Aarau
Baustelle der Berufsschule dient auch als Schulzimmer

Die Berufsschule Aarau, die 3200 Lehrlinge unterrichtet, sprengt ihre räumlichen Fesseln: Auf der Ostseite des bestehenden Gebäudes entsteht für 16 Millionen ein Annexbau.

Hubert Keller
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Ein Bauherr, der vorbildlich sein will: Rektor Ueli Meyer auf der Baustelle, er freut sich auf das Rohbaufest im Oktober. Emanuel Freudiger

Ein Bauherr, der vorbildlich sein will: Rektor Ueli Meyer auf der Baustelle, er freut sich auf das Rohbaufest im Oktober. Emanuel Freudiger

Wenn die angehenden Hochbau- und Tiefbauzeichner die Berufsschule in Aarau (BSA) besuchen, bleibt es nicht bei der trockenen Theorie, praktischen Anschauungsunterricht geniessen sie auf der Baustelle in unmittelbarer Nachbarschaft, wo in einem Annexbau eine neue Mensa samt Küche entsteht, quasi die künftige Baustelle der angehenden Köche, Bäcker, Konditoren und Confiseure. Übrigens, die Hochbauzeichner, korrigiert Rektor Ueli Meyer auf der Baustelle, würden sich heute Zeichner Fachrichtung Architektur nennen und ihre Kollegen vom Tiefbau Zeichner Fachrichtung Ingenieur.

Täglich in den Unterricht eingebaut

Die Baustelle werde tatsächlich in den Unterricht eingebaut, erklärt Meyer. «Weil der Neubau künftigen Baufachleuten dient, nehmen wir ganz bewusst unsere Vorbildfunktion wahr.» Das heisst: Das neue Schulgebäude wird nach den anspruchsvollen Regeln von Minergie-Eco gebaut und erfüllt nebst der Anforderung einer guten Energieeffizienz auch solche einer gesunden und ökologischen Bauweise. Der Neubau der Berufsschule ist der siebte Bau nach diesem Standard, entsprechend gering sind noch die Erfahrungen mit dieser Bauweise.

Ueli Meyer: «Als erstmals Beton gegossen wurde, band dieser zu schnell ab und bildete Risse. Er musste wieder weggeführt werden.» Der Beton wird zu 100 Prozent aus rezykliertem Material hergestellt, für die Ingenieure und Architekten zum Grossteil noch unbekanntes Terrain.

Seit einem Jahr wird die Berufsschule Aarau mittels Wärmepumpe geheizt, die Wärme wird aus dem Grundwasser gewonnen. Der Gasofen – vorher heizte man mit Gas und Öl – dient noch als Ersatz für Notfälle. «Pro Jahr lassen wir künftig 50 Tonnen weniger CO in die Luft, und die Heizkosten reduzieren sich um ganze 60000 Franken. Auch diesbezüglich wollen wir als Bauherrschaft den Schülerinnen und Schülern ein Vorbild sein.»

Schule stiess an räumliche Grenzen

Die Berufsschule in der vorderen Telli unterrichtet 3200 Jugendliche. In den letzten Jahren war die Schule um 800 Berufslernende gewachsen. Hinzu kamen die zusätzlichen Bedürfnisse der Berufsmatur mit rund 170 Vollzeit- und über 300 lernbegleitenden Studenten. Trotz früheren Erweiterungen stiess die Schule damit an räumliche Grenzen und ist vollkommen ausgelastet. Völlig ungenügend sind die Mensa im Parterre sowie die Mensaküche und die Einrichtungen für die angehenden Köche und die Lebensmittelberufe. Ueli Meyer: «Die Suppendüfte der Kochlehrlinge mischen sich mit den Lösungsmitteldämpfen der angehenden Maler.»

Der «untragbare Zustand» wird mit dem Neubau korrigiert. Der Annex schliesst auf der Ostseite direkt an das bestehende Hauptgebäude an. Rektor Meyer geht davon aus, dass der Neubau rechtzeitig auf Beginn des Schuljahres 2012/2013 bezogen werden kann. Meyer: «Wir sind zeitlich gut unterwegs.» Anschliessend nehmen sich die Handwerker des Nebengebäudes an, wo sich heute noch, wie erwähnt, die Koch- und Malerlehrlinge begegnen.

Die Erweiterung der BSA, welche die Handschrift der Aarauer Architekten Felber Widmer Kim trägt, kostet 16 Millionen Franken, die Renovation des Nebenbaus zirka 3,5 Millionen. Den Kredit sprach der Einwohnerrat im September 2010 im Wissen, dass damit der Haushalt der Stadt nicht belastet wird. Finanziert wird der Neubau durch die Schule selber, die trotz tiefer und laufend sinkender Wohnortsbeiträge die entsprechenden Rückstellungen geschafft hat.

Wohin die Berufsschulstrategie des Kantons dereinst führe, womöglich zu einer Konzentration der Schulstandorte, sei noch offen, erklärt Ueli Meyer. Mit dem Zukauf der beiden benachbarten Mehrfamilienhäuser am Girixweg wäre der Standort Aarau für alle Eventualitäten bestens gerüstet.