Aarau/Gränichen
«Ein Stück Heimat»: Ukrainische Familie schenkt Stadtbibliothek 80 Kinderbücher

Inna Bilokurova und Kyryl Bilokurov stammen beide aus der Ukraine, leben aber seit 2014 in der Schweiz. Damit ukrainische Flüchtlingskinder Bücher lesen können, die sie verstehen, haben sie der Stadtbibliothek Aarau Kisten voller Kinderbücher in ukrainischer Sprache geschenkt.

Katja Schlegel
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Inna Bilokurova und Kyryl Bilokurov aus Gränichen haben der Stadtbibliothek Aarau 80 ukrainische Kinderbücher geschenkt.

Inna Bilokurova und Kyryl Bilokurov aus Gränichen haben der Stadtbibliothek Aarau 80 ukrainische Kinderbücher geschenkt.

Katja Schlegel

Mit zwei Kisten voller Bücher standen Inna Bilakurova und Kyryl Bilokurov vor ein paar Tagen am Schalter der Stadtbibliothek Aarau. 80 Kinderbücher, direkt aus der Ukraine geliefert, ein Geschenk an die Stadtbibliothek – ein Geschenk an all die Flüchtlingskinder, die nun in der Region leben. «Eine wunderbare Überraschung», freut sich Vanessa Brogli, Leiterin Bereich Kind und Jugend. Und eine, die bereits Anklang findet.

Inna Bilakurova und Kyryl Bilokurov stammen beide aus der Ukraine, aus Odessa. 2014 sind sie in die Schweiz gekommen, seit Anfang Februar wohnen sie mit ihren zwei Buben in Gränichen. Sie ist selbstständige Konditorin, er Informatiker – und alle zusammen seien sie Bücherwürmer, sagt Kyryl Bilokurov. «Wir lesen alle sehr viel. Ohne die Erzählungen und Geschichten aus aller Welt würde uns etwas fehlen.»

Bilokurovs bestellen seit Jahren Bücher in der Ukraine

Das Ehepaar erzieht seine Kinder zweisprachig. Weil es schwierig ist, in der Schweiz an ukrainische Kinderbücher zu kommen, bestellt Inna Bilokurova bereits seit Jahren direkt bei Verlagen in der Ukraine. «Als wir gesehen haben, was für Flüchtlinge alles gesammelt wird, haben uns die Kinderbücher gefehlt», sagt Kyryl Bilokurov. Und das, wo doch Bücher für Kinder so wichtig seien. «Bücher ermöglichen es ihnen, in andere Welten abzutauchen, Erlebtes zu vergessen. Und Bücher in ukrainischer Sprache sind ein kleines Stück Normalität, vielleicht gar ein Stück Heimat.»

Und so haben die beiden sich hingesetzt und bei ukrainischen Verlagen über 100 Kinderbücher bestellt. 80 sind nun in Aarau, die restlichen im eben eröffneten ukrainischen Kulturzentrum Prostir in Luzern. «Wir wollten die Bücher nicht einfach einzeln an die Familien verteilen, sondern allen Familien die gesamten 80 Bücher frei zugänglich machen», sagt Kyryl Bilokurov. Die nächste Bücherlieferung ist übrigens bereits aufgegleist; dafür stehen die beiden in Kontakt mit den Bibliotheken in Brugg und Baden.

Für die Stadtbibliothek ein absoluter Glücksfall

Für die Stadtbibliothek ist das Geschenk der Familie Bilokurov ein absoluter Glücksfall. «Es ist grossartig, dass wir nun auf einen Schlag 80 Bücher anbieten können», sagt Brogli. Fremdsprachige Bücher kauft die Stadtbibliothek nicht, sie bezieht sie von Bibliomedia, einem Verleihdienst für Bibliotheken. «Da ist die Nachfrage nach ukrainischen Büchern aktuell so gross, dass wir niemals 80 Bücher beziehen könnten», sagt Brogli.

Ukrainische Belletristik für Erwachsene bietet die Stadtbibliothek in digitaler Form an, ukrainische Zeitschriften können im Pressreader ausgeliehen werden. Ausserdem wurde bei den Sachbüchern eine Ecke mit Literatur zum Thema Ukraine eingerichtet. Ab Juni sollen zudem ukrainische Geschichtenstunden stattfinden. Für Kinder, aber auch für deren Eltern. «Wir möchten, dass sich die Eltern untereinander kennen lernen und austauschen können», so Brogli. «Ukrainische Bibliotheksbesucherinnen und -besucher dürfen sich bei uns am Empfang melden, wir geben gerne Auskunft.»