Ultraschnelle Besucher überraschten an den Donnerstag-Abendrennen im «Tissot Velodrome» Zuschauer und Rennfahrer: Die Formel 1-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen vom Red Bull Racing Team gaben sich in Begleitung von Tour de France Sieger Cadel Evans die Ehre. Die Beiden verbrachten anlässlich eines Teambuilding-Events einige Tage in der Region und wagten sich dem Vernehmen nach am Freitag dann auch auf das schnelle Oval im Schweizer National-Stadion (natürlich auf dem Rennrad).

Packende Zweikämpfe

Für Spektakel sorgten auf der Bahn aber vor allem die Spezialisten der Sportart. Das ebenso zahlreiche wie fachkundige Publikum kam in den Genuss von spannenden Rennen: Elite-Fahrer lieferten sich packende Zweikämpfe, Damen massen sich mit Junioren, die Ü40-Herren zeigten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und die Velokuriere kürten ihren Besten in einem Vielseitigkeits-Wettbewerb.

Bei den Omnium Schweizermeisterschaften vor drei Wochen hatte er wegen Krankheit noch passen müssen, nun kehrte Claudio Imhof eindrücklich zurück. Der Medaillengewinner an Welt- und Europameisterschaften siegte im Punktefahren, im Tempo Race und an der Seite des Franzosen Joseph Berlin-Semon auch im Madison.
Wiedlisbacher

Nachwuchshoffnung

Als härtester Widerscher entpuppte sich Gino Mäder. Der erst 20-jährige Wiedlisbacher zeigte mit seinen famosen Leistungen, wieso er zu den grossen Schweizer Nachwuchshoffnungen gehört. Seinen drei Ehrenplätzen setzte er mit dem Sieg im Ausscheidungsrennen die Krone auf.

Bemerkenswert auch die Leistung von Martin Ruepp, dem wohl schnellsten Manager auf dem Rad: Der amtierende Senioren-Weltmeister im Scratch klassierte sich im Elitefeld auf den Rängen vier bis sieben. Hauptberuflich ist der Schaffhauser Werksleiter bei Nestle Deutschland in Singen. Seinen Arbeitsweg absolviert er selbstverständlich auf dem Rad. Das sei denn auch praktisch das einzige Training, das er sich zeitlich leisten könne, erklärt der Absolvent der Eidgenössischen Technischen Hochschule.

Thiébauds Siegeszug hält an

Seinen Siegeszug im Velodrome setzte der 18-jährige Valère Thiébaud fort. Nachdem er am letzten Event Ende Januar schon nicht zu schlagen gewesen war, liess er am Donnerstagabend drei weitere Siege folgen. Mal schauen, welche Entwicklung der junge Neuenburger noch nehmen wird.

Ein interessantes Detail zu den Junioren: Ihnen wird nämlich eine Beschränkung in der Gangwahl auferlegt. Man will so verhindern, dass sie zu früh Muskeln, Bänder und Gelenke mit «dicken» Übersetzungen belasten. Umso eindrücklicher ist es, mit welch hoher Tretfrequenz sie um die Bahn huschen.

Reizvoll gestaltete sich das Duell der jungen Herren mit den Damen, welche in den gleichen Rennen starteten. Erwartungsgemäss hatte das weibliche Geschlecht das Nachsehen. Die 20-jährige Mountainbikerin Aline Seitz immerhin begeisterte mit ihren Versuch, jeweils an den Schnellsten dranzubleiben.

Eine Spezialität des Hauses bekamen die Zuschauenden beim Wettkampf der Velokuriere vorgesetzt. Sie, die sich normalerweise in den Häuserschluchten der Städte bestens zurechtfinden müssen, genossen die freie Fahrt auf der Bahn sichtlich. Klarer Sieger in der drei Disziplinen umfassenden Prüfung wurde der Zürcher Dominik Stucki (Flash Delivery Service).

Warten auf den Startschuss

Die Ü40-Herren massen sich zuerst im ursprünglich japanischen «Kampfsprint» Keirin, der eine Beute vom Marcel Wullschleger (Velo-Art) wurde. Im Scratch, einem normalen Distanzrennen, einfach auf der Bahn, konnten sich auch die beiden Lokalmatadoren in Szene setzen. Zuerst ergriff Jan Swager van Dok die Initiative und bereitete so den Angriff von Sascha Plasa vor, welcher erst auf der Ziellinie um Haaresbreite noch von Daniel Wyder abgefangen wurde.

Im Stillstand Contest ist Marc Frossard kaum zu bezwingen. In dieser aufregenden Disziplin geht es darum, sich kurz vor der Startlinie auf dem Rad balancierend zu positionieren, ehe irgendwann der Startschuss fällt und es gilt, aus dem Stand eine Runde zu absolvieren.
Schon in einem Monat (16.März) steht der letzte Donnerstag-Abend Event an. Integriert sind dabei die Schweizermeisterschaften der Damen im Omnium. Velodrome-Geschäftsleiter Peter Wirz verspricht auch für diesen Abend wieder einige sportliche Überraschungen.

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