Chronologie der Ereignisse

Der Weg zum Stadion: Hoffen und Bangen des FC Aarau – auf dem Platz und im Gerichtssaal

Das Bundesgericht macht mit seinem am Freitag publizierten Entscheid den Weg frei für das Stadion «Torfeld Süd» des FC Aarau. Vorausgegangen ist ein jahrzehntelanges Hoffen und Bangen. Die Chronologie der Ereignisse.

Die letzte Beschwerde für das Stadion Aarau ist vom Tisch, das Bundesgericht hat sie abgelehnt und damit juristisch den Weg freigemacht für eine neue Heimstätte des FC Aarau. FCA-Präsident Alfred Schmid ist erfreut: «Damit können wir im Verein neues Feuer entfachen.»

«Wahnsinnig, wenn man da zurückschaut»: FCA-Präsident Alfred Schmid ist «sehr erleichtert»

«Wahnsinnig, wenn man da zurückschaut»: FCA-Präsident Alfred Schmid ist «sehr erleichtert»

Bis zum jüngsten Entscheid gab es eine fast unübersichtliche Reihe von Beschwerden und Urteilen des Aargauer Verwaltungsgerichts sowie des Bundesgerichts und ein paar Volksabstimmungen.

1985

Nach vier Jahren in der damaligen Nationalliga A (heute Super League) wird Aarau Cupsieger. Mit 13'000 Zuschauern im Stadion Brügglifeld wird klar: für eine Zukunft in der Nati A ist das Stadion zu klein.

1990

Das Verwaltungsgericht lehnt eine Überdachung der Stehplätze im Brügglifeld ab. Später sagt die Stadt Nein zu Ideen für ein Fussballstadion neben der Schiessanlage im Schachen.

1993

Der FC Aarau wird nach 1912 und 1914 zum dritten Mal in seiner Klubgeschichte Schweizer Meister. Nach 1993 folgen fünf Jahre europäische Wettbewerbe.

1994

Der Architekt und frühere FC-Aarau-Präsident Ernst Lämmli sowie Bauingenieur und Landbesitzer Peter Zubler wollen in Schafisheim ein Stadion in der Kiesgrube bauen. Für 30 Millionen Franken und 15'000 Zuschauer, inklusive Casino.

2001

Das weit fortgeschrittene Projekt scheitert an der Finanzierung, weil das Land mit der Kiesgrube weder in eine Zone für öffentliche Bauten noch in eine Gewerbezone umgewandelt werden kann.

2000

Gestaltungsplan «Mittellandpark» mit Stadion «Mittellandarena», Shopping und Büros wird erarbeitet.

Nicht wenige halten das alte Stadion Brügglifeld für das schönste in der Schweiz:

2002

Das Stadion mit 15'000 gedeckten Sitzplätzen soll 70 Millionen Franken kosten. Man rechnet mit einer Inbetriebnahme frühestens 2006.

2003

Der Aarauer Einwohnerrat spricht einen Planungskredit von 900'000 Franken.

2005

Die Aarauerinnen und Aarauer lehnen den städtischen Beitrag von 25 Millionen Franken ans Stadion an der Urne ab. In der Folge prüft die Stadt eine Sanierung des Brügglifelds. Suhr aber will das Brügglifeld zum Wohnen umzonen.

2006

Die Stadt evaluiert zwei Standorte auf Buchser Gemeindegebiet.

2007

Der Aarauer Einwohnerrat hält am Standort Torfeld Süd in der Nähe des Bahnhofs fest und beschliesst eine polysportive Mantelnutzung. Das Volk bewilligt im Oktober 2007 den Planungskredit.

2008

Die Aarauer sagen Ja zum Stadium mit einer Mantelnutzung.

2009

Auflage Gestaltungsplan «Torfeld Süd» mit Wohnen, Stadion und Shopping. Der Einwohnerrat bewilligt die Spezialzone. Gleichzeitig legen Anwohner im Gönhardquartier wegen befürchteten Mehrverkehrs beim Stadtrat Rekurs ein, dieser wird abgelehnt. Die Anwohner ziehen ihn weiter. Das Baugesuch ist sistiert.

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

2010

Sie galten als "die Unabsteigbaren". Doch 2010 ist dieser Nimbus dahin. Der FC Aarau steigt in die Challange League ab.

2011

Der Aargauer Regierungsrat weist im Mai 2011 sämtliche Beschwerden ab und genehmigt den Gestaltungsplan. Im September beantragt der Stadtrat von Aarau nach Prüfung des Kosten-/Nutzenverhältnisses einen Verzicht der Mantelnutzung. Darauf kippt der Einwohnerrat im November die Mantelnutzung des Stadiums aus dem Bauprogramm.

2012

Das Verwaltungsgericht spricht den Anwohnern das Beschwerderecht ab. Weiter gehts ans Bundesgericht aber ohne aufschiebende Wirkung. Der Gestaltungsplan wird überarbeitet. Kosten: 40 Millionen, 10'000 Stehplätze. 

Die HRS Real Estate, Bauherrin des Stadions, reicht beim Stadtrat Aarau ein Baugesuch für einen Neubau eines Fussballstadion mit Mantelnutzung (Dienstleistungs-, Büro- und Verkaufsflächen) ein. Öffentliche Auflage des Projekts dann im Dezember. Es ist der dritte Anlauf.

2013

Der FC Aarau steigt in die Super League auf.

Vier Einsprachen zum Stadionprojekt sind hängig. Im Sommer erteilt der Aarauer Stadtrat die Baubewilligung für ein neues Stadion Torfeld Süd.

2014

Der Aarauer Stadtrat berichtigt die Baubewilligung für das Stadion in Bezug auf drei Auflagen.

2015

Der FC Aarau steigt erneut in die Challenge League ab.

Der Regierungsrat weist eine Beschwerde des prominentesten Stadiongegners und Projekt-Anwohners ab. Dieser erhebt Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht und scheitert. Daraufhin gelangt er ans Bundesgericht. 

2016

Das Bundesgericht publiziert am 3. Juni den jüngsten Entscheid. Es weist die Beschwerde des Stadiongegners gegen die Baubewilligung ab und bestätigt damit den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau.

  • Das Bundesgericht kommt in seinem Urteil zum Schluss, dass die Grenzwerte für Lärm- und Luftimmissionen durch das Stadionprojekt nicht überschritten werden.
  • Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen,
  • Die Gerichtskosten von 1500.- werden dem Stadiongegner auferlegt,
  • der Stadiongegner muss der Gegenpartei 3000 Franken Prozess-Entschädigung bezahlen.

Damit ist juristisch der Weg frei für das Stadion Torfeld Süd. Die erteilte Baubewilligung ist nach dem Urteil für zwei Jahre gültig. 

«Ob es mehr kostet und wer diese Kosten tragen wird, ist noch völlig offen»: Stadtrat Lukas Pfisterer nach dem Bundesgerichts-Urteil zum Aarauer Stadion.

«Ob es mehr kostet und wer diese Kosten tragen wird, ist noch völlig offen»: Stadtrat Lukas Pfisterer nach dem Bundesgerichts-Urteil zum Aarauer Stadion.

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