Der wohl berühmteste Ball in der «Krone» Solothurn hat am Abend des 2. März 1798 stattgefunden: Um 11 Uhr morgens waren französische Revolutionstruppen unter General Schauenburg nach einigen Gefechten im Leberberg widerstandslos durchs Bieltor einmarschiert.

Nun feierten die französischen Offiziere zusammen mit den Töchtern und Frauen der «Patrioten», jenen Solothurnern, die französisch-revolutionär gesinnt waren. Und am Mittag noch fast vom aufgebrachten Mob im «Vorstadt-Chefi» gelyncht worden wären, hätten die Franzosen nicht ein- und durchgegriffen. Aber das ist eine andere Geschichte und hat mit der Fasnacht nichts zu tun.

Der sündige Kronen-Ball

Erst nach der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die Fasnacht mit dem aufstrebenden Bürgertum wieder in Schwung. Erstmals erwähnt wird so die Narrenzunft Honolulu 1853. Die «Krone» mit ihrem grossen Saal dürfte bei den damaligen Fasnachtsbällen eine wichtige Rolle gespielt haben, den Status der führenden Fasnachtshochburg verlor sie jedoch ab 1901 an den Konzertsaal, wo vor dem 1. Weltkrieg rauschende Ballnächte mit deutschen Regimentskapellen (!) inszeniert wurden.

Auch aus der Zwischenkriegszeit sind grossartige Ball-Dekorationen im Konzertsaal bekannt, und der spätere Solothurner High-Society-Ball, der Bedli-Ball, wurde - wie der Name besagt - durch die Narrenzunft Honolulu bis 1985 im Bad Attisholz durchgeführt. Drei Jahre wechselt man dann ins Zunfthaus zu Wirthen, ehe ab 1989 der Kostüm-Event Bööggefescht im Landhaus die klassischen Maskenbälle abrupt beendete.

Dieses Schicksal erlitt anfangs der Neunziger-Jahre auch der legendäre «Kronen-Ball», der zeitgleich mit dem UNO-Ball im Konzertsaal am Fasnachtsdienstag massenhaft nicht nur Solothurner anzog. Die Dame bis Mitternacht maskiert, die Herren in Schale, dieses steife Prozedere war nicht mehr zeitgemäss. Zudem litt der Kronen-Ball zunehmend unter dem schlechten Ruf, dass «Aufreisser» aus dem Bernbiet sich noch zwischen der Bierschwemme im «Leistzimmer», Saal und Gaststube oft recht handfest an die Ball-Besucherinnen herantasteten.

Mit der Übernahme von Hotel und Restaurant durch das Ehepaar Dörfler war ab 1994 die Fasnacht vor allem im Erdgeschoss nur noch am Hilari und Aschermittwoch ein Thema, wenn die Narrenzunft Honolulu in der Gaststube und Grillroom auftrat. Das sonst an der Fasnacht vor allem bis in den Aschermittwoch-Morgen platschvolle Restaurant blieb nun lange Jahre in der Fasnachtszeit geschlossen und dunkel. Fasnacht in der «Krone» fand noch als Kinderball am Dienstag im Saal und während den Hauptfasnachtstagen ebenfalls dort oben in Form von Banketten für die Schnitzelbank-Fans statt.

Die wilden letzten Jahre

Spannend, ja fast ein wenig turbulent verliefen die letzten Fasnachtsjahre in der «Krone». 2011 war in der Gaststube mal wieder richtig etwas los. Denn im Mai des Vorjahres hatten Bethli und Werner Käser-Schwizer ihre Fasnachtshochburg, das «Jägerstübli» aufgegeben. Nicht aber die Fasnacht: Zusammen mit Heidi Egli und einer G.O.R.P.S-Crew, angeführt von Markus Arm, kam das Ehepaar mit der Hoteliersfamilie Dörfler überein, das Restaurant für die Fasnacht zu öffnen. Solothurn hatte nur darauf gewartet, und honorierte auch im folgenden Jahr die Reprise, diesmal allerdings ohne die ehemaligen «Jägerstübli»-Wirtsleute.

Im Sommer darauf ging die inzwischen an den Kanton und die Stadt Solothurn verkaufte «Krone» zu. Doch kurz entschlossen angelte sich eine junge Crew der Kulturfabrik für die närrischen Tage das stillgelegte Restaurant und verwandelt es in eine Fasnachtsbeiz. Dieser erfolgreiche Versuch einer «Pop-up-Location» sollte die Solothurner Fasnacht enorm befruchten, auch wenn es in der immer noch auf den Umbau harrenden «Krone» an der Fasnacht 2014 mucksmäuschenstill blieb.

Dafür trat ein neuer Player auf: Der Verein P.rost lebte seine Deko-Lust vorerst einmal im ehemaligen Sport Marbach, dem nun konkursiten und geräumten Universal-Sport, mit einer italienischen Fasnachts-Cantina aus. 2015 war dann allerdings die «Krone» als «Märlischloss» wieder ein fasnächtliches Tollhaus. Sogar der Saal war dekoriert worden, was für einmal wieder die beliebten Schnitzelbank-Abende erlaubte. Dann beginn 2015 definitiv der Umbau, doch fand der Verein P.rost Untschlupf in der «Kronen»-Garage nebenan – und setzte den «Circus Wieduwotsch» in die Fasnachtswelt.

Der «Krone-Groove»

Nochmals kann die «Garasch» diese Fasnacht benützt werden, zeigte sich doch die Swiss Prime Anlagestiftung wie schon zuvor der Credit Suisse Funds als Bauherrin des «Krone»-Projekts der Solothurner Narretei stets gewogen. «Die Fasnacht wird für ein wichtiges Thema sein», verspricht auch Martin Volkart, Projektleiter der Genossenschaft Baseltor, die ab dem 2. Mai das Boutique-Hotel mitsamt Restaurant und Saal wieder eröffnet.

Zumindest die Schnitzelbänke und die Narrenzunft Honolulu dürften sich deshalb schon die Fasnacht 2018 herbeisehnen, um wieder den «Kronen-Groove» zu erleben. Dies gilt sicher auch für ihre Bankettgäste – wohin es dagegen das fasnächtliche Party-Volk verschlägt, wird nach den letzten Jahren sicher wieder eine spannende Geschichte sein.