Aarau Rohr
Die Interessensgemeinschaft Hinterfeld bleibt misstrauisch

Die Arealentwicklung wurde am Infoabend kontrovers diskutiert

Nadja Rohner
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Das Hinterfeld ist 4,5 Hektaren gross. Hier sind 240 bis 275 Wohnungen für rund 500 zusätzliche Einwohner geplant. Ueli Wild

Das Hinterfeld ist 4,5 Hektaren gross. Hier sind 240 bis 275 Wohnungen für rund 500 zusätzliche Einwohner geplant. Ueli Wild

Ueli Wild

Eine Auszonung des Rohrer Hinterfelds – der letzten grossen Baulandreserve Aaraus – kommt nicht infrage. Das stellten Stadtrat Lukas Pfisterer und die Stadtentwickler am Dienstagabend erneut klar. Sie hatten ins Stäpflischulhaus geladen, um der Bevölkerung des Stadtteils Rohr einen «Werkstattbericht» zur Nutzungsplanungs-Revision zu geben. Aber auch, um über die Vernehmlassung zum Hinterfeld zu sprechen.

Die Stadtentwickler präsentierten die Rohr-spezifischen Anträge für die revidierte Bau- und Nutzungsplanung (BNO). In der Mitwirkung waren insgesamt rund 500 Anträge von 200 Personen eingegangen. Die Rohrer unter ihnen äusserten beispielsweise die Befürchtung, der Naturschutz-Status werde mit der neuen BNO angegriffen. Stadtentwickler Kurt Schneider beruhigte jedoch: «Der Schutz ist unbestritten.» Die angeregte höhere Ausnutzung entlang der Rohrer Hauptstrasse könnte schon mit der aktuellen Ausnützungsziffer realisiert werden. Und die geforderte Anpassung der Fischzuchtzone mit dem Ziel, einen öffentlich zugänglichen Fischpark – wie beim Blausee im Berner Oberland – zu machen, sei aufgrund der Lage kaum umzusetzen.

Erhält IG zu wenig Gewicht?

Für Diskussionen sorgte – wenig überraschend – die Entwicklung Hinterfeld. Ein Mitglied der IG Hinterfeld zeigte sich wenig begeistert über die Kommunikation der Stadt zur Vernehmlassung. Darin hatten sich 42 Privatpersonen (mehrheitlich Rohrer), vier Parteien und die IG geäussert. Die Entwicklungsvorschläge seien «von einer Mehrheit positiv beurteilt worden», schrieb der Stadtrat im Vernehmlassungsbericht im Dezember, und ähnlich klang es auch an der Infoveranstaltung. «Die IG besteht aber aus rund 30 Personen», sagte der Votant, «dass diese zu nur einer Stimme zusammengefasst werden, finde ich nicht sauber.» Es gehe um das Bild, das der Rest der Stadt von der Situation erhalte: Wenn dereinst über das Hinterfeld abgestimmt werde, solle klar sein, dass die Vorbehalte der Rohrer gross seien.

Allgemein scheint das Verhältnis zwischen Stadt und der IG Hinterfeld ambivalent: Die IG wurde zwar in das neu gegründete Resonanzgremium mit eingebunden, zusammen mit Vertretern des Stadtteilvereins und des Einwohnerrats. In der Diskussion gab es für diese Partizipationsmöglichkeit viel Lob. Dennoch drückte immer wieder ein gewisses Misstrauen gegenüber den Entwicklungsplänen Hinterfeld durch.

«Ich habe kein Vertrauen in die Umsetzung», sagte ein Anwohner. «Das Unternehmen, das am Schluss die Überbauung ausführt, will sicher Gewinnmaximierung und achtet nicht aus Rücksicht auf die Einwohner auf schöne Zonenübergänge.» Diese könne man in einer Sondernutzungsvorschrift festlegen, antwortete Stadtrat Pfisterer. «Ausserdem gehört das Areal grösstenteils der Stadt und damit den Einwohnern. Es ist möglich, dass die Stadt das Land selber bebaut.»

Die Aussage der Stadtentwickler, in der neuen Überbauung Hinterfeld sei nebst der Wohnnutzung durchaus auch Kleingewerbe denkbar, führte zu Fragen. Was für Gewerbe das denn sei, fragte ein Diskussionsteilnehmer. «Nur stilles Gewerbe, das mit dem Wohnen vereinbar ist – also etwa ein Coiffeursalon oder ein Architekturbüro», lautete die Antwort von Seiten der Stadt. Über die Lärmschutzvorschriften habe man das im Griff, inklusive Verkehrsaufkommen.

Der unüberbaute Teil des Hinterfelds soll der Bauzone WO3 zugewiesen werden. Noch unklar und unter den Rohrern umstritten ist, ob bereits überbautes Gebiet, heute WO2, mit der neuen BNO ebenfalls in WO3 überführt wird, was dichteres Bauen ermöglichen würde. Zwingend sei dies nicht, sagte Stadtentwickler Schneider. Man sei aber von Seiten des Kantons angehalten, Verdichtungsmöglichkeiten zu nutzen. «Ausserdem hat es Vorteile für Rohr, orientieren sich doch an der Dichte eines Quartiers auch Busfahrpläne und Schulstandorte.»

Weitere Planung blockiert

In Sachen Hinterfeld soll nun ein Richtprojekt ausgearbeitet werden. Dabei werden Fragen wie die Energieversorgung der künftigen Überbauung geklärt, das Erschliessungskonzept ausgearbeitet, die Schulraumplanung mit einbezogen. «Viele dieser Richtprojekt-Themen führen zu politischen Entscheidungen», sagte Lukas Pfisterer. Dann haben die Einwohner – respektive der Einwohnerrat – wieder das Sagen. Vorerst liegt die Planung aber auf Eis: Der Einwohnerrat hatte einen Projektkredit von 50 000 Franken aus dem Budget 2016 gekippt. «Vor 2019 passiert im Felde sowieso nichts», sagte Pfisterer. Dann wird das Hinterfeld Schauplatz des Eidgenössischen Turnfests.