Wildes Parkieren, Lärm, Abfall und Dreck am Aareufer: Klagen über Missstände häufen sich, wenn längere Schönwetterperioden Freizeitgäste in grosser Zahl ans Wasser locken. Im Sommer treffen arglose Spaziergänger da und dort auf Blüttler. Auch die Sicherheit ist ein Thema: Campieren und Übernachten allzu nahe am Fluss, besonders auf Inseln, ist bei steigendem Wasserstand lebensgefährlich.

Solche Probleme kennen alle Niederämter «Aaregemeinden» von Winznau bis Erlinsbach. Darum suchen sie gemeinsam nach Lösungen. Letztes Jahr hat die Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt (GPN) eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der betroffenen Gemeinden eingesetzt. Anfang Juli wurden unter dem Label «Öisi Aare/Solothurner Niederamt» Sofortmassnahmen ergriffen (wir berichteten).

Darüber hinaus machte die Arbeitsgruppe einen Vorschlag für ein gemeinsames «Reglement über das Campieren und die Durchführung von Anlässen im Uferbereich der Aare im Niederamt». Ein Entwurf liegt seit letztem Herbst vor. Er sieht vor, dass für das Campieren – auch für das blosse Aufstellen von Zelten – und für die Durchführung von Anlässen mit mehr als 30 Teilnehmern eine Bewilligung der Gemeinde einzuholen ist. Die Voraussetzungen dafür wären hoch: Ein Abfall-, Bodenschutz-, Beschallungs- und Jugendschutzkonzept müsste her, ein Sicherheitskonzept, der Nachweis sanitärer Anlagen und ein Verkehrskonzept, ferner eine Haftpflichtversicherung. Grossanlässe ab 100 Personen wären grundsätzlich nicht erlaubt. Und: «Die Überwachung des Campingwesens obliegt dem Gemeinderat.»

Schon drei Gemeinden sagen Nein

Jetzt zeichnet sich ab, dass die Gemeinden davor zurückschrecken, das Freiluft-Treiben im Aareraum stärker zu reglementieren. Als erster hat der Gemeinderat von Däniken schon Anfang Dezember den Verzicht auf das gemeinsame Reglement beschlossen. «Die Gemeinde könnte die Einhaltung der Vorschriften kaum überwachen», sagt Gemeindepräsident Gery Meier. «Die Leute kennen das Reglement ja nicht und würden uns nicht zuerst fragen, wenn sie an die Aare gehen wollen.» Grundsätzlich sei der Däniker Gemeinderat der Meinung, es sei nicht alles zu reglementieren.

Gleich hat Ende Januar der Gemeinderat von Niedergösgen entschieden: «Nach einer angeregten Diskussion war der Gemeinderat einhellig der Meinung, dass man auf eine weitere Regulierung verzichten möchte», heisst es im Pressebericht. Und gestern Dienstagabend hat auch in Erlinsbach SO, einer Gemeinde mit stark frequentierten Aareuferplätzen, der Gemeinderat das Reglement abgelehnt: «Eine unnötige Regulierung, wer soll die Einhaltung prüfen?», fasste Gemeindepräsident Markus von Arx die Haltung seiner Ratskollegen zusammen.

Erstaunt über das negative Echo zeigt sich Daniel Gubler, Gemeindepräsident von Winznau, das mit seinen beliebten Uferabschnitten besonders betroffen ist. In der Arbeitsgruppe, in der alle Anrainergemeinden vertreten waren, habe es keine Opposition gegen das Reglement gegeben. «Das Ziel war eine flächendeckende Regelung, damit auch für die Polizei überall klar ist, was gilt», erklärt er.

Ihm gehe es vor allem um die Sicherheit und um die Auswirkungen des tage- oder wochenlangen Zeltens an der Aare. «Ohne Reglement können wir diese Situation nicht verbessern», meint Gubler, «nichts tun ist gefährlich». Immerhin hätten sich die letztes Jahr ergriffenen Sofortmassnahmen in Winznau auf andere Probleme positiv ausgewirkt: Wegen des «Slalomparcours» bei der Kanalbrücke seien weit weniger Autos zur Aare gefahren, es habe nie Lärmbelästigungen gegeben, und dank den neuen Abfallfässern von «Öisi Aare» habe es im Sommer 2016 deutlich weniger Abfall an der Aare gegeben. Weitere Ideen würden an der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe diskutiert, so Daniel Gubler.