1985: Cupsieg und Erkenntnis

Der FC Aarau feiert 1985 seinen bisher einzigen Cupsieg. Vier Jahre spielt der FCA schon in der Nationalliga A. Es wird klar: Für die höchste Spielklasse ist das Brügglifeld zu klein.

Die Aarauer gewinnen am 27. Mai 1985 den Cupfinal gegen Neuchatel Xamax mit 1:0. Trainer Hitzfeld hält den Pokal.

Die Aarauer gewinnen am 27. Mai 1985 den Cupfinal gegen Neuchatel Xamax mit 1:0. Trainer Hitzfeld hält den Pokal.

1994: Erstes Projekt

Sie nennen es "Vision 2002": Architekt und Ex-Fc-Aarau-Präsident Ernst Lämmli sowie Bauingenieur und Landbesitzer Peter Zubler wollen in Schafisheim ein Stadion in der Kiesgrube bauen. Für 30 Millionen Franken und 20'000 Zuschauer, inklusive Casino.

Halb in den Boden eingelassen, halb darüber: Modell des einst geplanten Stadions in Schafisheim.

Halb in den Boden eingelassen, halb darüber: Modell des einst geplanten Stadions in Schafisheim.

2000: Mittellandarena

Der Gestaltungsplan Mittellandpark wird erarbeitet. Er umfasst das Stadion «Mittellandarena», ein grosses Shopping-Center und Büros. 2006 soll im 70-Millionen-Franken-Stadion im Torfeld Süd gekickt werden.

Erste Visualisierung der Mittellandarena.

Erste Visualisierung der Mittellandarena.

2001: "Vision 2002" am Ende

Das weit fortgeschrittene Projekt scheitert an der Finanzierung, Zonenvorschriften und dem Widerstand "von ein paar wenigen im Verein", wie Lämmli in einem Interview sagt.

2003: Mittellandpark nimmt erste Hürde

Der Aarauer Einwohnerrat heisst einen Kredit von 900'000 Franken für die Planung des Mittellandparkes deutlich gut.

2005: Niederlage an der Urne

Das Aarauer Stimmvolk lehnt das 25-Millionen-Darlehen der Stadt für den Mittellandpark ab. Eine Umfrage ergibt, dass sich die Ablehnung primär gegen das Einkaufszentrum richtet. Wenig später geben die Initianten auf.

2006: Standort Buchs

Neben der Sanierung des Brügglifelds und dem Torfeld Süd (Mittellandpark) kommen zwei neue Varianten aufs Tapet. Beide sehen Standorte in Buchs vor: Lostorf und die Obermatte.

2007: Torfeld Süd setzt sich durch

Der Aarauer Einwohnerrat genehmigt im Juni einen Kredit von 1,6 Millionen Franken für ein Stadion mit Mantelnutzung im Torfeld Süd. Die Einkaufsfläche ist gegenüber dem Mittellandpark halbiert. Ebenfalls zur Diskussion steht die Buchser Obermatte. Sie findet lediglich bei einer linken Minderheit Anklang. Das Stimmvolk segnet den Kredit im Herbst ab.

2008: Volk sagt Ja

Der Souverän der Stadt Aarau stimmt deutlich für einen Betrag von 17 Millionen Franken für ein neues FCA-Stadion im Torfeld Süd. Bauherrin ist die private HRS AG. Vorbild für das Stadion soll die Neuenburger "Maladière" sein (Bild). Insgesamt kostet das Stadion 36 Millionen Franken.

Die Maladière in Neuenburg.

Die Maladière in Neuenburg.

2009: Einsprachen

Gegen Gestaltungsplan und Stadion-Baugesuch gehen 41 Einsprachen ein.

13.5.2010: Abstieg

Schock für den FC Aarau: Der "unabsteigbare" Klub muss nach einem 1:4 gegen GC und dem gleichzeitigen Sieg von Bellinzona den Gang in die Challenge League antreten.

David Marazzi wird von seinen Emotionen überwältigt.

David Marazzi wird von seinen Emotionen überwältigt.

