen Erdzylinder das alte Loch auffüllen. Seit ihrem Praktikum in England spielt Fränzi Iten selber auch Golf. «Vorher hatte ich nicht die Zeit dazu», sagt sie. Aktuell beträgt ihr Handicap 28. Früher bereitete ihr das Setzen der «Tees» (die Abschlage-Vorrichtung, auf der der Ball platziert wird) jeweils Mühe. «Aber seit ich selber spiele, weiss ich intuitiv, wie es gemacht werden muss. Es hilft mir, mich in die Kunden hineinzuversetzen.»

Eine wichtige Frage muss Fränzi Iten zum Schluss noch beantworten – wie viele Bälle hat sie in ihrer Karriere schon abgekriegt? «Nur einen», sagt sie lachend und zeigt auf die Stelle am Bein. «In zehn Jahren. Das ist verkraftbar.»

Ab 1000 Franken im Jahr sind die Jungen dabei

Die Golf Entfelden AG betreibt in Oberentfelden den einzigen 18-Loch-Platz Golfplatz im Aargau. In den letzten Jahren wurde er mehrmals ausgebaut und erweitert. Im Moment liege kein Projekt für einen weiteren Ausbauschritt vor, sagt Geschäftsführer Beat Mutter, der vielen noch als ehemaliger Profi-Fussballer bekannt sein dürfte. «Aber man sollte niemals nie sagen im Leben.» Der Golf-Club wurde 1998 gegründet, feiert also nächstes Jahr sein 20-Jähriges. Derzeit hat er 705 Mitglieder. «Sie sind bunt gemischt, tendenziell aber ü50», beschreibt Mutter seine Kunden.

Erst kürzlich hat der Golfclub ein Angebot für 22 bis 30-Jährige eingeführt, um vermehrt Junge in den Club zu holen. Sie spielen für 1000 Franken Jahresgebühr. Ab 30 kostet die Jahresgebühr dann 2350 Franken, zudem muss man nach einer gewissen Probezeit eine Aktie im Wert von 16 000 Franken kaufen. «Es handelt sich um eine frei handelbare Aktie und nicht um a-fonds-perdu-Kapital», betont Mutter.
Der Golfclub hat eine Mitglieder-Limite. Derzeit können noch 15 Personen aufgenommen werden. (NRO)