Bezirksgericht Aarau

Auf der Honda mit 168 km/h die Staffelegg hinauf – das kommt den Raser teuer zu stehen

Der Angeklagte war mehr als doppelt so schnell unterwegs, wie auf dem Abschnitt erlaubt ist. (Symbolbild)

Der Angeklagte war mehr als doppelt so schnell unterwegs, wie auf dem Abschnitt erlaubt ist. (Symbolbild)

Eine Busse von 4000 Franken und 16 Monate Gefängnis bedingt: Das hat sich ein 40-jähriger Bosnier auf einer Töfffahrt eingehandelt.

Der Sachverhalt war erstellt, der ertappte Schnellfahrer geständig. Dementsprechend hatten sich die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau und der rund 40-jährige Bosnier aus Bern auf einen Erledigungsvorschlag im abgekürzten Verfahren geeinigt. Für die Hauptverhandlung am vergangenen Mittwoch benötigte das Bezirksgericht Aarau – das Gesamtgericht unter dem Vorsitz von Gerichtspräsidentin Patricia Berger – denn auch bloss eine halbe Stunde.

Laut Anklageschrift unternahm der Beschuldigte am 14. Oktober 2018 mit ein paar Kollegen zusammen eine ganztägige Motorradtour. Die sonntägliche Herbstfahrt führte die Gruppe am frühen Nachmittag nach Küttigen. Von hier aus nahm man die Passstrecke über die Staffelegg in Angriff. Auf der bergwärts doppelspurigen Rampe zur Passhöhe hinauf beschleunigte der an der Spitze fahrende Beschuldigte seine Honda CBR 1000 für kurze Zeit auf 168 km/h (163 km/h nach Abzug der Toleranzmarge von 5 km/h). Damit war er mehr als doppelt so schnell unterwegs, wie auf dem Abschnitt erlaubt ist. Vor einer Linkskurve und dem 60er-Bereich auf der Passhöhe bremste er wieder ab.

Nur: Auf der 80er-Strecke war seine Spitzengeschwindigkeit gemessen worden. Strafbare 83 km/h zu schnell sei er die Rampe hochgebrettert, rechnete die Staatsanwaltschaft dem Bosnier vor. Damit habe er eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln begangen – vorsätzlich und willentlich. Dabei habe er das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern in Kauf genommen. Umgekehrt räumte die Staatsanwaltschaft ein, dass das Wetter gut und der Boden trocken war. Auf der Strecke habe es nur wenig Verkehr gehabt und die Verkehrsverhältnisse seien übersichtlich gewesen. Die bergwärts führende Doppelspur und die Gegenfahrbahn sind an jener Stelle durch eine Sicherheitslinie voneinander getrennt.

Vor dem Bezirksgericht bestätigte der Beschuldigte den Sachverhalt vollumfänglich. Und dass er mit dem Vorschlag einverstanden sei, der mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt wurde. Das Einverständnis beider Parteien bedeutet, dass beide nach der Eröffnung des Urteils auf Rechtsmittel verzichten. Der Honda-Fahrer, der seinen Ausweis für fünf Monate hatte abgeben müssen und ihn nach einem psychologischen Test zurückerhalten hat, räumte ein, er habe einen grossen Fehler gemach, den er bereue. Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, warum er so schnell gefahren sei, antwortete er achselzuckend: «Darauf habe ich keine richtige Antwort.»

Das Gericht stellte fest, dass die Voraussetzungen für das abgekürzte Verfahren gegeben seien, und bestätigte den Erledigungsvorschlag vollumfänglich. Es erkannte auf eine qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Im Sinne der Staatsanwaltschaft verurteilte es den Bosnier zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von 4000 Franken.

Im Zeitraffer – eine Fahrt über die Staffeleggstrasse in doppelter Geschwindigkeit:

Im Zeitraffer: eine Fahrt über die Staffeleggstrasse in doppelter Geschwindigkeit

Video vom Januar 2019.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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