Ines Kreinacke setzt sich auf einen heissen Stuhl. In der letzten Woche wurde sie als Geschäftsführerin des Vereins Region Thal eingesetzt und ist somit die neue starke Frau an der Spitze im Naturpark Thal. Vier Abgänge auf wichtigen Posten hatte der Verein in den letzten vier Jahren zu verzeichnen. Dass mehr Konstanz wünschenswert wäre, ja sogar gefordert wird, dies machte der Kanton Solothurn als involvierter Player im letzten Jahr klar.

Kreinacke ist sich sehr wohl bewusst, dass sie nun diese Konstanz einbringen muss. Seit August arbeitet sie im Naturpark und evaluiert, was in den vergangen acht Jahren im Naturpark passiert ist. Mit dem Ziel, 2019 die neue Charta, Bedingung für die Weiterführung des Naturparks, zu erreichen. «Da glaube ich fest daran, dass dies klappen wird und alle Gemeinden weiterhin dahinter stehen».

Was bleibe denn sonst, fragt sie und schiebt die Antwort gleich nach: «Wenn diese Plattform Naturpark, dieses Label nicht mehr existiert, müssen sich die einzelnen Gemeinden und Angebote im Thal auf eigene Faust vermarkten. Und dann gehen sie im Wettbewerb unter.»

Dem Vorstand nichts erzählt

Hat denn die Tatsache, dass sie bereits seit einigen Monaten für den Verein arbeitet, ihr beim Auswahlverfahren für die Stelle als Geschäftsführerin geholfen? «Ich habe bewusst dem Vorstand nichts von meiner Bewerbung beim involvierten externen Personalbüro erzählt», erklärt sie. Klar hätte ihr dies in der Endausmarchung geholfen. Man kenne sich halt und vor allem kannte sie bereits zu grossen Teilen ihren Aufgabenbereich.

Dass Kreinacke sich seit Jahren mit ähnlich gerichteten Projekten beschäftigt, merkt man ihr an. Die studierte Ökonomin ist ein Vollprofi. Eloquent, fordernd und doch einnehmend. Etwas, was ihr beim täglichen Kampf mit den Erwartungshaltungen im Thal hilft? Oder wird ihr, schwäbisch parlierend, mit Zurückhaltung begegnet? «Keineswegs, da gab es andere Stationen, wo mir mit mehr Zurückhaltung begegnet wurde», sagt die aus Baden-Württemberg stammende aber mittlerweile Schweizer Bürgerin.

Ihre berufliche Karriere fing mit dem Engagement im Marketing ihrer Heimatregion an. Dann Einsätze im Bodenseegebiet, im Stadtmarketing von Burgdorf und zuletzt in der freien Wirtschaft bei einem international tätigen Konzern. «Hier im Naturpark kann ich all diese Erfahrungen einsetzen. Vom Tourismus über Wirtschaftsförderung bis hin zu Bereichen des Gemeindemarketing», erklärt die 51-Jährige.

Und sie ergänzt: «Für mich ist die Stelle hier ein Glücksfall.» Denn viele Jobs in dieser Richtung gebe es nicht in der Region. Ein gutes Zeichen also, dass sie die vom Kanton geforderte Konstanz in den Naturpark bringt? «Ich möchte eigentlich nicht mehr so viel wechseln», lacht Kreinacke. Sie hätte es gerne etwas langfristig.

«Doch dies liegt ja nicht nur an mir». Es sei auch die erste Frage, die sie im Thal zu hören kriege, wenn sie an einen Anlass gehe: Wie lange sie denn bleibe. Sie antworte dann, wiederum mit einem Lächeln, mit dem Hinweis, dass sie in 14 Jahren pensioniert werde.

Mit Leben füllen

Mit einer klaren Erwartungshaltung hat Kreinacke zu kämpfen. «Was macht ihr da vorne eigentlich mit dem Geld?», umschreibt sie diese Haltung. Keineswegs wertend, Kreinacke versteht dies. Doch mit den 670 Stellenprozenten, welche die Geschäftsstelle in der Thalstation auf sich vereint, sei die Rolle klar.

«Wir bieten eine Plattform. Wir können Projekte anstossen. Um sie alle umzusetzen, fehlen uns aber zum Teil die personellen Ressourcen». Darum eben: Das Label mit Leben füllen müsse die gesamte Thaler Bevölkerung. Etwa mit Freiwilligenarbeit. Das solle keineswegs eine Entschuldigung sein, dass Dinge nicht gut gelaufen seien. «Aber das Label ist für uns alle eine Chance gemeinsam fürs Thal was zu tun», sagt Kreinacke.

Man nimmt ihr den andernorts als Phrase gebrauchten Ausdruck ab. Alleine das Wir betont sie im Gespräch immer wieder. In Steinhof wohnhaft, seit August beim Naturpark und schon vollständig die Idee einverleibt? «Klar ich wohne jetzt im Wasseramt. Und bleibe auch dort. Doch das macht für mich keinen Unterschied, dass ich mich hier, wo ich arbeite, engagiere. Ich finde es schön, für eine Region etwas zu entwickeln. An den Lebensumständen zu arbeiten.»

Wie sie das Naturpark Label denn in Zukunft mit Leben füllen möchte, dazu hat sie konkrete Vorstellungen. «Wir müssen nun konsolidieren. Projekte fertigmachen, die wir begonnen haben, das Netzwerk wieder stärken». Was ihr am Herzen liege, sei die bessere Einbindung von Unternehmen, denn eines der Hauptziele des Naturparks sei die Förderung der nachhaltigen Wirtschaft.

Zusätzlich sei der Naturpark natürlich auch stark auf das finanzielle Engagement von Firmen, Stiftungen und Privaten angewiesen, vor allem bei zukünftigen, grösseren Projekten. Denn solch ein Projekt, oder, wie sie Kreinacke nennt, Leuchtturmprojekt, sei ein Fernziel. Wie dies aussehen könnte, lasse sich aber noch nicht sagen.