13.6.2010: Erneuter Abstimmungserfolg

Die Nutzungsplanung "Torfeld Süd" schafft auch die letzte politische Hürde. In einer Referendumsabstimmung heisst das Volk die Spezialzone mit einer Ja-Mehrheit von 69,5 Prozent gut. Das Stadion könnte jetzt eigentlich gebaut werden. Wenn da nicht die Einsprachen wären.

23.2.2011: Kein Asyl für GC

Mitten in die Stadionplanung platzt die Meldung, dass die Grasshoppers mit einem Umzug nach Aarau liebäugeln. Die Miete im Letzigrund ist GC zu hoch. Der FCA ersucht den Stadtrat, den Zürchern Asyl zu gewähren – wegen Synergien im geplanten Stadion. Der Stadrat lehnt das Begehren ab. Grund: Die Zusatzbelastung wäre für das Volk nicht zumutbar.

Aarau's Michele Polverino, links, fällt nach im Zweikampf mit GC's Rolf Feltscher im Brügglifeld.

Aarau's Michele Polverino, links, fällt nach im Zweikampf mit GC's Rolf Feltscher im Brügglifeld.

11.5.2011: Einsprachen abgelehnt

Jetzt ist der Aargauer Regierungsrat an der Reihe: Die Kantonsregierung weist die verbliebenen Beschwerden vom Sommer 2009 ab und genehmigt sowohl die Spezialzone Torfeld Süd als auch den Gestaltungsplan. Mehrere Bewohner des Aarauer Gönhard-Quartiers ziehen ihre Beschwerde ans kantonale Verwaltungsgericht weiter.

9.12.2011: HRS muss Projekt erneuern

Nach dem Entscheid des Einwohnerrates vom 14. November 2011, auf die Realisierung von polysportiven Mantelnutzungen im Stadionkomplex zu verzichten (zu teuer), muss die HRS das Projekt überarbeiten. Das Baugesuch muss ein zweites Mal aufgelegt werden. Die Grundeigentümerin Mobimo rechnet mit der Inbetriebnahme des Stadions im Jahr 2015.

2012: Stadionprojekt komplett überarbeitet

Weil gegen das erste Baugesuch viele Einsprachen eingingen, präsentiert die HRS ein völlig überarbeitetes Projekt (Bild). Es ist der dritte Anlauf für ein Stadion im Torfeld Süd. Gegen das neue Projekt gehen vier Einsprachen ein. Drei werden später nach langen Verhandlungen zurückgezogen.

2013: Aufstieg

Erfolg auf dem Rasen: Der FC Aarau steigt nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Super League auf.

2014: Durchbruch und neue Sorgen

Der Stadtrat erteilt die lang ersehnte Baubewilligung für das Stadion. Seit der Volksabstimmung sind sechs Jahre vergangen. Doch neues Ungemach folgt sogleich: Der letzte verbliebene Einsprecher reicht Beschwerde gegen die Baubewilligung ein. Er wird als Stadionverhinderer landesweit bekannt, weil der "Blick" seine Identität teilweise aufdeckt. Er findet das geplante Einkaufszentrum zu gross.

2015: Beschwerde-Marathon

2015 ist das Jahr der Justiz im Fall Torfeld Süd: Der Aargauer Regierungsrat weist die Beschwerde des Anwohners am 21. Januar ab. Er zieht vor Verwaltungsgericht, unterliegt und gelangt ans Bundesgericht. Die Bundesrichter entscheiden vorerst, dass das laufende Verfahren keine aufschiebende Wirkung hat. Trotzdem warten Stadt und die Bauherrin HRS mit dem Baubeginn zu. Auch mit einem Ausstandsbegehren scheitert der Anwohner vor Verwaltungs- und Bundesgericht.

29.5.2015: Abstieg

Der FC Aarau steigt in die Challenge League ab. Mit einem 3:2-Sieg gegen den FC Thun verabschiedet sich der Klub in die Zweitklassigkeit, wo er bis heute steckt.

Sandro Burki (links) und Kollegen applaudieren zum letzten Mal in der Super League.

Sandro Burki (links) und Kollegen applaudieren zum letzten Mal in der Super League.

2016: Machtwort

Das Bundesgericht weist die Stadionbeschwerde ab. "Endlich: Das Stadion kann gebaut werden", titelt die Aargauer Zeitung. Heute wissen wir: Es ging noch immer nichts.

