Buchs
Besorgte Eltern in Aufruhr wegen angeblich gefährlichen Mannes – Polizei warnt vor Hysterie

In Buchs geistert das Foto eines Mannes herum, der Kinder verfolgen soll. Die Polizei warnt vor einer Hysterie und hält fest, es sei «sehr heikel», Fotos von vermeintlichen Verdächtigen zu veröffentlichen.

Nadja Rohner
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Beim Schulhaus Risiacher wurde ein Mann gesehen, der sich verdächtig verhalten haben soll.

Beim Schulhaus Risiacher wurde ein Mann gesehen, der sich verdächtig verhalten haben soll.

Valentin Hehli

In Buchs erschreckte letzte Woche ein Elternbrief die Bevölkerung. Darin schrieb die Leiterin der Schule Risiacher, es sei ein Mann aufgefallen, der über längere Zeit Kinder beim Spielen beobachtet habe. Als ihn jemand angesprochen und gefragt habe, was er da mache, sei der Mann kommentarlos weggegangen.

Seither herrscht Aufruhr. Inzwischen schicken sich Eltern gegenseitig via Whatsapp und soziale Medien das Bild eines Mannes zu, offenbar mit Zoom aus grösserer Entfernung aufgenommen, ohne dass der Abgebildete dies bemerkte. «Achtung», heisst es da über dem Bild, das mit vielen «SOS» versehen ist. Der abgebildete Mann würde in Aarau, Buchs und Rohr «herumlaufen». Er sei «etwa 30» und «verfolgt Kinder nach Hause».

In der Facebook-Gruppe «Du besch vo Buchs wenn» wird besonders eifrig diskutiert. «Warum wird der denn nicht geschnappt?», fragt eine Userin. Es kursieren viele Behauptungen und Vermutungen über den geistigen Zustand des Mannes und zu dessen Wohnort zum Beispiel. Auch die Jugendarbeit Suhr Buchs Gränichen kommentiert auf ihrem offiziellen Facebook-Account: «Falls der Mann gesehen wird, bitte bei der Jugendarbeit Buchs melden per Telefon oder direkt vorbeikommen. Gerne bin ich dann unterwegs mit den Jugendlichen/Kindern und schaue, wie sich der Mann verhält. Es kann nicht sein, dass Jugendliche Angst haben müssen, nach Hause zu gehen nach Besuch im Jugendtreff! Und heute wurde diese Angst im Jugendtreff geäussert!»

Mehrfach wird in der Facebook-Gruppe gefragt: Ist die Polizei informiert? Die AZ hat bei Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser nachgefragt. Dieser erklärt: «Hintergrund für die Aufregung in Buchs bildet die Meldung einer Frau, die wir am Donnerstag, 28. Oktober, erhalten hatten. Wie sie sagte, sei ihre neunjährige Tochter am Vortag weinend nach Hause gekommen. Sie habe erzählt, dass ein Mann sie beobachtet und so in Angst versetzt hätte.» Später habe sich die Schulleiterin bei der Polizei gemeldet und gleichentags das besagte Rundschreiben aufgesetzt, um Eltern und Kinder zu sensibilisieren. Graser betont jedoch: «Fakt ist, dass es bei dieser einzelnen Meldung geblieben ist. Auch wissen wir nicht, wie die Beobachtungen des Kindes einzuordnen sind. Stand heute gehen wir davon aus, dass das Mädchen eine plausible Situation falsch einschätzte.»

Die Kantonspolizei nehme solche Meldungen stets ernst und versuche, die Hintergründe zu klären. «Allerdings ist dies nur in seltenen Fällen eindeutig möglich. Wir haben nichts dagegen, wenn Schulen solche Elternbriefe verbreiten, raten aber dazu, dies stets in Absprache mit der Polizei zu tun.» Weiter sagt Kapo-Sprecher Graser:

«Ungünstig und kontraproduktiv ist es, wenn Eltern eigenmächtig Warnmeldungen auf sozialen Medien veröffentlichen. Diese verbreiten sich unkontrolliert und führen nicht selten zu einer Hysterie, welche oft eine ganze Region befällt.»

Mit der steigenden Verunsicherung mehren sich laut Bernhard Graser erfahrungsgemäss die Meldungen über verdächtige Beobachtungen. «Zur allgemeinen Aufregung kommt hinzu, dass unbescholtene Bürger unter falschen Verdacht geraten können», gibt er zu bedenken.

Dass aktuell ein Foto eines Mannes im Zusammenhang mit den Beobachtungen in Buchs kursiere, bezeichnet Graser als «sehr heikel». «Anstelle von solchem Aktivismus raten wir Eltern, den Kindern unaufgeregt die allgemeinen Regeln im Umgang mit fremden Personen in Erinnerung zu rufen.» Tatsache sei dabei, dass in den Köpfen vieler Leute das Bild vom «bösen Mann» herumgeistere, der versuche, Kinder mit Süssigkeiten ins Auto zu locken. Dieses entspreche aber nicht der Realität. «Traurige Tatsache ist hingegen, dass Übergriffe mehrheitlich durch Personen aus dem Umfeld des Kindes geschehen. Durch Personen also, die das Vertrauen des Kindes schamlos ausnützen.»

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