Suhr
Doris Schmid und ihr Ravel fahren an die Pony-Weltmeisterschaft

Doris Schmid ist bereits dreifache Schweizer Pony-Meisterin im Fahren. Jetzt steht die Weltmeisterschaft in Toulouse an. Am Mittwoch geht es los.

Katja Schlegel
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Eigentlich mag Ravel Wasser nicht so gern. Aber er folgt seiner Chefin Doris Schmid brav.zvg

Eigentlich mag Ravel Wasser nicht so gern. Aber er folgt seiner Chefin Doris Schmid brav.zvg

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Die Schmids verreisen. Mit Sack und Pack und Pony, mit zwei Wagen, Putzzeug, Zaumzeug, Bandagen, Decken und Kinderspielzeug. Das füllt einen Transporter, gross wie ein Lastwagen, und einen Anhänger. Heute Mittwoch gehts los, die Familie fährt von Suhr nach Toulouse in Frankreich ins Trainingslager für die Pony-Weltmeisterschaft im Fahren.

Ravel dreht eine Runde in seiner Box und lugt dann neugierig aus der Tür. Am Scheunentor hängen die bunten Plaketten all der Rennen, die Doris Schmid schon gefahren ist. Das Tor ist geplättelt wie eine Badezimmerwand. Auf der Bank liegen die ersten Schoner und Decken fürs Packen bereit.

Eben hat der Tierarzt das Okay für die Reise gegeben. Die letzten Tage hatte Ravel gelahmt, aber es ist nichts Ernstes. «Er hat etwas Ruhe gebraucht», sagt Doris Schmid füttert ihn mit einem Apfel.

Mit Schuss in die Kurve
6 Bilder
Bei der Dressur muss alles schön gestreckt sein, die perfekte Figur zählt
Doris Schmid mit ihrem Ravel im Stall in Suhr
Bloss nicht hängenbleiben, lautet die Devise
Beim Marathon geht es nicht nur zwischen Hindernissen hindurch, sondern auch drüber
Die drei Goldmedaillen der Schweizer Meisterschaften, die Schmid mit Ravel gewonnen hat

Mit Schuss in die Kurve

Fahrer aus 16 Nationen

Doris Schmid hat die letzten Wochen und Monate hart mit Ravel trainiert. In drei Disziplinen treten die beiden vom 31. Oktober bis 3. November im französischen Pau in der Kategorie Einspänner gegen Fahrer aus 16 Nationen an. Die Disziplinen sind Hindernisfahren, Marathon und Dressur.

Beim Hindernisfahren müssen Pony und Wagen möglichst rasch durch ein ausgestecktes Labyrinth zirkeln, eine auswendig gelernte Strecke abfahren, und das alles, ohne irgendwo hängen zu bleiben.

Beim Marathon über knapp 15 Kilometer geht es noch etwas wilder zu und her, rauf und runter, mal mit Wassergraben und immer mit Hindernissen. Da kommt es auf jede Sekunde an, pro verlorene Sekunde gibt es 0,2 Strafpunkte.

Unterstützt wird Doris Schmid von ihrem Mann Daniel. «Er ist der Stabilisator auf der Rückbank, für den Fall, dass es etwas zu eng in die Kurve geht», sagt Doris Schmid und lacht. Gesitteter zu und her geht es bei der Dressur, es zählen – bei Mensch und Tier – gestreckte Beine und Rücken, die perfekte Figur.

Pferd und Wagen geerbt

Aufgeregt ist Doris Schmid vor dem grossen Turnier nicht. Nicht mehr. Sie ist bereits dreifache Schweizer Meisterin und letztes Jahr Vizeweltmeisterin in der Disziplin Hindernisfahren geworden. Mit dem Fahren begann sie im Jahr 2000, aus traurigem Anlass. Ihr Vater wollte fahren und kaufte sich Pferd und Wagen. Dann starb er und hinterliess seiner Tochter Tier und Kutsche. «Da blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder verkaufen oder brauchen. Also begann ich zu fahren», sagt Doris Schmid.

Nach den ersten Turnieren hat es ihr den Ärmel reingenommen, ihrem Mann auch, und so wurde das Fahren zum Familiensport. In der Stube hängen die Wände voller Edelmetall, auf der Wohnwand stehen allerlei Pokale. Lohn harter Arbeit. Arbeit an der Präzision, Arbeit an der Muskelkraft, Arbeit beim Auswendiglernen der Parcours, Arbeit am Vertrauen des Pferdes. «Ravel und ich müssen eine Einheit sein, er muss mir blind vertrauen», sagt Doris Schmid. Und Ravel sei kein Einfacher. Er denke manchmal zu viel, scheue dann plötzlich oder suche sich den Weg einfach selber. Doris Schmid lacht und sagt: «Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist manchmal schmal.»