High noon in Honolulu. Vor dem Baseltor kreisen Cars, speien Guggen aus allen Landen aus. Riesige Formationen, in dieser Grösse hier unbekannt und zusammengesetzt aus Chäslochbrätschern wie Ventilblöterlern wachsen zu furchterrregenden, rhythmisch donnernden Tatzelwürmern an. Solothurn bebt. Hat es überhaupt genug Platz für alle, alles? Es hat, aber es wird eng.
Die Solothurner Filmtage einmal anders
Am Set vor dem Cheschtelemuni ziehen Scheinwerfer die Bööggen an wie die Motten. Die Solothurner Filmtage sind verlängert worden, die Regie mit Urs Jeger am Megafon ist inzwischen fast überfordert angesichts der Stars und Sternchen, die sich vor die Leinwand drängen. Nur die Maske ist unterbeschäftigt, denn alle Protagonisten stecken schon drin. Liebesszenen der leidenschaftlichsten Art spielen sich ab, eine Tierdoku mit drei Giraffen und zwei Elefanten wird abgedreht.
Dazwischen Western, jede Menge Mafiosi, ein Breakdancer im Casting, SF bi de Lüt mit Goofen beim Schwofen oder Rutschbahnfahren, Teletubbies, eine Muppet-Show – alles verfolgt von der lasziven Diva mit Schosshündchen und Zigarre. Gartenzwerge mit einer Schubkarre drängen sich ins Rampenlicht, einer begiesst die Kehlen mitsamt Kinn des Kamerateams aus einem Giesskännchen. Süss und klebrig rinnt es übers Kostüm. Eklig. Aber nach einigen Minuten wissen wir: Es waren keine K.o.-Tropfen.
Von auswärtigen Guggen und drei Russinnen
DrehortWechsel. Vor dem Landhaus kapituliert das Filmteam. Mit dem Filmwagen ist kein Durchkommen an den Ballzillus. Die Böggen tanzen in der Säulenhalle auf Nahkampfdistanz, ob sie wollen oder nicht. Wir drehen draussen. Die Giigemusig Züri gibt der Equipe ganz ernsthaft ein Ständchen. Und eine Violinistin fragt ebenso ernsthaft, ob hier am Sonntag tatsächlich keine auswärtigen Guggen erwünscht sind. Auch nicht am Vormittag, zum Kaffee? Oh doch, da sind wir tolerant. Auch mit den drei Russinnen, die ihre Pelze spazieren führen. Oder mit Honolulu-Altnarr Peter Wyss, der sich für eine Einzel-Bettszene sogar auf das nasse Pflaster fläzt.
Klappe. Die Show ist vorbei. Klirrende Flaschen auf dem Pflaster. Müll überall, ein paar wankende Gestalten, die im Dunkel verschwinden. Der Kampf ums Taxi. Und Regen. Etwas früher als angesagt. Es ist fünf Uhr; St. Ursen fahl im Dunkel. War es ein Spuk gewesen? Die bunten Massen in den Gassen, das Stakkato des Guggen-Schlagwerks. Irgendwie dämmerts: Der Aschermittwoch ist schon näher, als wir Narren glauben. Doch die Bilder haben sich eingraviert, erwärmen uns. Auch wenn bereits der Abspann läuft.