Aarau
40 Jahre AMA: Am Anfang stand ein Flop

«Amo l'AMA», verkündete die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech am Mittwochabend und eröffnete damit die AMA 2016. 40 Jahre «Aargauer Messe Aarau» – eine Zeitreise durch die wechselvolle AMA-Geschichte.

Hermann Rauber
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Eines der Highlights der AMA die virtuelle Tour durch das Nagra-Tiefenlager. «Woah, u huere krass!», meinten die drei Nachwuchs-Forscher

Eines der Highlights der AMA die virtuelle Tour durch das Nagra-Tiefenlager. «Woah, u huere krass!», meinten die drei Nachwuchs-Forscher

Samuel Schumacher

«Aarau wird Messestadt», vermeldete vor vier Jahrzehnten die Lokalpresse stolz. Doch der Start der Aargauer Messe Aarau (AMA) war alles andere als glorios. Der Aarauer Gewerbeverband rief zum Boykott der Ausstellung auf und befürchtete eine Konkurrenz zum traditionellen MAG im Herbst. Der Standbau-Unternehmer aus dem Zürcher Oberland war alles andere als professionell, an der allerersten AMA im Eisstadion der Keba und in der Curlinghalle präsentierten sich Ende März 1977 lediglich 60 Aussteller, praktisch ausschliesslich organisierte Marktfahrer aus der halben Schweiz.

Der erste Ausrichter endete im Konkurs, doch trotz dieser turbulenten Anfangszeiten wuchs das Interesse des Publikums. 1979 übernahm die Berner Marfiba AG mit Alba Marti und Katharina Fischbacher die Messerechte und brachte frischen Wind in die Veranstaltung. 1986 durften die beiden Messeleiterinnen bei der zehnten Auflage feststellen, dass «die AMA nicht mehr belächelt, sondern beachtet wird».

Immerhin erhöhte sich die Zahl der Stände auf 147, die zum Teil auch in Aussenzelten untergebracht waren. Die Messedauer war mit zehn Tagen aussergewöhnlich lang, doch hatte laut den Medien «die Aargauer Messe ihr Profil gefunden».

AMA-Gast war vor dreissig Jahren der FC Aarau, der sich dem Publikum mit Trainer Ottmar Hitzfeld sowie den Spielern Roberto Böckli, Charly Herberth, Walter Iselin und James Meyer präsentierte. Das Aarauer Gewerbe machte sich noch immer rar, im Angebot dominierten Sprudelbäder, Küchenartikel und Möbel. Bereits legendär waren vor allem für einheimische Besucher die langen Abende in der Curlinghalle, wo es Weine zu degustieren gab. Gar mancher ging ohne Kaufabsichten hinein und verliess das Gelände mit schönen Erinnerungen und satten Bestellungen wieder.

Eröffnung der AMA 2016

«Amo l’AMA», verkündete Stadtpräsidentin Jolanda Urech gestern Abend an der Eröffnungsfeier der Aargauer Messe Aarau im Schachen. Die grösste Gewerbeausstellung des Kantons feiert 2016 ihr 40-Jahr-Jubiläum.

Auf 12 000 Quadratmetern präsentieren knapp 250 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Messeleiterin Suzanne Galliker geht davon aus, dass bis am Sonntag bis zu 40 000 Besucher durch die Hallen, über den Foodcourt und durchs «Buureland» schlendern werden. «Wir haben viel Neues zu bieten, zum Beispiel das KMU-Forum mit alt Bundesrat Adolf Ogi oder das neue Start Up Forum Aargau, an dem sich junge Unternehmen präsentieren», freute sich Galliker.

Dass die AMA nach schwierigen Jahren mit Standortwechseln und Konkursanmeldungen wieder auf beiden Beinen steht, freute auch Jolanda Urech. «Mit 40 steht die AMA mitten im Leben und ist seit Jahren ein konstanter Publikumsmagnet.» Eines der Highlights der AMA: die virtuelle Tour durch das Nagra-Tiefenlager. «Woah, u huere krass!», meinten die drei Nachwuchs-Forscher auf dem Bild.

Heimat brachte Durchbruch

1990 wechselte die Trägerschaft erneut, gründeten doch einheimische Investoren die AMA Messe und Kongress AG. Nach einem kurzen Abstecher nach Suhr kehrte die AMA 1993 wieder auf das Keba-Areal zurück und feierte 1996 glanzvoll die 20. Austragung. Die Messedauer wurde auf fünf Tage reduziert, die gut 40 000 Besucherinnen und Besucher hatten die Wahl zwischen 200 Ausstellern, von denen ein Drittel aus der Stadt und Region stammte.

Der Durchbruch war augenfällig: An der offiziellen Eröffnung überbrachte Stéphanie Mörikofer die Grüsse der Aargauer Regierung, zu den Gratulanten zählte auch Christian Speck, Präsident des Aargauer Gewerbeverbandes.

Mit Charme zum Erfolg

Dass die AMA endgültig salonfähig geworden war, lag nicht zuletzt an der charmanten Messeleiterin Katherin Balsiger. Sie entwickelte mit Berner Beharrlichkeit ein Rahmenprogramm, das heute noch Spuren hinterlässt. Dazu gehört der landwirtschaftliche Aspekt, der bei der 30. Ausgabe der AMA, im März 2006, zum ersten Mal mit dem «Buureland» samt Streichelzoo und Säulirennen auf dem Keba-Areal erfolgreich über die Bühne ging und noch immer zum festen Bestandteil der Messe zählt.

Ende 2008 übernahm der Unternehmer Willi Gyger hundert Prozent der Aktien der AMA Messe und Kongress AG und gliederte den Anlass in seine Wigra Gruppe ein. Allerdings stiess die Aargauer Messe auf der Keba räumlich an ihre Grenzen.

Gyger suchte deshalb nach einem neuen Standort und nahm den Aarauer Schachen mit der neuen Reithalle und der Pferderennbahn ins Visier. Die Stadt aber zögerte mit der Bewilligung, was zur Drohung führte, die AMA allenfalls in den Raum Lenzburg zu verlegen. Der Streit endete in Minne, seit 2012 hat die AMA im Schachen einen neuen Standort gefunden, der sich schon rasch als ideal erwiesen hat.

Weinbau hat Tradition an der AMA

Kaum ein Schausteller war länger bei der AMA dabei als Peter Wehrli mit seinem Familienunternehmen «Wehrli Weinbau». Seit fünfzehn Jahren präsentiert das Küttiger Weinbauunternehmen seine feinen Tropfen.

Am Eingang der Halle 3 steht dieses Jahr Wehrlis Stand. Er dient auch als Treffpunkt: Nicht selten werden Wehrlis von Besuchern gefragt, ob deren Verabredung schon eingetroffen sei.

Früher waren die Weinstände noch in einem Weinzelt vereint. Damals hätten sich die Besucher erst gegen Mittag an die Weinstände gewagt, erzählt Wehrli. Heute sind die Wein-Anbieter auf dem ganzen Gelände verteilt. Dadurch ist während des ganzen Tages Laufkundschaft am Stand. Eine weitere grosse Veränderung in den letzten AMA-Jahren sieht Wehrli im Kulinarischen: Zwischen mehr als Bratwurst und Cervelat habe man früher nicht auswählen können.

Heutzutage würden neben köstlichen Wurstwaren ganzen Menus angeboten, schildert der Weinbauer. Die Weine der Konkurrenz zu degustieren, gehört für die Winzer zu jeder AMA dazu. Langjährige Weggefährten wurde trotz Konkurrenzkampf zu Freunden. (LM)