Aarau/Buchs
Kreisschulrat beschliesst: Menstruationsprodukte gibt es künftig gratis

Eine Motion von Andrea Dörig (SP) wurde vom Schulparlament gutgeheissen. Alle Schulstandorte der Kreisschule Aarau-Buchs sollen gratis Menstruationsprodukte abgeben.

Nadja Rohner
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An der Kreisschule Aarau-Buchs gibt's künftig Menstruationsprodukte gratis.

An der Kreisschule Aarau-Buchs gibt's künftig Menstruationsprodukte gratis.

Lucy Lambriex / Digital Vision

Beim Regierungsrat war die SP-Grossratsfraktion mit ihrem Postulat für kostenlose Binden und Tampons in allen öffentlichen Einrichtungen im Kanton (analog zu WC-Papier) noch abgeblitzt. Dieser sieht keine Notwendigkeit dafür und betrachtet die Menstruation als «Privatangelegenheit der Frau». Der Regierungsrat schrieb in seiner Stellungnahme aber auch, dass die finanzielle Belastung, obschon für die allermeisten Schülerinnen respektive deren Eltern tragbar, für einige doch «spürbar» sei. Ob der Grosse Rat das Postulat von Lelia Hunziker gegen den Willen des Regierungsrats überweist, steht noch nicht fest.

Seit Donnerstagabend ist indes klar: In Aarau und Buchs geht man das Thema progressiver an. Denn «Monatshygieneprodukte» waren Thema einer Motion von Kreisschulrätin Andrea Dörig (SP, Aarau).

Andrea Dörig, Einwohnerrätin und Kreisschulrätin, SP Aarau.

Andrea Dörig, Einwohnerrätin und Kreisschulrätin, SP Aarau.

AAR

«Die Produkte der Monatshygiene sind Güter des Grundbedarfs und sollen daher für die heranwachsenden Frauen in der Schule kostenlos zur Verfügung gestellt werden», so Dörig. «Durch das Bereitstellen von Hygieneartikeln kann den Schülerinnen, die ihre Periode während der Schulzeit haben, ein Gefühl der Sicherheit und Normalität vermittelt werden. Unangenehme Situationen für Schülerinnen und kurzfristige Absenzen können damit vermieden werden.»

Die Kreisschulpflege zeigt sich in ihrer Stellungnahme zur Motion richtiggehend begeistert: «Die Stossrichtung der Motion wird sehr begrüsst», schreibt sie. «Die Kreisschulpflege erachtet das Anliegen, die kostenlose Verfügbarkeit von Menstruationsartikeln für Schülerinnen in den Schulhäusern als wichtig.» Sie sei «überzeugt, damit einen Beitrag zur Enttabuisierung der Menstruation zu leisten». Bereits heute stünden an einigen Standorten der Kreisschule – die grösste im Aargau – Artikel direkt zur Verfügung, an anderen können sie in Notfällen im Lehrerzimmer geholt werden.

Nicole Burger: «Das ist Sache der Eltern»

Bemerkenswerterweise gab es nur drei ablehnende Voten von der SVP und FDP (Nicole Burger: «Die Schule muss sich nicht um alles kümmern, das ist Aufgabe der Eltern»; Barbara Deucher: «Für Notsituationen sollten die Artikel überall vorhanden sein, aber wenn man sie einfach hinstellt, werden sie eingepackt»). Fürsprechende Stellungnahmen gab es keine – und dennoch winkte der Rat die Motion mit elf Ja zu sechs Nein durch. Motionärin Andrea Dörig wies noch darauf hin, dass sie per Mail kritisiert worden sei, weil sie Wegwerfartikel forderte. «Es ist mir durchaus bewusst, dass es ökologischere Varianten wie Menstruationstassen gibt. Da zähle ich auf die Aufklärung im Schulunterricht.»

Die Schulpflege erwartet einen geringen Aufwand zur Umsetzung. Sie wird nun den tatsächlichen Finanzbedarf prüfen und dem Kreisschulrat einen Antrag stellen, sofern die Ausgaben nicht über das übliche Budget getätigt werden können.

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