Erlinsbach AG/SO
Die Speuzer sollen in die Jugend investieren und mehr für den Abfall bezahlen

In den beiden Erlinsbach sind für die kommenden Wintergemeindeversammlungen zwei Traktanden vorgesehen, bei denen beide zustimmen müssten. Die Abfallwirtschaft soll fusioniert und eine professionelle Jugendarbeit aufgezogen werden.

Nadja Rohner
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Wie in Aarau soll es auch in Erlinsbach künftig farbige Güselsäcke statt der Güselmarken sowie Unterflur-Sammelstellen für Glas und Dosen geben.

Wie in Aarau soll es auch in Erlinsbach künftig farbige Güselsäcke statt der Güselmarken sowie Unterflur-Sammelstellen für Glas und Dosen geben.

Urs Helbling

Um 18.57 Uhr musste Monika Schenker, Gemeindepräsidentin von Erlinsbach AG, den Vorhang beiseiteschieben, der die Mehrzweckhalle Kretz in zwei Teile trennt. Es brauchte mehr Stühle. An den kommenden Gemeindeversammlungen sind zwei Geschäfte traktandiert, die beide Erlinsbach betreffen und zu denen beide Ja sagen müssen, damit sie zu Stande kommen. Entsprechend waren die Solothurner und die Aargauer zum Infoabend geladen.

Die Gemeinderäte wollen das Entsorgungswesen im Erzbachtal reorganisieren und neue Abfallreglemente einführen. Die Grundgebühr (40 Franken), die die Aargauer aktuell noch haben, wird abgeschafft. Neu gibt es keine Gebührenmarken mehr, sondern farbige Gebührensäcke. «Damit in den Containern direkt ersichtlich ist, ob alle bezahlt sind», erklärte der Solothurner Bauverwalter André Zehnder. Es sollen künftig drei bis vier dezentrale (Standorte noch unklar) und eine zentrale Sammelstelle betrieben werden. Sie werden mit Unterflur-Anlagen ausgerüstet. Die heute bestehenden Sammelstellen sind teils in einem schlechten Zustand.

Das alles soll unter einem gemeinsamen Rechnungskreislauf geschehen. Und hier gibt es ein Problem: Die Abfallwirtschaftsrechnung der Solothurner weist ein Eigenkapital von 90'000 Franken auf, jene der Aargauer von 600'000. Das muss ausgeglichen werden. Die Gemeinderäte sehen nach rechtlichen Abklärungen nur die Lösung, den Aargauern Geld zurückzuzahlen – zirka 120 Franken pro Einwohner. Darüber müssen die Aargauer ebenfalls abstimmen.

Sagen die Gemeindeversammlungen Ja, gelten in der fusionierten Abfallwirtschaft ab 2023 neue Tarife. Die Kosten steigen. Zum Beispiel von 7,15 (AG) respektive 7,54 Franken (SO) auf 7,60 Franken für einen 110-Liter-Sack. Oder von 470 (SO) respektive 600 Franken (AG) auf 755 Franken fürs 660-Liter-Grüngut. Das sei so von den Finanzverwaltern als Start berechnet worden. Auch, um die hohen Investitionen in die neuen Sammelstellen finanzieren zu können, die man über die nächsten zwei, drei Jahre modernisieren will, was zirka 90'000 Franken pro Ort kostet. «Ich bin überzeugt, dass die Gebühren in wenigen Jahren wieder nach unten angepasst werden können», so Zehnder. Die Kosten gaben dennoch zu reden und wurden fast durchwegs kritisiert. Der ehemalige Gemeindepräsident Markus Lüthy sagte: «Welche Vorteile haben wir denn bei einem Ja, ausser schön designte Abfallsäcke?» Die Gemeinderäte weibelten mit den Stichworten «Synergien durch enge Zusammenarbeit», «einheitliche Säcke und Gebührenmarken», «moderne Sammelstellen mit einheitlichem Erscheinungsbild» für ein Ja.

Die neue Jugendarbeit soll professionell aufgezogen werden

Das zweite gemeinsame Traktandum betrifft die Einführung einer professionellen Offenen Jugendarbeit, unter anderem unterstützt durch die Jugendarbeit Aarau. Das kostet insgesamt 72'516 Franken, wobei das Aargauer Speuz 40'000 Franken zahlt. Der Präsident der Jugendkommission, Gregor Konda, berichtete, dass das Projekt «Midnight Sports» vor der Pandemie bereits massiven Zulauf gehabt habe. Man wolle nun den Jugendlichen von der sechsten bis zur neunten Klasse einen Jugendtreff bieten, wo sie niederschwellig mit Gleichaltrigen zusammen sein können, ohne dass sie sich einem Verein anschliessen müssen. Ausserdem soll auch aufsuchende Jugendarbeit betrieben werden. Es geht um Prävention, Beratung, Halt und Orientierung.

Eine lange Diskussion gab es um den Ort für den Jugendtreff (geplant ist der Raum der bestehenden Jugendgruppe Egge beim Wygärtli, die laut Gemeinderat damit einverstanden sei). Und kritisiert wurde, dass keine formelle Bedarfsabklärung gemacht wurde. Der zuständige Aargauer Gemeinderat Heinz Pfluger betonte, dass man das Projekt – es ist vorderhand auf drei Jahre ausgelegt, dann wird evaluiert – wieder abbrechen könnte, falls es keinen Zuspruch findet. Nach drei Jahren bräuchte es für eine Weiterführung sowieso eine erneute Abstimmung.

Die Gemeindeversammlung von Erlinsbach AG findet am 19. November um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Kretz statt. Jene von Erlinsbach SO am 22. November um 19.30 Uhr – aus Platzgründen (wegen Corona) ebenfalls in der Mehrzweckhalle Kretz, also auf Aargauer Boden. «Wir freuen uns, wenn Sie die Gemeindeversammlung auch im Exil besuchen», so der Gemeinderat.

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