Am Montagmittag ist die Welt noch in Ordnung. In dem weissen Zelt auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Frohsinn in Erlinsbach (SO) liegen bunte Raketen, Vulkane, Lampions und bengalische Zündhölzer zum Verkauf bereit. Im Zelt ist es stickig, ein Ventilator wirbelt kühle Luft über die Verkaufstheke. Erträglicher sind die Temperaturen draussen, wo ein weiss-grüner Sonnenschirm etwas Schatten auf einen Festtisch mit zwei Festbänken wirft und ein leichter Wind weht.

«Angenehm ist die Bise schon», ruft der junge Verkäufer aus dem Zelt. «Aber sie trocknet alles noch mehr aus.» Die Trockenheit – sie vermiest den Anbietern von Feuerwerk in diesem Jahr das Geschäft. Im Wald und am Waldrand ist es bereits verboten, ein Feuer zu machen oder Feuerwerke zu zünden.

Absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot im Aargau

Absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot im Aargau

Sprengspezialist Walter Weber nimmt seine Pyrotechnik wieder auseinander – er wäre für die Feuerwerke in Aarau auf der Aare und auf dem Hallwilersee zuständig gewesen. Ein Rothrister Feuerwerksverkäufer spricht derweil von einer «Katastrophe».

Der Verkauf in Erlinsbach wird von Walter Käser organisiert. Er versucht, sich vom Wetter nicht die Laune verderben zu lassen. «Die Kunden seien aber sehr zurückhaltend in diesem Jahr», gibt er zu. Käser vermutet die intensive Berichterstattung über die Trockenheit als Grund.

Einziger Kunde in der Mittagszeit ist ein Junge im Primarschulalter. «Es riecht nach Feuer», ruft er begeistert, als er in das Zelt stürmt. Für die 1.-August-Feier mit der Familie darf er sich ein paar Artikel aussuchen. Er mag alles, was knallt, seine Mutter zieht die lärmfreien Vulkane vor.

Käser verkauft schon seit 20 Jahren Feuerwerk. Ähnlich trocken wie in diesem Jahr sei es nur einmal gewesen, nämlich im Sommer 2003. Auch damals habe der Verkauf gelitten. Den Schaden könne er nicht genau beziffern.

Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Käser will noch abwarten, bevor er Zahlen nennt. Er betont aber: Schwacher Absatz sei keine Katastrophe. «Was ich an Feuerwerk nicht verkaufe, kann ich meinen Lieferanten zurückgeben.» Schmerzlich seien nur die Kosten für das Zelt und die Platzmiete. Auf diesen Auslagen bleibt er sitzen.

Verlust, aber kein Super-GAU

Es liegt in der Natur der Sache, dass Käser ein Verbot von Feuerwerk nicht für notwendig erachtet. «Natürlich soll man keine Raketen im Wald abfeuern, aber das verbietet ja der gesunde Menschenverstand sowieso.» Im Siedlungsgebiet sieht er aber keine Probleme, «hier ist das Gras noch grün, und der Regen am Wochenende konnte wenigstens die Erdoberfläche ein bisschen befeuchten.» Ähnlich sieht es eine Familie, die kurz nach dem Mittag ins Zelt kommt. Sie kaufen gleich mehrere Raketen.

Kurz nach 15 Uhr kommt trotz der Hoffnung die schlechte Botschaft für Käser und für seine Kunden: Im Aargau gilt ab sofort ein Verbot von Feuer und Feuerwerk. Sein Zelt abbrechen will Käser noch nicht. Erst wenn auch der Kanton Solothurn ein allgemeines Verbot verhängt, will er den Verkauf einstellen.

Schneller als Käser handeln die Grossverteiler. Coop stellt den Verkauf jeweils per sofort ein, wenn ein Kanton das allgemeine Feuerverbot verhängt. So auch im Aargau, wie die Medienstelle bestätigt. Bereits gekauftes Feuerwerk könne zurückgebracht werden. Die Migros gab bereits am letzen Freitag bekannt, dass im Aargau kein Feuerwerk verkauft werden soll.