1.5.2017: Plan B

Wegen den Einsprachen, strengeren Auflagen der Liga und neuen Gesetzen kostet das Stadion nun 20 Millionen Franken mehr. Die HRS präsentiert darum den Plan B: kein Einkaufszentrum, dafür Hochhäuser für Wohnungen, Gewerbe und kleine Läden im Erdgeschoss.

HRS-CEO Martin Kull (r.) präsentiert das neue Projekt. Im Vordergrund (v.l.) Beat Blattner (Stadion Aarau AG), Stadtrat Lukas Pfisterer und HRS-Sprecher Sven Bradke.

HRS-CEO Martin Kull (r.) präsentiert das neue Projekt. Im Vordergrund (v.l.) Beat Blattner (Stadion Aarau AG), Stadtrat Lukas Pfisterer und HRS-Sprecher Sven Bradke.

15.11.2017: Stadion-Retter?

Erster Auftritt von "meinstadion.ch": Die Initianten um den früheren FCA-Präsidenten Michael Hunziker (Bild Mitte) halten nichts vom Plan B. Sie wollen, dass der ursprüngliche Plan umgesetzt wird, damit die am 18. Mai 2018 ablaufende Baubewilligung nicht verfällt. Um das fehlende Geld aufzutreiben, haben sie unter anderem ein Crowdfunding lanciert. Vier Millionen Franken sollen so zusammenkommen.

26.2.2018: Millionenstrafe gefordert

"meinstadion.ch" fordert eine Konventionalstrafe von mindestens 5 Millionen Franken für die HRS, sollte diese ihrer Pflicht, dem Stadionbau, nicht nachkommen. HRS hat ein bewilligtes Stadion-Projekt, will aber statt eines Einkaufszentrums Hochhäuser bauen.

6.3.2018: Absichtserklärung

Der Stadtrat will, dass bis am 20. März alle Akteure (HRS, FCA, "meinstadion.ch") eine Absichtserklärung unterzeichnen. Die HRS muss sich verpflichten, die Planungskosten für die Hochhäuser zu übernehmen und eine Konventionalstrafe zu bezahlen, falls sie trotz vorliegender Baubewilligung für die Hochhäuser nicht mit dem Stadionbau beginnt. Die HRS sagt: Kommt nicht infrage.

Am selben Tag: Plan C

HRS und "meinstadion.ch" skizzieren einen Plan C. In einer Mitteilung heisst es: "Eine Zwischenfinanzierung soll es ermöglichen, den Stadionbau vom Vorliegen von rechtskräftigen Baubewilligungen von Hochhäusern zu entkoppeln." Damit könnte mit dem Stadionbau begonnen werden, auch wenn für die Hochhäuser keine Baubewilligung vorliegt. Plan C würde rund 40 Millionen Franken kosten.

Michael Hunziker und die HRS prüfen Plan C.

Michael Hunziker und die HRS prüfen Plan C.

21.3.2018: Gemeinsam für Plan B

Stadt, Bauherrin HRS, FCA und "meinstadion.ch" geben an einer gemeinsamen Medienkonferenz das Versprechen ab: Wir ziehen jetzt alle am gleichen Strick, am Strick Plan B (Stadion mit Hochhäusern). Darum braucht es eine erneute Abstimmung über die BNO-Revision (Bau- und Nutzungsordnung). Ein Ja ist die Voraussetzung für das neue Stadion. Die Bauherrin HRS unterstützt den FCA ausserdem in den nächsten fünf Jahren mit einer Million Franken, zusätzlich zu den bisher jährlich 70'000 Franken.

Wie weiter?

Die Referendumsabstimmung über die BNO-Revision findet voraussichtlich Ende 2018/Anfang 2019 statt. Sie zu gewinnen, wird anspruchsvoll. Es droht von zwei Seiten Opposition: von den Stadion-Gegnern und von Hochhaus-Gegnern.

"meinstadion.ch" hat bisher etwas mehr als 1,5 Millionen Franken gesammelt.

Das Stadion geht frühestens in der Saison 2022/2023 in Betrieb.