Crossblades» – mitentwickelt vom Biberister Michael Koch – wurden letzten November lanciert (wir berichteten). Crossblades sind ein neuartiges Schneeschuh-System, mit dem man steigen, fahren und gleiten kann. Eine Wendeplatte ermöglicht das einfache Umstellen von Steigen auf Fahren und weist eine Lauffläche mit Stahlkanten auf sowie auf der Rückseite ein permanent integriertes Steigfell. Konkret heisst das, wie bei einer Tour mit Tourenskis kann man mit den Crossblades nach dem Aufstieg wieder herunterfahren. Dies im Gegensatz zu den Touren mit Schneeschuhen, bei denen auch der Abstieg laufend erfolgt.

Steigen und gleiten: Unterwegs mit den Crossblades

Wir wollten wissen, ob das System auch tatsächlich funktioniert. So hat sich die Schreibende gemeinsam mit ihrem Partner aufgemacht, um die Crossblades im Jura zu testen. Das war nicht ganz einfach, denn die Schneeverhältnisse, die Wetterprognosen und die Freitage der beiden Testpersonen waren nicht immer kompatibel. Am letzten Sonntag war es dann aber so weit. Zwar hatte es die Nacht vorher bis auf Weissensteinhöhe geregnet – aber wir versuchten es trotzdem. Statt wie geplant von der Ruine Balm via Zwischenberg auf die Röti hochzusteigen, musste aber der Tourenanfang auf den Balmberg verlegt werden.

Eine Tolle alternative zum Schneeschuh

Die Verhältnisse waren an dem Tag, an dem die Crossblades getestet wurden, sicher nicht optimal. Es hatte die ganze Nacht lang geregnet, und der Schnee war sehr sulzig. Ganz bewusst wurde die Teststrecke in der Region gewählt. Sie wird häufig von Schneeschuhläufern, aber auch mit Tourenskis begangen. Eines ist sicher: Die Schreibende würde sich sofort wieder mit den Crossblades aufmachen. Das Hochlaufen ist ein echter Genuss und hat grossen Spass gemacht. Die Crossblades sind – verglichen mit den Tourenskis – leicht. Sie wiegen aber etwas mehr als Schneeschuhe. Das Herunterfahren mit den kurzen, breiten Brettern braucht aber eine gewisse Angewöhnungsphase. Im wenig steilen Gelände geht es recht gut. Die Crossblades werden in der Werbung auch für Abfahrten auf hartem Schnee und Traversieren und für Fahrten im Tiefschnee angepriesen. Anfänger sollten dies nicht ausprobieren.
Wer sich Crossblades kaufen möchte, muss sich überlegen, ob es eine Soft- oder eine Hardboot-Bindung sein soll. Die Einstieg mit den Softboots ist etwas komplizierter und kann, wenn es sehr kalt ist, zur Geduldsprobe werden. Softboots – oder einfache Wanderschuhe – sind dafür oft vorhanden, während Tourenschuhe meist erst noch angeschafft werden müssen. Als Alternative zu Schneeschuhen erscheinen die Crossblades der Schreibenden als absolut empfehlenswert. Das Herunterfahren geht weniger in die Knie als das Herunterlaufen und braucht erst noch viel weniger Zeit. Allerdings kosten die Crossblades auch fast doppelt so viel wie handelsübliche Schneeschuhe. Als Alternative zu Tourenskis scheinen die Crossblades hingegen weniger geeignet. (rm)

Da es mit den Crossblades möglich ist, herunterzufahren, hatten wir zusätzlich ein Paar Tourenski mit dabei. Um unterwegs Ski und Crossblades tauschen zu können, wurde am Vortag noch ein Paar Tourenschuhe gemietet. Denn die Crossblades können sowohl mit Softboots als auch mit Tourenschuhen oder guten und wintertauglichen Wanderschuhen verwendet werden. Bevor wir loszogen, hatten wir die Crossblades zu Hause trocken getestet, die Funktionen kurz ausprobiert und uns mit dem Gerät vertraut gemacht.

Vor dem Kurhaus auf dem Balmberg wurden Crossblades und Tourenski ausgelegt und dann angezogen. Das war allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Die Bindung der Crossblades liess sich nur sehr mühsam montieren. Gerechterweise muss dazu gesagt werden, dass wir eine Softbindung auf dem Schuh hatten und mit Hardboots einsteigen wollten. Dazu ist aber der Bändel, der die Crossblades am Schienbein festhält, zu wenig lang. Aber auch mit Schuhen, die in die Bindung passen, ist die Halterung am Schienbein weniger einfach anzupassen als die beiden anderen Bindungsteile.

Dann endlich ging es los. Die Schreibende stand noch nie zuvor auf Schneeschuhen und auch noch nie auf Tourenskiern. Nach zwei, drei Schritten der Angewöhnung ging es bereits gut voran. Die Crossblades haben wirklich erstaunliche Steigfähigkeiten. Kein einziges Rutschen. Kein Moment der Unsicherheit. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Breite der Crossblades. In der schmalen Spur, die Richtung Röti bereits vorhanden war und von Tourenskis stammte, war es nicht immer ganz einfach, vorwärtszukommen. Einfacher war es weiter oben, wo der Hang breiter war und man sich eine eigene Spur suchen konnte. Im Steilen kann eine Steighilfe eingesetzt werden. Den Bügel zu platzieren braucht ein bisschen Fingerspitzengefühl und ein wenig Kraft.

Ungefähr in der Mitte der Strecke wurden dann Tourenski und Crossblades getauscht. Die Schreibende weiter mit den Tourenski, der Partner hatte die Crossblades an den Füssen. Der erste Kommentar: Die Crossblades haben fast kein Gewicht. Tatsächlich, verglichen mit den Tourenski sind sie viel leichter. So ging es weiter bis ungefähr 200 Meter vor der Pyramide auf der Röti. Dort mussten wir Crossblades und Ski stehen lassen: Es hatte keinen Schnee mehr. Auch die in der Wettervorhersage versprochene Sonne war nicht da. Die Umrisse der Pyramide liessen sich nur erahnen. Immerhin. Kaum hatten wir den höchsten Punkt erreicht, rissen die Wolken kurz auf und zeigten uns einen wunderschönen Blick in die Berner Alpen. Auch Biel und der Bielersee glänzten in der Sonne.

Zu Fuss ging es das letzte Stück wieder retour, und schon schlang der Nebel wieder sein kaltes Grau um die Röti. Da es nun abwärtsgehen sollte, wurden die Crossblades von «steigen» auf «fahren» umgestellt. Zwei Handgriffe – ein Kinderspiel. Zehn Sekunden später konnte es losgehen. Das Abnehmen der Felle an den Tourenski dauerte da schon etwas länger. Nachdem die Schreibende und auch ihr Partner wieder bereit waren, ging es los. Anfangs war es noch recht flach. Das war gut so, denn die ersten Bögen auf den Crossblades waren doch recht wackelig. Aber auch hier ging es recht schnell, bis das Herunterfahren einigermassen passte.

Problematisch war für die Schreibende der ungenügende Halt in den Schuhen. Und im Steilhang mit sulzigem Schnee war das Fahren der Crossblades wirklich schwierig. Auch hier übrigens gilt: Wenn der Weg schmal ist und man mit den Crossblades in den Skispuren von anderen fahren muss – dann sind die beiden Bretter etwas zu breit und nicht einfach zu steuern. Der letzte Hang allerdings, den auch die normalen Skifahrer auf dem Balmberg herunterflitzen können, der war dann wieder einfach zu nehmen.