Jedes Jahr präsentiert das Kulturhistorische Museum eine neue Sonderausstellung. Die nächste beginnt im August und ist der Uhrenkrise der 1970er-Jahre gewidmet. Doch was braucht es alles, bis eine solche Ausstellung eröffnet werden kann?

Der Stiftungsrat und die Museumsleitung wählen das Thema, das von mehreren Faktoren abhängig ist, unter anderem spielen die regionale Verankerung und ein allfälliges Jubiläum eine Rolle. Wichtig ist auch der Forschungsstand. «Wir können nur selten ein Thema von Grund auf selbst erforschen, meistens würde das den zeitlichen Rahmen sprengen, beispielsweise dann, wenn es sich wie bei der Uhrenkrise um ein sehr komplexes Thema handelt», erklärt Museumsleiterin Angela Kummer. «Der mangelhafte Forschungsstand war der Grund, weswegen wir die Krisenzeiten in der Uhrenindustrie nicht schon früher ausgestellt haben. Inzwischen sind aber wichtige Publikationen erschienen.»

Ausstellung soll für alle verständlich sein

Das Thema einer Ausstellung wird zwei Jahre im Voraus bestimmt. Jeweils fünf bis zehn Personen arbeiten mit, meist auf ehrenamtlicher Basis, die Aufgaben werden aufgeteilt. Dabei werden immer auch Fachleute ins Arbeitsteam integriert.

Einer der ersten Schritte ist, herauszufiltern, wie man an das Hintergrundwissen und an die aussagekräftigsten Objekte herankommt. «Unsere Sammlung reicht nicht aus, wir müssen sozusagen stets weitersuchen», so Kummer. Ziemlich am Anfang wird auch die Fragestellung präzisiert und werden mögliche Themen für Vorträge festgelegt.

«Viel, viel lesen, sowohl Primär- als auch Forschungstexte, das ist eigentlich das Hauptsächliche, dazu gehört die Eingrenzung des Themas. Man liest so unglaublich viel und zeigt den Besuchern schliesslich nur einen Bruchteil davon.»

Nach dem Einlesen folgt das Schreiben der Texte. Die Schwierigkeit: Manchmal komplexe Sachverhalte oder Entwicklungen zusammenfassen und für alle Besucher, auch für Kinder, verständlich machen.

Zusammen mit einer Szenografin werden schliesslich die endgültigen Objekte und Bilder ausgewählt und in Szene gesetzt. «Eine bestehende Ausstellung bzw. ein Teil der Dauerausstellung wird jeweils abgebaut; man muss also genau überlegen, was wegkommt und was bleibt.»

Uhrenkrise wieder aktuell

Die neue Ausstellung soll die Krise der Uhrenindustrie ab Mitte der 1970er-Jahre beleuchten und die Ursachen und Auswirkungen in der Region Grenchen beleuchten. Beim Aufbau der Ausstellung sind neben Kummer der ehemalige Stiftungsratspräsident Fred Fasnacht, Rainer W. Walter, Stiftungsratspräsident Lukas Walter, der Leiter des Stadtgeschichteprojekts Daniel Kauz, Stadtarchivarin Salome Moser sowie die Historiker Bettina Hahnloser, Bruno Bohlhalter und Wolfgang Hafner beteiligt und bereits voll bei der Arbeit.

Das Team will die Krise einem breiten Publikum aufzeigen. «Eine der Thesen wird sein, dass es immer ein Auf und Ab ist. Und auch heute ist die Uhrenkrise wieder ein aktuelles Thema», erklärt Kummer. «Was macht man, wenn man nicht mehr viel Geld im Portemonnaie hat? Man wird sich sicher keine Uhr kaufen oder geht weniger ins Restaurant essen. Jede Krise ist konjunkturabhängig.»

Mit der Uhrenkrise wurde das Selbstwertgefühl der Region malträtiert, ist Kummer überzeugt. Vor der Krise ging Grenchen davon aus, dass bald 30 000 Menschen die Stadt bewohnen würden, und hat die Infrastruktur und die Baupläne danach ausgerichtet. «Und dann nach dem Crash zogen innert kürzester Zeit 6000 Personen weg», schliesst Kummer.

Die Vernissage zur Ausstellung der Krise in der Uhrenindustrie wird am 31. August stattfinden.