Aarau
«Wir haben noch freie Plätze» – der Umbau des Pflegeheims mitten in der Altstadt ist auf der Zielgeraden

Noch drei Monate dauern die Bauarbeiten, dann kann die Station Milchgasse des Pflegeheims Golatti in Aarau wieder genutzt werden. Die Bewohner dürfen sich auf hellere Räume freuen – und endlich auch auf eigene, rollstuhlgängige Duschen.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Noch ist die Station Milchgasse eine Baustelle. Im Bild (v.l.): Stadträtin Angelica Cavegn Leitner, Leiter Pflegeheime Rupert Studer und Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Noch ist die Station Milchgasse eine Baustelle. Im Bild (v.l.): Stadträtin Angelica Cavegn Leitner, Leiter Pflegeheime Rupert Studer und Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Alex Spichale

Vom Frauenkloster zur Lateinschule, zum Spital, zur Seidenbandfabrik und schliesslich zum Altersheim: Die Gebäude des Pflegeheims Golatti und der Station Milchgasse in der Aarauer Altstadt haben in ihrer bald 800-jährigen Geschichte einige Veränderungen miterlebt. Aktuell läuft wieder ein Umbau: Seit Februar 2020 wird die Station Milchgasse saniert, in drei Monaten sollen die Bauarbeiten fertig sein. Am 2. Oktober wird das Haus der Bevölkerung an einem Tag der offenen Tür präsentiert.

Gestern Mittwoch gewährten die Verantwortlichen einen Einblick. Neu ist unter anderem der Hauptzugang, der über den Hof bei der «Neuen Galerie 6» erfolgen wird. Die grösste Änderung aber betrifft sicher die Neuaufteilung der Zimmer und Gänge: Die Einzelzimmer haben nun Blick auf den Schachen, die Gänge zur Milchgasse hin sind breiter und grosszügiger angelegt. Am bedeutendsten für die Bewohner dürfte die Vergrösserung der Nasszellen sein: In 25 der insgesamt 27 Zimmer sind diese jetzt rollstuhlgängig und bieten nebst WC auch eine Dusche. Bis anhin waren die Nasszellen viel zu klein, mehrere Bewohner mussten sich Duschen teilen.

So sieht derzeit eines der Zimmer im Obergeschoss aus: viel Licht und rechts die künftige, rollstuhlgängige Nasszelle.

So sieht derzeit eines der Zimmer im Obergeschoss aus: viel Licht und rechts die künftige, rollstuhlgängige Nasszelle.

Alex Spichale

Dank der Neuaufteilung des Innenbereichs kommt die Station Milchgasse übersichtlicher daher. Weniger Gänge und kürzere Wege ermöglichen laut Rupert Studer, Leiter Pflegeheime, mehr Übersicht und mehr Zeit für die Betreuung der Bewohner.

Auch der Balkon mit Blick auf das Pflegeheim Golatti und den Schachen wurde erneuert.

Auch der Balkon mit Blick auf das Pflegeheim Golatti und den Schachen wurde erneuert.

Alex Spichale

«Gute Lösungen gefunden» mit dem Denkmalschutz

Die grosszügigeren Gemeinschaftsbereiche ausserhalb der Einzelzimmer sollen die Bewohner auch dazu animieren, sich mehr in der Station Milchgasse aufzuhalten und diese zu beleben. Bisher gingen die Bewohner, wenn sie ihre Zimmer verliessen, meistens gleich rüber ins Pflegeheim Golatti, wo auch die Cafeteria ist.

Die Gänge in der Station Milchgasse. Links sind die beiden Lifte.

Die Gänge in der Station Milchgasse. Links sind die beiden Lifte.

Alex Spichale

Damit mehr Licht in das Altstadtgebäude eindringen kann, wurden vereinzelte Fenster vergrössert – so etwa im grossen Teamzimmer im obersten Geschoss. Dort werden Arbeitsplätze, ein grosser Sitzungstisch und auch der Medikamentenraum eingerichtet. Zwar sind bei Sanierungen von Altstadthäusern die Gestaltungsmöglichkeiten in vielen Bereichen begrenzt, man habe laut Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker aber gemeinsam mit dem Denkmalschutz gute Lösungen finden können.

Punktlandung beim Zeitplan und bei den Kosten

Mit den Bauarbeiten ist man laut Stadträtin Angelica Cavegn Leitner «total im Zeitplan». Und auch bei den Kosten bannt sich eine Punktlandung an: Die budgetieren 7,8 Millionen Franken dürften genau eingehalten werden. Finanziert wird der Umbau der Aarauer Pflege- und Altersheime über einen eigenen Investitionsfonds mit Geld aus den Hotellerie-Taxen, die die Heimbewohner bezahlen. Bis 2027 will Aarau insgesamt 70 Millionen Franken in die Erneuerung ihrer Alterseinrichtungen investieren. Als Nächstes stehen die Neubauten des Pflegeheims und der Alterssiedlung Herosé an.

Von links: Jacqueline Suter, Projektleiterin Sektion Hochbau im Stadtbauamt, Stadträtin Angelica Cavegn Leitner und Rupert Studer, Leiter Pflegeheime Aarau.

Von links: Jacqueline Suter, Projektleiterin Sektion Hochbau im Stadtbauamt, Stadträtin Angelica Cavegn Leitner und Rupert Studer, Leiter Pflegeheime Aarau.

Alex Spichale

In der bald frisch sanierten Station Milchgasse sind noch nicht alle Einzelzimmer reserviert. «Wir haben noch freie Plätze», sagt Leiter Rupert Studer. Vereinzelte Bewohner, die für die Bauarbeiten in andere Pflegeheime umsiedeln mussten, hätten bereits angegeben, nicht wieder zurückzügeln zu wollen.

Ein weiteres Zimmer, dieses mit Aussicht auf den Schachen.

Ein weiteres Zimmer, dieses mit Aussicht auf den Schachen.

Alex Spichale

Die Nachfrage nach einem Pflegeplatz gleich in der Altstadt dürfte hoch sein, ein so zentral gelegenes Heim ist heutzutage sicher selten. Wie lange das Heim noch in der Form geführt wird, ist aber nicht klar. Angedacht ist, die Station Milchgasse mal für die nächsten 15 bis 20 Jahre als Pflegeheim zu nutzen. Da die allgemeine Nachfrage nach Pflegeplätzen aber schrittweise sinkt, könnte das Gebäude danach anderweitig genutzt werden. Entsprechend seiner jahrhundertelangen Geschichte wäre es ja nicht das erste Mal.

Eines der Zimmer hat diesen wunderbaren Ausblick direkt auf die Altstadthäuser und die Stadtkirche.

Eines der Zimmer hat diesen wunderbaren Ausblick direkt auf die Altstadthäuser und die Stadtkirche.

Alex Spichale

Aktuelle Nachrichten