Aarau
«Alte Badi» macht mobil: Das Aarekraftwerk droht sich massiv zu verzögern

Eine Sammeleinsprache gegen den Bau des vorgelagerten Unterwerks könnte zur Knacknuss werden für das 135 Millionen Franken teure Projekt eines neuen Aare-Kraftwerks der Eniwa in Aarau.

Urs Helbling
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Soll so nicht gebaut werden: Die Anwohner bekämpfen das neue Unterwerk beim Kraftwerk. (Ansicht Nord)

Soll so nicht gebaut werden: Die Anwohner bekämpfen das neue Unterwerk beim Kraftwerk. (Ansicht Nord)

Zvg / Aargauer Zeitung

Am Aarauer Weinberg und entlang der Erlinsbacherstrasse gibt es eine Gruppe von Leuten, die der Eniwa beim geplanten Bau eines neuen Wasserkraftwerks ganz genau auf die Finger schauen. Sie sind organisiert in der Bürgerinitiative «Alti Badi» und kämpfen teilweise auch gegen den Totalabbruch des Mitteldamms.

Das Kraftwerk-Projekt soll im Frühling (April/Mai) aufgelegt werden. Der Bau soll insgesamt 135 Millionen Franken kosten. Davon ist ein zweistelliger Millionenbetrag für das neue Unterwerk vorgesehen, das flussaufwärts erstellt werden soll. Dort wo vor sieben Jahren Wohnhäuser abgebrochen worden sind und aktuell zwei weitere Gebäude rückgebaut werden – für den Bauinstallationsplatz.

Die Stadt Aarau ist unter den Einsprechern

Die Eniwa plante, im Herbst mit dem Bau des Unterwerks zu beginnen. Es eilt: Denn bevor das Unterwerk steht, kann nicht mit dem Kraftwerk-Neubau begonnen werden. Die Pläne lagen bis Anfang Februar auf. Es handelt sich nicht um ein normales Baugesuchsverfahren, sondern um ein Plangenehmigungsverfahren nach Elektrizitätsgesetz. Zuständig ist das Eidgenössische Starkstrominspektorat. Es gingen insgesamt acht Einsprachen ein. Darunter eine Einwendung einer Gemeinde. Absender ist – für Aussenstehende leicht überraschend – Aarau, wie Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker bestätigt. Dabei gehe es um rein administrative Punkte, wie die Umgebungsarbeiten, baupolizeiliche Gebühren, Lärmschutz. «Da wir nicht baubewilligende Behörde sind, hat das Bauamt eine Einsprache eingereicht», erklärt Hilfiker. Er betont: «Der Bau soll damit nicht verzögert werden.»

«Gesuch vollumfänglich abweisen»

Die Sammeleinssprache der Gruppe «Alte Badi» ist von 23 Anwohnern unterzeichnet. Darunter auch von «Weinberg»-Prominenz. Ihre drei Hauptforderungen: Erstens «die vollumfängliche Abweisung des Plangenehmigungsgesuchs». Zweitens «die Durchführung einer umfassenden Standortevaluation – innerhalb und ausserhalb der Energiezone». Drittens «die Erstellung eines umfassenden Umweltverträglichkeitsberichts, in dem die Belastungen durch den Normalbetrieb und mögliche Störfälle für Mensch und Umwelt an verschiedenen Standortalternativen genau ermittelt werden».

Es geht den Einsprechern primär darum, den Neubau am bestehenden Standort zu verhindern. Auch wegen des 12,6 Meter hohen Turms mit Aussichtsterrasse. Sie argumentieren etwa, die Dachaufbauten und die Dachterrasse seien nicht betriebsnotwendig und darum in der Energiezone (faktisch eine Zone ausserhalb des Baugebiets) nicht erlaubt. Im Zusammenhang mit dem Turm ist die Rede von einem «Prestige- und Marketingprojekt». Juristisch einiges Potenzial dürfte die Frage der Umweltverträglichkeitsprüfung haben.

«Mit dem Abtrennen des Teilprojektes Unterwerk vom Gesamtprojekt Erneuerung Kraftwerkbau wird rechtswidrig die UVP-Pflicht umgangen»,

heisst es. Bei dieser Ausgangslage ist die Wahrscheinlichkeit für einen jahrelangen Rechtsstreit durch alle Instanzen gross – mit entsprechender Verzögerung des Kraftwerkprojekts