Der renommierte Wirtschaftsprofessor hielt die Anwesenden am traditionellen Anlageapéro der Baloise Bank SoBa im Landhaus Solothurn mit überraschenden Aussagen «auf Trab». Für ihn eröffnet die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten – rein aus Anlegersicht betrachtet – gute Investmentmöglichkeiten. Doch davon später.

«Tiefstzinsen treffen alle»

Zu Beginn der Veranstaltung überbrachte Bankchef Jürg Ritz eine gute Nachricht, zumindest im derzeit sehr schwierigen Bankenumfeld. «Wir wollen die Weitergabe von Negativzinsen an unsere Kunden – sozusagen als Maxime – vermeiden.»

Gleichzeitig warnte er vor der falschen Hoffnung, von Negativzinsen gar nicht betroffen zu sein. «Über die Pensionskassen trifft es alle», so Ritz. Denn in diesem absoluten Tiefzinsumfeld könnten die Vorsorgeeinrichtungen kaum eine Rendite erzielen. Das bekämen dann letztlich die Versicherten zu spüren. Und eine Änderung sei derzeit nicht in Sicht, erklärte Rainer Wyss, Leiter Anlagen und Handel bei der Bank. Er verwies beispielsweise auf die anstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich.

Je nach Ergebnis könne das den Euro weiter unter Druck setzen. Das bedeute, dass die Schweizerische Nationalbank gefordert bleibe, um die Frankenstärke im Griff halten zu können. Eine Zinserhöhung sei jedenfalls vorerst nicht in Sicht. Und die Anleger warnte Wyss vor «einem sehr herausfordernden, nervenaufreibenden und überraschungsreichen Börsenjahr 2017». Sein Ratschlag: «Reduzieren Sie Ihre Renditeerwartungen».

Nach der Innensicht versuchte Gastredner Straubhaar, Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität Hamburg, die Aussensicht aufzuzeigen. Insbesondere widmete er sich dem «Phänomen Trump» um gleich vorauszuschicken: «Ich hätte ihn nie gewählt.» Aber Anlageentscheide seien mit dem Kopf zu fällen. Mit seiner Rede nach dem Wahlsieg sei Trump zum «Liebling der Wall Street» geworden. «Wir werden unsere Infrastruktur wiederaufbauen. Und wir werden bei diesem Wiederaufbau Arbeitsplätze für Millionen von Menschen schaffen.» Diese Worte Trumps seien nichts anderes als die Ankündigung eines «gigantischen, staatlichen Konjunkturprogrammes». Dabei gehe es nicht um Milliarden, sondern um Billionen von Dollars. Die so ausgelösten Nachfrageimpulse würden auch neue Anlagemöglichkeiten für Investoren eröffnen.

Schweiz leidet weniger als China

Und der ebenfalls von Trump angekündigte Rückzug ins Réduit – «America First» – könne zwar zu Handelskriegen führen. Aber davon seien Schweizer Exporteure weniger gefährdet. «Trump ist ein guter Investor und nicht so dumm, Investitionsgüter, beispielsweise aus der Schweiz, künftig vom amerikanischen Markt fernzuhalten.» Um die Binnenwirtschaft anzukurbeln, brauche es eben gerade Hochpräzisionswerkzeuge, modernste Maschinenanlagen, optische Geräte – made in Switzerland. Dagegen werde die chinesische Wirtschaft viel stärker leiden. Diese exportiere vorwiegend Konsumgüter, die leicht zu ersetzen seien. Nicht zu vergessen sei, dass mit Trump der US-Dollar stärker werde. «Und das ist gut für die Schweizer Exporteure.»