«Credit Suisse hat sich zu höchsten ethischen Grundsätzen und zur Erfüllung sämtlicher regulatorischer Vorschriften verpflichtet.» Wie gut ihr das gelungen ist, davon zeugt die nur vorläufig letzte Busse über 2,8 Milliarden Dollar an die USA. Davon zeugt auch eine Busse von 536 Millionen Dollar, die die CS im Jahr 2009 zahlen musste. Weil sie «bewusst und willentlich gegen US-Sanktionsregeln verstossen oder diese zu umgehen versucht» habe, wie die Bank kleinlaut einräumte.

Aber was der Bank im Grossen nicht gelingt, gelingt ihr, wenn es gegen Kleine geht, da ist sie ganz gross. Denn das erste Zitat ist die Begründung dafür, wieso die Schweizer Grossbank keine Überweisungen mehr an Zunzún ausführt. So heisst die kleinste Kolibri-Art, und das ist auch der Name eines politisch und konfessionell unabhängigen Vereins in der Schweiz, der seit 2002 Entwicklungsprojekte plant und durchführt. Im Zentrum seiner Zewo-zertifizierten Tätigkeit stehen Kinder. Mit Sport- und Kunstprojekten, mit Computerklubs sollen ihnen Perspektiven und vor allem Erfolgserlebnisse geboten werden.

Der Bund unterstützte Zunzún

Zunzún ist ein kubanischer Vogel, und die Kinder, die unterstützt werden, sind Kubaner. Das genügte der Credit Suisse, um zuerst völlig legale und keinerlei US-Sanktionen unterliegende Inland-Überweisungen von Spendern und Gönnern von CS-Konten aus nicht mehr auszuführen und jüngst sogar das Konto des Vereins zu kündigen. Eines gemeinnützigen Schweizer Vereins, der zudem bei seinem grössten Projekt, «Sport im Quartier», von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (Deza) mitfinanziert wurde.

Wer das Quartier La Timba in Havanna besucht, kann sich vom Einsatz und vom Erfolg der Tätigkeit von Zunzún überzeugen. Es handelt sich um ein marginalisiertes Viertel mit materiellen und sozialen Problemen. Hier wird nicht einfach Geld gespendet, sondern bahnbrechende Arbeit geleistet. In Zusammenarbeit mit kubanischen Partnerorganisationen, unterstützt durch freiwillige und unbezahlte einheimische und Schweizer Helfer, begleitet von gut qualifizierten Pädagogen und Psychologen. Immer mit dem Ansatz, dass Hilfe nur Sinn macht, wenn die Quartierbewohner selbst Verantwortung übernehmen, beispielsweise Sportgeräte, Computer oder Malutensilien gut verwalten, selbst die Organisation von Kursen und Sportanlässen an die Hand nehmen.

Das hat vor kurzem auch die internationalen Internatsschüler des Lyceum Alpinum Zuoz dermassen überzeugt, dass sie die gesamten Einnahmen aus ihrem Adventsmarkt, Theateraufführungen und einem errungenen Preisgeld an Zunzún spendeten. Immerhin 12 000 Franken.

Die kubanischen Behörden haben sich inzwischen überzeugen lassen, dass diese Methode der unterstützenden Hilfe zur Selbsthilfe so erfolgreich ist, dass sie ideologische Vorbehalte hintanstellen.

Das sieht die wegen krimineller Handlungen gebüsste Credit Suisse entschieden anders: Sie «führt keine Zahlungen aus, die von sanktionierten Ländern oder Parteien kommen, an solche gehen oder sonst einen Bezug zu solchen haben.» Hierzu muss man wissen, dass sich die Schweiz, wie alle anderen Länder der Welt, dem absurden, seit mehr als 50 Jahren andauernden Handelsembargo der USA gegen Kuba nie angeschlossen hat. Deshalb sind Überweisungen nach Kuba, Handel mit Kuba, Reisen nach Kuba völlig legal, vorausgesetzt, es werden keine US-Dollar verwendet. Noch legaler, wenn sich das steigern liesse, sind Überweisungen innerhalb der Schweiz von einem Konto auf ein anderes, mit Bezug zu Kuba oder ohne. Auf die Anfrage, gegen welche US-Sanktionsbestimmungen solche Überweisungen verstossen würden, wiederholt die CS lediglich ihr oben zitiertes Statement und verweist auf das «Settlement» von 2009.

Nicht nur legal, sondern ein Ausdruck von Humanität sind Spenden an einen Schweizer Verein mit Sitz in Zürich, der sich seit vielen Jahren erfolgreich bemüht, kubanischen Kindern eine bessere Lebensperspektive zu bieten.

Auch UBS und ZKB üben Demut

Neben der Credit Suisse verhält sich auch die grösste Schweizer Bank, die UBS, genau gleich bezüglich Überweisungen, die einen auch nur entfernten Zusammenhang mit Kuba haben könnten. Und natürlich ist auch die Staatsbank ZKB dabei. Obwohl sie dem Zürcher Steuerzahler gehört und die Förderung der kantonalen Wirtschaft ihre Zweckbestimmung ist, litten viele Zürcher und Schweizer Firmen darunter, als die Zürcher Bank vor einem Jahr schlagartig jede Geschäftsbeziehung mit Kuba einstellte. Inklusive Überweisungen innerhalb der Schweiz, die mit dem ominösen Wort Kuba verbunden sind. All das soll gut Wetter bei den USA machen, damit Bussenzahlungen so glimpflich wie möglich ausfallen.

Nicht nur Zunzún hat darunter zu leiden, auch Hilfsorganisationen wie Medicuba oder Schweizer Reisebüros, die sich auf Kuba-Reisen spezialisiert haben, bekunden immer mehr Mühe, ihren Zahlungsverkehr abwickeln zu können. Noch fataler: Vereine wie Zunzún sind auf Spenden angewiesen. Da die überwiegende Mehrheit der Schweizer nur ein Bankkonto und meistens bei einer dieser drei Banken hat, ist diese Verweigerung der Ausführung völlig legaler Überweisungen eine existenzielle Bedrohung für die Fortsetzung der Tätigkeit. Dazu Roger Gallati: «Als Präsident von Zunzún und ehemaliger Rechtskonsulent bei einer CS-Tochterbank beurteile ich das Verhalten der Credit Suisse als unangebracht und enttäuschend.»

Denn wer nimmt sich schon die Mühe, erschreckt durch die Blockierung der Zahlung, mit einem Einzahlungsschein auf die Post zu gehen, wohin sich nicht nur Zunzún geflüchtet hat. Postfinance führt weiterhin Zahlungen nach Kuba und selbstverständlich auch innerhalb der Schweiz bezüglich Kuba aus. Weil es eben völlig legal ist.

Was hingegen die Credit Suisse und viele weitere Banken tun, hat nichts mit Sanktionen, Vorschriften oder gar Gesetzen zu tun. Es ist schlichtweg widerwärtig. Und dürfte einen Reputationsschaden auslösen, der den durch ständige Bussenzahlungen verursachten bei weitem übersteigt. Denn hier würden diese Banken einmal etwas tun, was nicht nur legal ist, sondern sogar ethisch und human. Aber das sind ja nur Floskeln für Bankführer, Worte ohne Wert.