«Mal sehen, was sich auf meinem Roadtrip durch Polen und die Ukraine für Geschichten ergeben», sagt Ursula Schubiger frohgemut. Die Journalistin arbeitet seit rund dreieinhalb Jahren für den Radiosender DRS3.

Sorgen um neue Themen macht sie sich nicht, denn Ursula Schubiger ist beim Sender so etwas wie die Spezialistin für originelle oder leicht schräge Ideen geworden. Etwa wenn «Schube» ein Last-Minute-Kostüm für die Solothurner Fasnacht bastelt, Lippenstifte fürs Radio testet oder Barfuss-Wanderer durch die Schweiz begleitet.

«Bei der DRS3-Tagesredaktion muss man sich nicht um die klassischen Nachrichtenthemen kümmern, sondern um die Aspekte des Lebens, die sonst auch noch interessant sind», erklärt Schubiger. Dafür hat sie zweifellos ein Flair.

Wenn sich also die SRF-Sportredaktion während der EM ums Fussballerische kümmert und die Auslandredaktion um die politische Lage in der Ukraine, will sie beispielsweise der Frage nachgehen, warum man denn im See neben dem Fancamp im Kiev auch bei grösster Hitze nicht baden darf. Und anderen Dingen, welche die aus ganz Europa angereisten Fangruppen nerven oder freuen. «Ich liebe es, Dingen, die mir spontan auffallen, auf den Grund zu gehen», erklärt Schubiger. Ziel des Roadtrips sei es, täglich einen Beitrag zu produzieren bis zum Finalspiel am 1. Juli. Auch ein Twitter-Feed, möglichst mit Bildern, gehört zu ihrem Job.

Schubiger ist allein mit dem Auto unterwegs und reist von Fancamp zu Fancamp. In der Ukraine wird sie aber gegen Schluss noch von ihrer Schwester begleitet. («Man will ja das Schicksal nicht gleich herausfordern.») Aber sonst setzt «Schube» voll auf ihre Spontaneität. «Ich habe soeben noch etwas das kyrillische Alphabet gepaukt, damit ich wenigstens die Strassenschilder lesen kann», lacht sie. Sprachlich werde sie versuchen, mit Englisch und Französisch durchzukommen. Im Ausland war sie bereits für die französischen Wahlen, wo sie aus Marseille berichtete.

Die 36-jährige Radiojournalistin ist in Solothurn aufgewachsen und wohnt auch weiterhin gern hier. Familie, Beziehungsnetz, Freunde halten sie am Aarestrand. «Ich werde wahrscheinlich bis an mein Lebensende in Solothurn bleiben, obwohl ich das nie wollte.»

Die DRS3-Redaktion ist in Zürich. Somit ist Pendeln angesagt, was ihr aber nichts ausmache. Nicht zuletzt auf der Zugfahrt kommen die Ideen zu Themen. «Werden Fische auch seekrank?» oder «Wie lange dauert eine Schrecksekunde?», lauten beispielsweise Fragen, die jedermann in mehr oder weniger luziden Momenten umtreiben können. Mit der Konsequenz, dass man sie dann auch unbedingt beantwortet haben möchte.

Schubiger kommen solche Fragen offenbar öfters in den Sinn. Und die Antworten. «Schlauer in 60 Sekunden» lautet deshalb der Titel der wöchentlichen Rubrik, welche diese liefert. Ursula Schubiger schreibt die Texte dafür.

Ihr Handwerk als Radioreporterin hat die Stadtsolothurnerin – wie etliche Kolleginnen und Kollegen von SRF – bei Radio 32 gelernt. Nach dem Studium von Germanistik und Medienwissenschaft hat Schubiger dreieinhalb Jahre für den Solothurner Sender gearbeitet. Die Berichterstattung über Regierungsgeschäfte und Gemeinderatswahlen liess sie auch in der Politik sattelfest werden.

Zurück zum Fussball: «Portugal wird Weltmeister», twitterte Ursula Schubiger keck. Der Befund resultiere auf einem Tippspiel, nicht auf fachlicher Analyse, räumt sie ein. Vielleicht können sie die Fans andrer Nationen in den Fancamps ja noch umstimmen.